Mannheimer Corona-Studie

Die Mannheimer Corona-Studie (MCS) ist ein Projekt des German Internet Panels, das die gesellschaft­lichen Veränderungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland untersucht. Die Arbeit der MCS ist in drei Phasen aufgeteilt:

In der Datenerhebungs­phase der Mannheimer Corona-Studie wurden vom 20. März bis zum 10. Juli 2020 jede Woche ca. 3.600 Teilnehmer*innen des German Internet Panels (GIP) dazu befragt, wie sich ihr Leben seit der Corona-Krise verändert hat. Dabei haben wir sowohl sozial-/wirtschaft­liche Aspekte (z. B. Kinderbetreuung, Arbeits­situationen und verfügbares Einkommen) als auch den Einfluss politischer Maßnahmen auf soziale Interaktionen, Ängste, sowie die gesellschaft­liche Akzeptanz der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie untersucht. Die Studien­teilnehmer*innen wurden gleichmäßig über die Wochentage verteilt, sodass wir tägliche Einblicke in die Entwicklungen der Bevölkerung erhalten haben.

Die erhobenen Daten der 16 Wochen MCS sind Grundlage der zweiten Phase, in welcher die beteiligten Wissenschaft­ler*innen detaillierte Datenanalysen durchführen und weitere Rückschlüsse auf die Effekte der Pandemie in Deutschland ziehen. Da es sich bei der Mannheimer Corona-Studie um eine Panelstudie handelt, die auf einer bestehenden Langzeit­untersuchung aufbaut, können wir die im Rahmen der MCS beobachteten Entwicklungen mit der gesellschaft­lichen Lage vor Ausbruch der Pandemie vergleichen. Die GIP-Teilnehmer*innen tragen seit mindestens 18 Monaten regelmäßig zu unserer Forschung bei; teilweise sind die Teilnehmer*innen schon 8 Jahre dabei.

Durch die Eingliederung der MCS in die fortlaufende Datenerhebung des GIP kann darüber hinaus in der dritten Phase der Studie zusätzlich untersucht werden, welche langfristigen Folgen die Corona-Pandemie für Deutschland hat.

Die deutschland­weite Zufallsstichprobe des GIP, u. a. aus den Registern der Einwohnermeldeämter, und unser zweistufiges Gewichtungs­verfahren erlauben der Mannheimer Corona-Studie, Rückschlüsse auf die allgemeine Bevölkerung in Deutschland zu schließen. Anders als viele kurzfristig anberaumte Studien, die auf kommerzielle online Befragtenpools vertrauen, ist die Repräsentativität der Mannheimer Corona-Studie daher entsprechend statistisch unterbaut.

Auf dieser Seite können Sie die Ergebnisse und Veröffentlichungen der Studie zum gesellschaft­lichen Einfluss der Corona-Pandemie verfolgen.

 

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Wissenschaft­ler*innen

Wissenschaft­liche Veröffentlichungen der MCS

Foto: SRM
Blom et al. 2020

High Frequency and High Quality Survey Data Collection: The Mannheim Corona Study

Blom 2020

Zum gesellschaft­lichen Umgang mit der Corona-Pandemie. Ergebnisse der Mannheimer Corona-Studie.

Foto: European Societies
Möhring et al. 2020

The COVID-19 Pandemic and Subjective Well-Being: Longitudinal Evidence on Satisfaction with Work and Family.

Foto: JESP
Möhring et al. 2020

Inequality in employment during the Corona lockdown: Evidence from Germany.

Foto: EPA
Naumann et al. 2020

COVID‐19 policies in Germany and their social, political, and psychological consequences.

Methodik der Corona-Studie

Die Mannheimer Corona-Studie baut auf der Methodik und Infrastruktur des German Internet Panels (GIP) auf. Genau wie das GIP wird auch die Corona-Studie von Prof. Dr. Blom geleitet, vom GIP-Team durchgeführt und die Fragebögen gemeinsam mit Wissenschafler*innen am Sonderforschungs­bereich (SFB) 884 „Politische Ökonomie von Reformen“ entwickelt. 

Stichprobe
Die Stichprobe des GIP wurde für die Corona-Studie in acht zufällige Substichproben unterteilt. Die Substichproben 1-7 wurden jeweils einem anderen Wochentag zugeordnet, eine achte Stichprobe dient als Kontroll­gruppe und wurde in der Corona-Studie nicht befragt. 

Tägliche Befragungen
An jedem Wochentag erhielt eine der Substichproben 1-7 per E-Mail eine Einladung zur Tagesstudie. Die angeschrieben GIP-Teilnehmer*innen hatten dann 48 Stunden Zeit, sich an der Tagesstudie zu beteiligen. Sie wurden aber ermutigt, immer genau an dem ihnen zugeordneten Wochentag, also innerhalb der ersten 24 Stunden, teilzunehmen.

Die Ergebnisse werden tagesbezogen dargestellt. Das heißt Personen, die direkt am gleichen Tag (z. B. Montag) antworten, werden in der Analyse auch diesem Tag (Montag) zugeordnet. Antworten von Personen derselben Substichprobe, die erst am nächsten Tag (Dienstag) teilnehmen, werden zusammen mit den an diesem Tag (Dienstag) erhaltenen Antworten der nächsten Substichprobe analysiert. Auf diese Weise wird dafür Sorge getragen, dass Verzerrungen minimiert werden, da in jeder Tagesanalyse sowohl frühe Befragte als auch Teilnehmer*innen, die etwas mehr Zeit benötigen, enthalten sind.

Innerhalb einer Woche bleibt der Fragebogen genau gleich. Auch über die Wochen hinweg haben wir versucht, die Fragebögen konstant zu halten, um eine tägliche Fortschreibung der Ergebnisse über einen möglichst langen Zeitraum zu erlauben. Um allerdings auch tiefergehende Schwerpunktanalysen zu ausgewählten Themen durchführen zu können und unvorhergesehene Ereignisse abzudecken, wurde der Fragebogen jede Woche evaluiert und für die nächste Woche aktualisiert.

Studien­inhalte
Die Mannheimer Corona-Studie untersucht folgende Themengebiete:

  • Berufliche Veränderungen (z. B. Homeoffice, Freistellung, Job-Verlust), die im Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen
  • Durch die Corona-Krise induzierte finanzielle Engpässe 
  • Die Betreuungs­situation von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren vor und während der Corona-Krise
  • Zufriedenheit mit der Arbeit ausgewählter Politiker
  • Einstellungen zu demokratischen Verfahren in der Corona-Krise
  • Häufigkeit sozialer Kontakte
  • Einstellungen zu den Kosten und dem Nutzen verschiedener politischer Maßnahmen
  • Persönliche Betroffenheit durch das Corona-Virus und entsprechende Risikoeinschätzungen
  • Gefühle der Angst, Beunruhigung und Angespanntheit 

Fragebögen
Zu einer Übersicht der Fragebögen der Studie gelangen Sie hier.

Gewichtung und Repräsentativität
Keine wissenschaft­liche Studie im Bereich der Sozial- und Wirtschafts­forschung, die etwas auf sich hält, wird grundsätzlich von sich behaupten, bevölkerungs­repräsentativ zu sein. Während kommerzielle Institute gerne behaupten, repräsentative Daten zu erheben, versucht die Wissenschaft im Allgemeinen den Begriff der Repräsentativität zu vermeiden.

Selbstverständlich haben hochwertige wissenschaft­liche Studien aber den Anspruch, der Repräsentativität möglichst nahe zu kommen. Daher versuchen sie mit Hilfe von Zufallsstichproben der allgemeinen Bevölkerung, sorgfältig durchgeführter Implementierung und wissenschaft­lichen Gewichtungs­verfahren die Grundgesamtheit in einer Vielzahl von Bevölkerungs­statistiken möglichst genau abzubilden. Auch die Mannheimer Corona-Studie im German Internet Panel verfolgt dieses Berufsethos.

Allgemeine Informationen zur GIP-Stichprobenziehung und -Implementierung entnehmen Sie bitte der Methodik-Seite des GIP.

Für die Analysen der Corona-Studie haben wir außerdem detaillierte Gewichte berechnet. Dazu wurde ein zweistufiges Gewichtungs­verfahren durchgeführt:

In der ersten Stufe wurde ein Response-Propensity-Gewicht berechnet, welches die Eigenschaften der Teilnehmer*innen der Corona-Studie auf die GIP-Gesamtstudie hochrechnet. Dabei wurden folgende Eigenschaften berücksichtigt: Berufs­tätigkeit und beruflicher Sektor.

In der zweiten Stufe wurde ein Raking-Gewicht berechnet, welches zusätzlich die Eigenschaften der Teilnehmer*innen der Corona-Studie auf die deutsche Bevölkerung (laut Mikrozensus) hochrechnet. Dabei wurden folgende Eigenschaften berücksichtigt: Alter, Geschlecht, Familienstand, höchster Schul­abschluss, Haushalts­größe und Bundes­land.

Fehlende Werte in den Gewichtungs­merkmalen wurden über einen Chained-Equations-Algorithmus imputiert. Das finale Gewicht wurde für Werte > 4 und Werte < 1/4 getrimmt.

Informationen zur allgemeinen Methodik des GIP
finden sie hier.

Finanzierung
Die Mannheimer Corona-Studie wird im Rahmen des GIP am Sonderforschungs­bereich (SFB) 884 „Politische Ökonomie von Reformen“ von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) gefördert. Die beteiligten Wissenschaft­ler*innen gehören dem SFB 884 an und werden ebenfalls mehrheitlich von der DFG finanziert. Weder die Corona-Studie noch das GIP im Allgemeinen verfolgen wirtschaft­liche oder politische Interessen jedweder Art.

Beteiligte Wissenschaft­ler*innen

Die Mannheimer Corona-Studie erfährt eine breite Unterstützung aus dem Sonderforschungs­bereich (SFB) 884 „Politische Ökonomie von Reformen“. Insbesondere mitgewirkt haben folgende Personen:

Projektleitung:
Prof. Dr. Annelies Blom, Leiterin des GIP und Professorin für Data Science
Dr. Ulrich Krieger, Stellvertretender Leiter des GIP

Soziologie:
Prof. Dr. Katja Möhring, Projektleiterin am SFB 884 und Professorin für Makrosoziologie
Dr. Elias Naumann, Postdoc am SFB 884 und JFK Memorial Fellow an der Universität Harvard
Maximiliane Reifenscheid, Doktorandin am SFB 884

Politik­wissenschaft:
Dr. Roni Lehrer, Associate des SFB 884 und Postdoctoral Fellow am MZES
Sebastian Juhl, Postdoc am SFB 884

Wirtschaft:
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Projektleiter am SFB 884 und Forschungs­bereichs­leiter am ZEW
Prof. Dr. Hans Peter Grüner, Projektleiter am SFB 884 und Professor für VWL, Wirtschafts­politik

Methodik und Implementierung:
Tobias Rettig, Doktorand am SFB 884
Dr. Alexander Wenz, Associate des SFB 884 und Postdoc an der Universität Mannheim
Marina Fikel, Mitarbeiterin am SFB 884
Dr. Carina Cornesse, Postdoc am SFB 884
Sabine Friedel, Mitarbeiterin am SFB 884
Julian Axenfeld, Doktorand am MZES
sowie die studentischen Hilfskräfte des GIP Marie-Lou Sohnius, Lisa Wellinghoff, Sabrina Seidl, Elena Madiai, Julia Kozilek, Nourhan Elsayed, Lisa Jäckel, Julia Schwab und Katja Sonntag

Mit der Unterstützung des Vorstands des SFB 884:
Prof. Dr. Thomas König, Sprecher des SFB 884 und Professor für Europäische Politik
Prof. Dr. Markus Frölich, Stellvertretender Sprecher des SFB 884 und Professor für VWL, Ökonometrie
Prof. Dr. Annelies Blom, Leiterin des GIP und Professorin für Data Science
Dr. Christian Bruns, Research Fellow am SFB 884
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Projektleiter am SFB 884 und Forschungs­bereichs­leiter am ZEW