MIFE-Konferenz zum Thema „Financial Literacy in the Age of Digitalisation“

Die 5. Jahreskonferenz des MIFE fand am 19. November am ZEW Mannheim statt und widmete sich dem Thema „Financial Literacy in the Age of Digitalization“. 120 registrierte Konferenzteilnehmende diskutierten aktuelle wissenschaft­liche Beiträge zu der Entwicklung von Robo-Advisors und der Rolle von Spielen und digitalen Technologien in der Finanz­bildung. Weiterhin wurde neben der Rolle der Deutschen Bundes­bank in der Finanz­bildung auch das im September von der Europäischen Kommission veröffentlichte Strategie­papier zu der Finanz­bildung in der Europäischen Union diskutiert. 

Zum Auftakt der Konferenz begrüßten die Direktorinnen des Mannheim Institute for Financial Education (MIFE), Prof. Dr. Carmela Aprea (Universität Mannheim) und Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen (ZEW und Universität Mannheim) die Teilnehmenden.

In der ersten Keynote erläuterte Lutz Lienenkämper (Deutsche Bundes­bank) die Rolle der Deutschen Bundes­bank für die finanz­iellen Bildung in Deutschland. Weiterhin ging er auf die Bedeutung von finanz­ieller Bildung für die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland ein. Dabei betonte er, dass Finanz­bildung und neue Wege der Wissensvermittlung wichtig sind, damit Menschen Geldpolitik besser verstehen und einordnen können – auch im Hinblick auf den digitalen Euro als gemeinsames europäisches Zahlungs­mittel.

In der zweiten Keynote ging Prof. Alberto G. Rossi, Ph.D. (Georgetown-Universität, USA) auf Fortschritte und Herausforderungen von Robo-Advisors ein. Seine Forschung unter­sucht, wie Robo-Advisors eingesetzt werden können, damit private Haushalte bessere Finanz­entscheidungen treffen. Automatisierung ist vor allem dann sinnvoll, wenn Aufgaben komplex, aber wiederkehrend und klar regel­basiert sind. Finanz­bildung bleibt wichtig, wenn Menschen Risiken verstehen, langfristig planen und schwierige Abwägungen treffen müssen. Am effektivsten sind hybride Ansätze, die Wissensvermittlung mit gezielter Automatisierung kombinieren.

In der dritten Keynote von Prof. Panu Kalmi, Ph.D. (Universität Vaasa, Finnland) ging es um die Rolle digitaler Technologien in der Finanz­bildung. Er betonte, dass digitale Finanz­bildung wichtig ist, um sich online zurechtzufinden und Betrug zu vermeiden. Zudem ging er auf die Nutzung von Spielen ein. Diese sollten nicht isoliert eingesetzt werden, sondern mit klaren Lernzielen, Anleitung, Reflexion und Feedback kombiniert werden, damit das Gelernte auch im Alltag angewendet werden kann.

Javier Guibert-Suarez von der Europäische Kommission stellte die EU-Strategie für Finanz­bildung vor. Da das Finanz­wissen laut Umfragen in der EU insgesamt niedrig ist, will die EU das Bewusstsein stärken und die Mitgliedstaaten unter­stützen. Geplant sind mehr Austausch bewährter Praktiken, stärkere Kommunikation, Monitoring der Wirkung und finanz­ielle Förderung von Projekten. Als nächster Schritt soll die Umsetzung vorangetrieben werden, unter anderem mit Finanz­bildungs-Botschaft­ern in allen Mitgliedstaaten und klaren Themenschwerpunkten.

Unter der Moderation der MIFE-Direktorinnen Prof. Dr. Carmela Aprea und Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen diskutierten Dr. Renke Deckarm (Regionalbüro der EU-Kommission), Prof. Panu Kalmi, Ph.D. (Universität Vaasa, Finnland), Prof. Dr. Dirk Loerwald (IÖB) und Vanessa Müden (Bundes­ministerium der Finanzen) zum Thema „The EU Financial Literacy Strategy: Implications for Germany“. Das im September veröffentlichte Strategie­papier der Europäischen Kommission wurde aufgegriffen und seine Bedeutung für die Finanz­bildungs­strategie in Deutschland diskutiert. Deutschland könnte dabei an die EU-Strategie sowie an Erfahrungen und bewährte Praktiken anderer Mitgliedstaaten anknüpfen. Voraussetzung für die Weiter­entwicklung der Finanz­bildungs­strategie ist eine wissenschaft­lich fundierte Basis, gestützt auf geeignete Messinstrumente, sowie die Zusammenarbeit mit relevanten Akteuren, um evidenz­basierte Angebote zu entwickeln.

Anschließend wurde im fünften Jahr in Folge der „Bundes­bank Early Career Research Prize on Financial Literacy“ durch Dr. Patricia Staab (Deutsche Bundes­bank) verliehen. Die Auszeichnungen gingen in diesem Jahr zum einen an die Forschungs­arbeit von Katharina Holzheu (ifo Zentrum für Bildungs­ökonomik) mit dem Titel „Bank-Advisor Certification and Willingness to Pay for Sustainable Finance Products“ – die sie zusammen mit Dr. Tobias Wekhof (ETH Zürich, Schweiz) verfasst hat – sowie an die Forschungs­arbeit von Dr. Giang Nghiem (Leibniz Universität Hannover) mit dem Titel „Anchoring Households‘ Inflation Expectations when Inflation is High“, die er zusammen mit Prof. Dr. Lena Dräger (Leibniz Universität Hannover) und Ami Dalloul (Universität Duisburg-Essen) verfasst hat.

Anlässlich des fünfjährigen Bestehens des MIFE, würdigten Prof. Dr. Cornelia Ruhe (Universität Mannheim) und Claudia von Schuttenbach (ZEW) die Leistungen und Erfolge, die das MIFE und seine Mitglieder in den fünf Jahren seit seiner Gründung verbucht haben. 

Prof. Dr. Carmela Aprea und Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen stellten schließlich die Entwicklungen des MIFE dar, das nicht nur personell stark gewachsen ist, sondern auch wissenschaft­lich zu diversen Fragestellungen der Finanz­bildungs­forschung beitragen konnte: Insgesamt wurden 16 drittmittelgeförderte Projekte erfolgreich eingeworben, begleitet von einer Vielzahl an Publikationen sowie Präsentationen in Europa und den USA. Mit den MIFE-Research Days, den MIFE-Konferenzen und Workshops für Nachwuchsforschende wurden zentrale Formate etabliert. Zudem entstanden diverse gemeinsame Projekte und Kooperationen mit Partnern aus Praxis und Politik. 

Zum Abschluss kamen alle Beteiligten bei einem Empfang zusammen, um die Konferenz gemeinsam ausklingen zu lassen und den 5-jährigen Geburtstag des MIFE zu feiern. Eine Slideshow mit Bildern aus den letzten Jahren bot einen anschaulichen Rückblick auf die Entwicklung des MIFE. Zudem gab es die Möglichkeit, in einem digitalen Gästebuch Erfahrungen und Eindrücke aus den vergangenen fünf Jahren des MIFE festzuhalten, sowie Glückwünsche zu teilen. 

Wie bei den vorangehenden Konferenzen fand auch in diesem Jahr im Anschluss an die MIFE-Jahreskonferenz der MIFE Early Career Workshop statt, bei dem vierzehn Nachwuchsforschende ihre Forschungs­beiträge präsentierten und diskutierten.