Foodie Calls – ein Date für ein kostenloses Essen

- Signe Filler & Annika Namyslo -

Sowohl Frauen mit antisozialen Persönlichkeits­zügen als auch Frauen, die eher traditionellen Werten anhängen, neigen eher dazu, Verabredungen nur für ein Gratisessen einzugehen.

Haben Sie sich für ein Date schon einmal zu einem romantischen Abendessen verabredet? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, denn nach einem gemütlichen Kaffee landet das gemeinsame Essen auf Platz zwei der beliebtesten ersten Dates. Nun denken Sie an Ihr letztes romantisches Dinner: Haben Sie gezahlt oder Ihr Gegenüber? Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Je nachdem, welchem Geschlecht Sie angehören, könnten die Antworten auf diese Fragen unterschiedlich ausfallen. Denn trotz harscher werdender Kritik an traditionellen Geschlechterrollen übernehmen immer noch deutlich mehr Männer (47%) als Frauen (6%) beim ersten Treffen die Rechnung. Umgekehrt möchten Frauen (23%) eher eingeladen werden als Männer (10%).

Dass stereotype Rollenverteilungen wie diese problematisch sein können, zeigt sich neuerdings auf unerwartete Weise. Seit einiger Zeit wird in Boulevard-Zeitschriften von einem Phänomen berichtet, bei dem das Stereotyp des zahlenden Gentleman den männlichen Dating­partnern zum finanziellen Verhängnis wird — sogenannte foodie calls. Vermeintlich romantische Verabredungen werden dabei ausgenutzt, um eine Mahlzeit spendiert zu bekommen.

Der US-amerikanische Forscher Brian Collison stellte sich zusammen mit seinen Kolleginnen jüngst die Frage: Welche Persönlichkeits­eigenschaften spielen eine Rolle, wenn Frauen von foodie calls Gebrauch machen? Konkret hatten sie dabei drei antisoziale Persönlichkeits­merkmale im Verdacht, die zusammen als Dunkle Triade bekannt sind. Zur Dunklen Triade gehören Machiavellismus (die Neigung, andere Menschen zu manipulieren oder zu täuschen), Psychopathie (Gewissenlosigkeit und mangelnde Empathie) und Narzissmus (ein überhöhtes Selbstbild und starke Selbstbezogenheit). Betreffende Frauen könnten beispielsweise der Meinung sein, es sei in Ordnung, die romantische Absicht des Dating­partners für ein Gratisessen auszunutzen. Darüber hinaus erwarteten die Forschenden, dass die Neigung zu foodie calls davon abhängig sei, wie stark die Frau traditionellen Geschlechterrollen zustimme.

Um diese Annahmen zu prüfen, füllten 820 Frauen Fragebögen aus, in denen erfasst wurde, ob und wie oft sie bereits foodie calls getätigt haben und als wie akzeptabel sie solches Verhalten einstuften. Ebenfalls beantworteten die Frauen Fragen, die ihre Ausprägung auf der Dunklen Triade sowie ihre Befürwortung von traditionellen Geschlechterrollen bestimmten. Die Ergebnisse zeigten, dass Frauen, bei denen die Dunkle Triade stärker ausgeprägt war, häufiger foodie calls tätigten und diese im Durchschnitt eher als akzeptabel einstuften. Auch Frauen, die traditionelle Geschlechterrollen stärker befürworteten, neigten häufiger zu foodie calls.

Es muss an dieser Stelle natürlich erwähnt werden, dass nicht jede Frau einen foodie call tätigt, die nach einem Essen ein weiteres Date ablehnt. Vielmehr können die Befunde das Verhalten im Zusammenhang mit traditionellen Geschlechterrollen hinterfragen. Muss wirklich immer der Mann zahlen? Denn auch für Frauen wirkt es sich negativ aus, wenn durch eigentlich gut gemeintes Verhalten Geschlechterrollen gefestigt werden (siehe hier). Letztlich dürften also alle davon profitieren, asymmetrische Rollenverteilungen aufzubrechen.

 

Collisson, B., Howell, J. L., & Harig, T. (2019). Foodie Calls: When Women Date Men for a Free Meal (Rather Than a Relations­hip). Social Psychological and Personality Science, 11(3),425-432. https://doi.org/10.1177/1948550619856308

Redaktion und Ansprech­partner*in¹: Sebastian Butz¹, Selma Rudert

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