Endbericht und Praxisleitfaden INNObau erschienen

Der Endbericht und ein Praxisleitfaden des Forschungs­projekts „INNObau – Stärkung des Innovations- und Trans­fer­managements in KMU der Immobilien- und Bauwirtschaft“ stehen ab sofort auf der Website des Strategie­dialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ Baden-Württembergs zum Download bereit.

Das vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg geförderte Vorhaben wurde im Herbst 2025 von einem Konsortium aus der Universität Stuttgart, dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP und dem Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim abgeschlossen.

Hintergrund und Fragestellung

Die Immobilien- und Bauwirtschaft zählt trotz ihrer volkswirtschaft­lichen Bedeutung – mit einem Anteil von rund 15 % an der Bruttowertschöpfung – zu den Sektoren mit vergleich­sweise geringer Innovations­dynamik. Kleine und mittlere Unter­nehmen (KMU), die das strukturelle Rückgrat der Branche bilden, stehen vor besonderen Herausforderungen: eine stark fragmentierte Wertschöpfungs­kette, eine hohe regulatorische Dichte sowie ein ausgeprägter Fach­kräftemangel erschweren die Einführung und Skalierung von Innovationen. Gleich­zeitig zeigen Technologien und Methoden wie Building Information Modelling (BIM), Holzhybridbau, modulares Bauen oder Urban Mining, dass Effizienz- und Nachhaltigkeits­gewinne im Bau­bereich realisierbar sind.

Vor diesem Hintergrund hat INNObau unter­sucht, wie das Innovations- und Trans­fer­management in KMU der Bauwirtschaft systematisch gestärkt werden kann – sowohl auf der Ebene einzelner Bau­projekte als auch auf der betrieblichen Ebene.

Das Institut für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim hat die organisations­forschungs­seitige Perspektive des Projekts verantwortet. Im Mittelpunkt standen Analysen zu den Bedingungen, unter denen Innovationen in Unter­nehmen formal in Strukturen und Prozessen sowie kognitiv in der Organisations­kultur verankert werden können. In das Projekt floss dabei auch die langjährige Erfahrung des ifm in der Forschung zu organisationalen Feldern sowie zur Digitalisierung im Bauwesen ein, die das Institut u. a. durch Trans­fer­projekte wie BIMiD und das Mittelstand-Digital Zentrum Bau aufgebaut hat.

Empirische Grundlage im Forschungs­projekt „INNOBau“ waren Fokus­gruppen mit Unter­nehmens­vertreterinnen und -vertretern aus Planung, Bauausführung und Projekt­entwicklung. Die Teilnehmenden gaben Einblicke über erfolgreiche und gescheiterte Innovations­vorhaben, berichteten über in ihren Unter­nehmen etablierte Methoden des Innovations­managements sowie über wahrgenommene Bedarfe. Diese Erfahrungs­werte wurden systematisch in bestehende organisations- und innovations­theoretische Forschung eingeordnet und bildeten die empirische Grundlage für die Ableitung von Handlungs­feldern und -optionen. 

Zentrale Ergebnisse

Das Kernprodukt des Projekts ist eine Innovations­management­matrix, die zwei Perspektiven auf Innovations­prozesse verbindet: Sie systematisiert relevante Innovations­typen in der Bau- und Immobilienwirtschaft – von Prozess- und Verfahrensinnovationen über strukturelle und kulturelle Veränderungen bis hin zu Produkt- und Dienstleistungs­innovationen – und verknüpft diese mit einem Modell des organisationalen Wandels, das sowohl inner­organisationale Anpassungen als auch die Einbettung in übergeordnete Markt- und Regulierungs­strukturen berücksichtigt. Vier Anwendungs­beispiele – zu BIM, Holzhybridbau, Urban Mining und modularem Bauen – veranschaulichen die Nutzung der Matrix anhand einschlägiger Innovations­themen der Branche.

Auf Unter­nehmens­ebene wurden Handlungs­felder und -optionen entwickelt, die auf die formale Verankerung von Innovations­themen in Organisations­strukturen und -prozessen sowie deren kognitive Verankerung in der Organisations­kultur abzielen – von der strategischen Ausrichtung und der Gestaltung organisatorischer Rahmenbedingungen bis hin zur Steuerung von Veränderungs­prozessen.

Auf Bau­projektebene wurden Handlungs­felder und -optionen erarbeitet, die auf die systematische Identifikation und Implementierung von Innovationen im Projektalltag abzielen – unter Berücksichtigung der spezifischen Akteurs- und Kooperations­strukturen temporärer Bau­projekte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Sicherung von Commitment bei den Projektbeteiligten, die Förderung kooperativer Arbeits­weisen sowie der Über­gang vom Denken in Einzel­projekten hin zu übertragbaren, skalierbaren Produktlösungen. Der vollständige Endbericht sowie ein Praxisleitfaden stehen auf der Website des Strategie­dialogs „Bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen“ Baden-Württemberg zum Download bereit.

Zurück