Wissenschaft beim Uni-Fest
Beim Uni-Fest erhalten Sie vielfältige Einblicke in die aktuelle Forschung der Universität Mannheim: Sprechen Sie einzeln oder in kleinen Gruppen mit unseren Forschenden beim ExpressWISSEN, besuchen Sie eine Vorlesung für Kinder, lauschen kurzen Vorträgen beim Science-Marathon oder in entspannter Bar-Atmosphäre bei WISSENsdurst und forschen Sie mit beim interaktiven Wissenschaftsprogramm.
Kinder-Uni: Gehört mir meine Idee ganz allein? (16 – 16:45 Uhr)
Ort: SN 163 (1. OG)
Die Uni ist nur was für die Großen? Nein, denn beim Uni-Fest in diesem Jahr gibt es eine Vorlesung der Kinder-Uni.
Prof. Dr. Lea Tochtermann, Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht und Europäisches Patentrecht, hält eine Vorlesung für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren über den Schutz von Erfindungen durch Gesetze.
Fahrrad, Automobil, Traktor: In Mannheim wurden einige große Erfindungen gemacht. Damals und heute ist es für Erfinder*innen sehr wichtig, dass ihre Ideen nicht ohne ihre Erlaubnis nachgemacht werden dürfen. Warum? Ein Grund ist zum Beispiel, dass Menschen mit der Idee anderer kein Geld verdienen sollen. Ein anderer Grund ist, dass wir als Gemeinschaft wollen, dass die Erfinder*innen uns ihre guten Ideen anvertrauen. So bereichern sie unser aller Wissen, und neue Erfindungen können auf dieser Grundlage entstehen. In dieser Vorlesung wollen wir uns anschauen, wie Gesetze einerseits die Idee einer einzelnen Person schützen und andererseits das Wissen aller vermehren können. Und wir sprechen darüber, welche Gedanken wir uns an der Universität dazu machen.
Interaktives Wissenschaftsprogramm (16:30 – 19 Uhr)
Ort: Hörsaal O 48 (EG) und Seminarraum O 128 (1. OG)
Wie wirkt Sprache? Sprachforschung zum Mitmachen
Sprache umgibt uns überall und wir nutzen sie ganz alltäglich – nur selten betrachten wir sie ganz bewusst. Welche Sprachen und Sprachvarianten umgeben uns wo und wie? Und wie wirkt Sprache auf uns?
Die Wissenschaftler*innen Dr. Janin Rössel, Dr. Rahaf Farag und Janne Vogel vom Leibniz-Institut für Deutsche Sprache (IDS) laden Sie zum Mitmachen und gemeinsamen Erkunden ein. Das Wichtigste bringen Sie dabei selbst mit: Ihre persönlichen Sprachschätze. Welche Wörter oder Sätze empfinden Sie z. B. als wohltuend, wenn Sie sie hören? Schauen Sie vorbei, gewinnen Sie spannende Einblicke in die Forschung rund um sprachliche Vielfalt und die Wirkung von Sprache.
Wie können psychische Erkrankungen behandelt werden?
Psychische Störungen sind weit verbreitet und gehen mit enormen Belastungen für die Betroffenen einher. Auch Angehörige stehen ihnen oft hilflos gegenüber. Wie kann man Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen helfen? Worin haben psychische Störungen ihren Ursprung und welche Behandlungsmethoden gibt es?
Am Informationsstand des Otto-Selz-Instituts, ein interdisziplinäres Forschungsinstitut, das Forschung, Lehre und Therapie verbindet, können Sie sich zu diesen Fragen informieren.
Psychologische Forschung zum Mitmachen
Der Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie und Psychotherapie verbindet gemeinsam mit der Psychologischen Ambulanz am Otto-Selz-Institut Forschung, Lehre und Praxis. Forschungsschwerpunkt ist die Untersuchung von Emotionen im Kontext psychischer Erkrankungen und den damit verbundenen körperlichen Prozessen. Untersucht wird außerdem, wie Künstliche Intelligenz in Form von Large-Language-Modellen (LLMs) in der Psychotherapie eingesetzt werden kann.
Beim Uni-Fest können Sie selbst an kurzen Studien teilnehmen – zum Beispiel zur Emotionsverarbeitung, zum Zusammenhang von sozialen Berührungen und Wohlbefinden oder zum Einsatz von KI in der Psychotherapie. Machen Sie mit und gewinnen Sie einen Eindruck, wie psychologische Forschung funktioniert.
Erleben Sie Künstliche Intelligenz hautnah
Künstliche Intelligenz (KI) übernimmt mittlerweile viele Aufgaben in unserem Alltag. Aber kann eine KI genauso gut beraten wie Therapeut*innen? Lukas Goebel, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie und Psychotherapie und im Projektmitarbeiter im Verbundprojekt TransforMA, stellt „Carl BOTgers“ vor: ein Chatbot, der nach den Prinzipien der Gesprächsführung des amerikanischen Psychotherapeuten Carl Rogers trainiert wurde. Testen Sie Carl BOTgers selbst und machen Sie sich Ihr eigenes Bild!
Entdecken Sie Ihr kreatives Potenzial
Sie würden von sich behaupten, nicht kreativ zu sein? Wir beweisen Ihnen das Gegenteil!
Corinna Braun, Mitarbeiterin im Verbundprojekt TransforMA, zeigt Ihnen verschiedene Übungen, mit denen Sie direkt vor Ort Ihre Kreativität entfalten können. Testen Sie zum Beispiel die Lotusblütentechnik – eine strukturierte Methode, um aus einem Kernproblem zahlreiche Ideen und Unterideen zu entwickeln.
Der neue Kollege – ein vollständig KI-generierter Avatar?
Bastian Schieck, Rosa Holtzwart und Dr. Deborah Mateja vom Lehrstuhl für Information Systems erforschen Avatare – künstlich erzeugte, virtuelle Menschen. Die Forschenden interessiert, wie Menschen auf Avatare reagieren und wo Mensch und Avatar zusammenarbeiten können, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Beim Uni-Fest können Sie eine solche Interaktion mit einem Avatar selbst erfahren. Probieren Sie es aus und nehmen Sie an der Forschung teil!
Bitte beachten Sie: Dieser Programmpunkt findet im Seminarraum O 128 statt.
ExpressWISSEN (17 – 18 Uhr)
Ort: Dozierendenzimmer O 126 (1. OG)
Beim Austauschformat „ExpressWISSEN“ können sich die Besucher*innen des Uni-Fests eine*n Expert*in „ausleihen“. In kurzen persönlichen Gesprächen können sie Fragen zu Forschungsthemen der*des Expert*in stellen sowie eigenes Wissen und eigene Erfahrungen teilen. Nach ca. zehn Minuten wechseln die Gesprächspartner*innen.
Prof. Dr. Frederik Armknecht: Wie verräterisch sind unsere Daten?
Prof. Dr. Frederik Armknecht (auf Englisch) ist Inhaber des Lehrstuhls für Praktische Informatik IV an der Universität Mannheim. Er erforscht, welche Risiken daraus entstehen, dass praktisch durchgehend Daten über uns gesammelt werden – zum Beispiel in Smart Home Systemen oder bei der Handynutzung. Sprechen Sie mit ihm über
- mögliche positive Effekte der immer umfangreicheren Datensammlung,
- Risiken des maschinellen Lernens,
- den Schutz der Privatsphäre mithilfe von Informationsverschlüsselung.
Dr. Svea Holtmann: Steuern und Nachhaltigkeit – kann der Staat „grünes Verhalten“ lenken?
Steuern beeinflussen viele Entscheidungen im Alltag – vom Autokauf bis zur Unternehmensstrategie. Doch können sie auch dazu beitragen, nachhaltigeres Verhalten zu fördern? Dr. Svea Holtmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, erforscht, wie Steuerpolitik genutzt werden kann, um Umwelt- und Klimaziele zu erreichen. Sprechen Sie mit ihr zum Beispiel darüber,
- warum klimafreundliches Verhalten steuerlich gefördert wird,
- ob Steuerpolitik Menschen wirklich zu nachhaltigerem Verhalten bewegt oder
- warum manche „grünen“ Steueranreize besser funktionieren als andere.
Dr. Sandra Morgenstern: Warum Menschen ihre Heimat verlassen und warum nicht – Migrationsentscheidungen im Globalen Süden
Dr. Sandra Morgenstern, Postdoktorandin in der Migrations- und Integrationsforschung, erforscht, welche sozialen und politischen Faktoren Auswanderungsentscheidungen in Ländern des Globalen Südens prägen. Sprechen Sie mit ihr unter anderem über folgende Fragen:
- Wie werden europäische Kampagnen, die in afrikanischen Ländern vor Migration warnen, vor Ort wahrgenommen?
- Welche Rolle spielen objektive Lebensbedingungen und subjektive Wahrnehmungen im Herkunftsland?
- Wie hängen demokratische Einstellungen oder Geschlechterunterschiede mit Migrationsabsichten zusammen?
Dr. Nils Petras: Wie können psychische Erkrankungen erforscht werden?
Was ist eine Depression, was eine Angststörung? Wer definiert diese Krankheitsbilder – und auf welcher Grundlage?
Die menschliche Psyche können wir weder sehen noch hören oder anders direkt vermessen. Wie können wir sie trotzdem systematisch und verlässlich erforschen?
Diese Herausforderung begleitet die Psychologie seit ihrer Gründung. Dr. Nils Petras ist Experte für Forschungsmethoden in der Psychologie. Zusammen mit Forschenden der klinischen Psychologie untersucht er nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten, Suizidalität und Angststörungen. Sprechen Sie mit ihm darüber,
- wie psychische Merkmale aus Fragebogendaten erschlossen werden können,
- was transparente und reproduzierbare psychologische Forschung ausmacht,
- und wie die Wissenschaft besser aus ihren Fehlern lernen kann.
Science Marathon (17:30 – 19:30 Uhr)
Ort: SN 163 (1. OG)
In kurzen Vorträgen geben Ihnen Wissenschaftler*innen der Uni Mannheim aus verschiedenen Fachbereichen Einblicke in ihre aktuellen Forschungsthemen.
17:30 bis 17:50 Uhr
Gemütliche Morde, wahre Verbrechen und die Literatur. Ästhetik und Ethik im Erzählen über Kriminalität
Dr. Sandra Beck
Akademische Rätin am Seminar für Deutsche Philologie18 bis 18:20 Uhr
Modern Times: ChatGPT & Co. in der Psychotherapie
Prof. Dr. Georg W. Alpers
Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie und Psychotherapie18:30 bis 18:50 Uhr
Wohin sind die Babys verschwunden? Der weltweite Geburtenrückgang und seine Folgen
Prof. Michèle Tertilt, Ph.D.
Professur für Makro- und Entwicklungsökonomie19 bis 19:20 Uhr
Mensch oder KI-Agent: Wer baut bessere Datenpipelines?
Prof. Dr. Christian Bizer
Professur für Informationssysteme V: Webbasierte SystemeVortrag zur Uni-Geschichte: Eine Universität für die Gesellschaft? (19:30 – 20 Uhr)
Ort: FUCHS-Festsaal (1. OG)
Mannheim nennt sich Universitätsstadt, obwohl es eine Uni genau genommen erst seit 1967 gibt. Wie wurde aus der bescheidenen Städtischen Handelshochschule von 1907 ein sozial- und wirtschaftswissenschaftliches Kompetenzzentrum von Weltrang? Mannheims Universität musste lange um ihren Platz kämpfen. Ein „Aus“ droht heute nicht mehr. Aber die Universitäten stehen aktuell vor der größten Krise von Bildung und Wissenschaft seit langem. Ein Blick in die Vergangenheit kann bei der Bewältigung von großen Zukunftsaufgaben Orientierung bieten.
Beim Uni-Fest gibt Prof. Dr. Philipp Gassert, Lehrstuhlinhaber für Zeitgeschichte, Einblicke in bald 120 Jahre Mannheimer Universitäts- und Hochschulgeschichte.
WISSENSdurst: Misstrauen als Waffe: Bildungsstrategien der Neuen Rechten (20:30 – 21:30 Uhr)
Ort: EO Bar & Lounge (EG)
Mit Wissenschaftler*innen über ihre Forschung diskutieren und dabei ein Getränk genießen: Das ist WISSENsdurst.
Da politische Macht nicht allein durch Wahlerfolge entsteht, setzen rechte Akteur*innen auf andere Strategien. Ab dem Kindesalter sollen zukünftige Wähler*innen geformt werden – durch eine schleichende Verschiebung des kulturellen Klimas, die Schwächung staatlicher Institutionen und gezielte Bildungsangebote. Doch wie genau versuchen diese Akteur*innen, rechtem Gedankengut langfristig gesellschaftliche Akzeptanz und politische Wirksamkeit zu verschaffen?
Cornelia Ruhe, Professorin für Romanische Literatur- und Medienwissenschaft, und Thomas Wortmann, Professor für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, geben Einblicke in ihre Forschung zu Bildungsstrategien der Neuen Rechten in Frankreich und Deutschland. Diskutieren Sie mit ihnen darüber, welche Rolle Bildung für den gesellschaftlichen Einfluss rechter Bewegungen spielt.