Mannheimer Corona-Studie

Im Rahmen der Mannheimer Corona-Studie werden jede Woche ca. 3.600 Teilnehmer*innen des German Internet Panels (GIP), dazu befragt, wie ihr Leben seit der Corona-Krise aussieht. Dabei untersuchen wir sowohl sozial-/wirtschaft­liche Aspekte (z.B. Kinderbetreuung, Arbeits­situationen und verfügbares Einkommen), als auch den Einfluss politischer Maßnahmen auf soziale Interaktionen, Ängste, sowie die gesellschaft­liche Akzeptanz der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Die Studien­teilnehmer*innen wurden gleichmäßig über die Wochentage verteilt, sodass wir tägliche Einblicke erhalten über die gesellschaft­lichen Veränderungen in Deutschland.

Da es sich bei der Mannheimer Corona-Studie um eine Panelstudie handelt, die auf einer bestehenden Langzeit­untersuchung aufbaut, können wir die derzeit beobachteten Entwicklungen mit der gesellschaft­lichen Lage vor Ausbruch der Pandemie vergleichen. Die GIP-Teilnehmer*innen tragen seit mindestens 18 Monaten regelmäßig zu unserer Forschung bei; teilweise sind die Teilnehmer*innen schon 8 Jahre dabei.

Die deutschland­weite Zufallsstichprobe des GIP u.a. aus den Registern der Einwohnermeldeämter und unser zwei-stufiges Gewichtungs­verfahren erlaubt der Mannheimer Corona-Studie Rückschlüsse auf die allgemeine Bevölkerung in Deutschland zuschließen. Anders als viele kurzfristig anberaumte Studien, die auf kommerziellen online Befragtenpools vertrauen, ist die Repräsentativität der Mannheimer Corona-Studie daher entsprechend statistisch unterbaut.

Am Freitag, dem 20. März, sind wir mit der ersten Befragung der Mannheimer Corona-Studie am Sonderforschungs­bereich (SFB) 884 „Politische Ökonomie von Reformen“ gestartet. Sie wird zunächst bis zum 10. Juli täglich im jetzigen Studien­design fortgeführt und danach der gesellschaft­lichen Lage entsprechend angepasst.

Auf dieser Seite können Sie tagesaktuell die Ergebnisse der Studie zum gesellschaft­lichen Einfluss der Corona-Pandemie verfolgen.

Täglicher Bericht (10.07.): 112 Tage

Während Ende März 25% der Beschäftigten komplett oder überwiegend im Homeoffice gearbeitet haben, sind inzwischen nur noch 5% ausschließlich im Homeoffice. 23% arbeiten teils zu Hause und teils vor Ort.
Täglicher Bericht: 20.3.-9.7.

zum Bericht
Ergebnistabellen

Schwerpunktbericht: Nutzung und Akzeptanz von Homeoffice

73% der Bevölkerung sind Ende Juni für ein Recht auf Homeoffice. Ende März lag die Unterstützung noch bei 82%. 
Zeitraum: 20.3- 9.7.

zum Bericht

Schwerpunktbericht: Subjektives Arbeits­losigkeits­risiko

Ein Drittel der deutschen Kurzarbeiter fürchtet um den Arbeits­platz.
Zeitraum: Januar-Juni 2020

zum Bericht

Schwerpunktbericht: Social Distancing

Wie viele Menschen schränken sich in ihrem Sozialleben tatsächlich ein? Wer sind diese Menschen?
Zeitraum 2.3.-23.4.

zum Bericht

Schwerpunktbericht: Demokratische Kontrolle in der Corona-Krise

Wie steht Deutschland zu einer Aufwertung der Befugnisse der Bundes­regierung?
Einstellung hängt von persönlichem Bedrohungs­gefühl ab. Zeitraum 20.3.-20.4.

zum Bericht
Ergebnistabellen

Schwerpunktbericht: Angstempfinden in der Bevölkerung

Der Anteil derjenigen mit ziemlich oder sehr großer Angst lag zu Beginn der Studie bei 18% der Bevölkerung, vier Wochen später bei ca. 8%.

Zeitraum: 20.3.-16.4.

zum Bericht

Schwerpunktbericht: Erwerbs­tätigkeit in Deutschland

Ausführliche Analysen zu Home-Office, Kurzarbeit und Jobverlust in verschiedenen Bevölkerungs­gruppen

Zeitraum: 20.3.-15.4.

zum Bericht

Schwerpunktbericht: Erwerbs­tätigkeit und Kinderbetreuung

Wer betreut die Kinder, wenn die Schulen, Kindergärten und Kitas geschlossen sind? Und wie lässt sich das mit Berufs­tätigkeit vereinbaren? 
Zeitraum: 20.3.-2.4.

zum Bericht

Methodik der Corona-Studie

Die Mannheimer Corona-Studie baut auf der Methodik und Infrastruktur des German Internet Panels (GIP) auf. Genau wie das GIP wird auch die Corona-Studie von Prof. Dr. Blom geleitet, vom GIP-Team durchgeführt und die Fragebögen gemeinsam mit Wissenschafler*innen am Sonderforschungs­bereich (SFB) 884 „Politische Ökonomie von Reformen“ entwickelt. 

Stichprobe
Die Stichprobe des GIP wurde für die Corona-Studie in acht zufällige Substichproben unterteilt. Die Substichproben 1-7 wurden jeweils einem anderen Wochentag zugeordnet, eine achte Stichprobe dient als Kontrollgruppe und wird in der Corona-Studie nicht befragt. 

Tägliche Befragungen
An jedem Wochentag erhält eine der Substichproben 1-7 per E-Mail eine Einladung zur Tagesstudie. Die angeschrieben GIP-Teilnehmer*innen haben dann 48 Stunden Zeit, sich an der Tagesstudie zu beteiligen. Sie werden aber ermutigt, immer genau an dem ihnen zugeordneten Wochentag, also innerhalb der ersten 24 Stunden, teilzunehmen.

Die Ergebnisse werden tagesbezogen dargestellt. Das heißt Personen, die direkt am gleichen Tag (z. B. Montag) antworten, werden in der Analyse auch diesem Tag (Montag) zugeordnet. Antworten von Personen derselben Substichprobe, die erst am nächsten Tag (Dienstag) teilnehmen, werden zusammen mit den an diesem Tag (Dienstag) erhaltenen Antworten der nächsten Substichprobe analysiert. Auf diese Weise wird dafür Sorge getragen, dass Verzerrungen minimiert werden, da in jeder Tagesanalyse sowohl frühe Befragte enthalten sind, als auch Teilnehmer*innen die etwas mehr Zeit benötigen.

Innerhalb einer Woche bleibt der Fragebogen genau gleich. Auch über die Wochen hinweg, versuchen wir die Fragebögen konstant zu halten, um eine tägliche Fortschreibung der Ergebnisse über einen möglichst langen Zeitraum zu erlauben. Um allerdings auch tiefergehende Schwerpunktanalysen zu ausgewählten Themen durchführen zu können und unvorhergesehene Ereignisse abzudecken, wird der Fragebogen jede Woche evaluiert und für die nächste Woche aktualisiert.

Studien­inhalte
Die Mannheimer Corona-Studie untersucht folgende Themengebiete:

  • Berufliche Veränderungen (z.B. Homeoffice, Freistellung, Job-Verlust), die im Zusammenhang mit der Corona-Krise stehen
  • Durch die Corona-Krise induzierte finanzielle Engpässe 
  • Die Betreuungs­situation von Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren vor und während der Corona-Krise
  • Zufriedenheit mit der Arbeit ausgewählter Politiker
  • Einstellungen zu demokratischen Verfahren in der Corona-Krise
  • Häufigkeit sozialer Kontakte
  • Einstellungen zu den Kosten und dem Nutzen verschiedener politischer Maßnahmen
  • Persönliche Betroffenheit durch das Corona-Virus und entsprechende Risikoeinschätzungen
  • Gefühle der Angst, Beunruhigung und Angespanntheit 

Fragebögen
Zu einer Übersicht der Fragebögen der Studie gelangen Sie hier.

Gewichtung und Repräsentativität
Keine wissenschaft­liche Studie im Bereich der Sozial- und Wirtschafts­forschung, die etwas auf sich hält, wird grundsätzlich von sich behaupten, bevölkerungs­repräsentativ zu sein. Während kommerzielle Institute gerne behaupten repräsentative Daten zu erheben, versucht die Wissenschaft im Allgemeinen den Begriff der Repräsentativität zu vermeiden.

Selbstverständlich haben hochwertige wissenschaft­liche Studien aber den Anspruch der Repräsentativität möglichst nahe kommen. Daher versuchen sie mit Hilfe von Zufallsstichproben der allgemeinen Bevölkerung, sorgfältig durchgeführter Implementierung und wissenschaft­lichen Gewichtungs­verfahren die Grundgesamtheit in einer Vielzahl von Bevölkerungs­statistiken möglichst genau abzubilden. Auch die Mannheimer Corona-Studie im German Internet Panel verfolgt dieses Berufsethos.

Allgemeine Informationen zur GIP-Stichprobenziehung und -Implementierung entnehmen Sie bitte der Methodik-Seite des GIP.

Für die Analysen der Corona-Studie haben wir außerdem detaillierte Gewichte berechnet. Dazu wurde ein zweistufiges Gewichtungs­verfahren durchgeführt:

In der ersten Stufe wurde ein Response-Propensity-Gewicht berechnet, welches die Eigenschaften der Teilnehmer*innen der Corona-Studie auf die GIP-Gesamtstudie hochrechnet. Dabei wurden folgende Eigenschaften berücksichtig: Berufs­tätigkeit und beruflicher Sektor.

In der zweiten Stufe wurde ein Raking-Gewicht berechnet, welches zusätzlich die Eigenschaften der Teilnehmer*innen der Corona-Studie auf die deutsche Bevölkerung (laut Mikrozensus) hochrechnet. Dabei wurden folgende Eigenschaften berücksichtigt: Alter, Geschlecht, Familienstand, höchster Schul­abschluss, Haushalts­größe und Bundes­land.

Fehlende Werte in den Gewichtungs­merkmalen wurden über einen Chained-Equations-Algorithmus imputiert. Das finale Gewicht wurde für Werte > 4 und Werte < 1/4 getrimmt.

Informationen zur allgemeinen Methodik des GIP
finden sie hier.

Finanzierung
Die Mannheimer Corona-Studie wird im Rahmen des GIP am Sonderforschungs­bereich (SFB) 884 „Politische Ökonomie von Reformen“ von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) gefördert. Die beteiligten Wissenschaft­ler*innen gehören dem SFB 884 an und werden ebenfalls mehrheitlich von der DFG finanziert. Weder die Corona-Studie noch das GIP im Allgemeinen verfolgen wirtschaft­liche oder politische Interessen jedweder Art.

Beteiligte Wissenschaft­ler*innen

Die Mannheimer Corona-Studie erfährt eine breite Unterstützung aus dem Sonderforschungs­bereich (SFB) 884 „Politische Ökonomie von Reformen“. Insbesondere mitgewirkt haben folgende Personen:

Projektleitung:
Prof. Dr. Annelies Blom, Leiterin des GIP und Professorin für Data Science

Soziologie:
Prof. Dr. Katja Möhring, Projektleiterin am SFB 884 und Professorin für Makrosoziologie
Dr. Elias Naumann, Postdoc am SFB 884 und JFK Memorial Fellow an der Universität Harvard
Maximiliane Reifenscheid, Doktorandin am SFB 884

Politik­wissenschaft:
Dr. Roni Lehrer, Associate des SFB 884 und Postdoctoral Fellow am MZES
Sebastian Juhl, Doktorand am SFB 884 und an der Mannheim Graduate School

Wirtschaft:
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Projektleiter am SFB 884 und Forschungs­bereichs­leiter am ZEW
Prof. Dr. Hans Peter Grüner, Projektleiter am SFB 884 und Professor für VWL, Wirtschafts­politik

Studien­implementierung:
Dr. Ulrich Krieger, Stellvertretender Leiter des GIP
Tobias Rettig, Doktorand am SFB 884
Dr. Alexander Wenz, Postdoc am Lehr­stuhl für Statistik und sozial­wissenschaft­liche Methodenlehre, Universität Mannheim
Marina Fikel, Mitarbeiterin am SFB 884
Dr. Carina Cornesse, Postdoc am SFB 884
Sabine Friedel, Mitarbeiterin am SFB 884
Julian Axenfeld, Doktorand am MZES
sowie die studentischen Hilfskräfte des GIP Marie-Lou Sohnius, Lisa Wellinghoff, Sabrina Seidl, Elena Madiai, Julia Kozilek, Nourhan Elsayed, Lisa Jäckel, Julia Schwab und Katja Sonntag

Mit der Unterstützung des Vorstands des SFB 884:
Prof. Dr. Thomas König, Sprecher des SFB 884 und Professor für Europäische Politik
Prof. Dr. Markus Frölich, Stellvertretender Sprecher des SFB 884 und Professor für VWL, Ökonometrie
Prof. Dr. Annelies Blom, Leiterin des GIP und Professorin für Data Science
Dr. Christian Bruns, Research Fellow am SFB 884
Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Projektleiter am SFB 884 und Forschungs­bereichs­leiter am ZEW