Verbraucherforschungs­forum 2025

Am 10.12.2025 fand an der Universität Mannheim das Verbraucherforschungs­forum 2025 statt, welches jährlich von wissenschaft­lichen Einrichtungen in Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz durchgeführt wird. In diesem Jahr stand das Thema „Finfluencer, Roboadviser und Co. im Fokus der Verbraucherforschung: Aktuelle Er­kenntnisse zu Chancen und Risiken“ zur Diskussion. Fach­leute aus Wissenschaft, Politik und Praxis kamen in Mannheim zusammen, um aktuelle Forschung, sowie Erfahrungen aus Wissenschaft und Praxis zu teilen. 

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte Prof. Dr. Thomas Fetzer (Rektor der Universität Mannheim) die Teilnehmenden. In seiner Ansprache betonte er die Relevanz von Finanz­bildung für den gesellschaft­lichen Zusammenhalt und stellte die Frage, wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zu einer besseren Finanz­bildung beitragen können, ohne dabei die damit einhergehenden Risiken außer Acht zu lassen. Finanz­bildung sollte nicht nur theoretisch betrachtet, sondern auch über die wissenschaft­liche Community hinaus verbreitet werden. 

Im ersten Beitrag aus der Wissenschaft widmete sich Dr. Leah Zimmerer (Universität Mannheim & ZEW) der Darstellung von Frauen in der Finanz­werbung. Geschlechtsstereotypische Bilder sind in der Finanz­werbung weiterhin präsent: Frauen werden zumeist in dekorativen Rollen gezeigt mit einem Fokus auf das äußere Erscheinungs­bild, wohingegen Männer oftmals unabhängig und in einem beruflichen Kontext dargestellt werden. Diese geschlechterstereotypischen Darstellungen von Frauen in der Finanz­werbung kann sich dabei negativ auf deren Investitions­verhalten auswirken. Die Tendenz ist jedoch rückläufig und insbesondere in jüngster Zeit werden Frauen häufiger auch in professionellere Rollen dargestellt. 

Felix Kuske (Universität Mannheim) stellte in seinem Vortrag die aktuelle Studien­lage zum Einsatz digitaler Technologien in der Finanz­bildung dar. In der Forschung überwiegt dabei der Einsatz von Videos und E-Learnings Tools. Forschungs­lücken bestehen vor allem bei innovativen Technologien, trans­formativen Ansätzen und solchen, bei denen Lernen durch das Kreieren von Inhalten entsteht. Zudem fokussieren die meisten Studien auf die Ziel­gruppe der jungen Erwachsenen. 

Im dritten Vortrag sprach Dr. habil. Matthias Horn (Universität Bamberg) über die Chancen, und Risiken sowie den Handlungs­bedarf von Chatbots als Anlageberater. Hochentwickelte, unabhängige Chatbots können bei der Informations­suche vor mittel- bis langfristigen Einmalinvestments als zweite Meinung dienen und Empfehlungen überprüfen. Für spontane Zusammenfassungen und die Interpretation sehr komplexer Informationen (z. B. zu ESG-Risiken) sind sie jedoch ungeeignet. Zudem braucht es mehr Verbraucherhinweise zur sicheren und datenschutz­konformen Nutzung.

In seiner digitalen Ansprache betonte Minister Peter Hauk MdL (Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg) die Relevanz von evidenz­basiertem und praxisnahem Verbraucherschutz. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten vor allem vor unseriösen Angeboten und Betrugsmaschen im digitalen Umfeld geschützt werden und in der Lage sein, selbstbestimmt und informiert agieren zu können. 

Niels Nauhauser (Verbraucherzentrale Baden-Württemberg) beleuchtet die Rolle von Finfluencern für die Verbraucherbildung kritisch: Inhalte sind für Verbraucher oft schwer als Betrug, Werbung oder Information zu erkennen, zudem fehlen häufig Qualifikationen, vor allem bei „heißen“ Tipps. Plattformen sind unzureichend reguliert, Recht wird kaum durchgesetzt und Algorithmen verstärken angst- und giergetriebene Inhalte. Gefordert werden strengere Regulierung und konsequente Kennzeichnungs­pflichten. Finfluencer sollten daher eher Gegenstand der Verbraucherbildung sein, damit Verbraucher deren Interessen besser einschätzen und kritisch bewerten können.

Luisa Heizmann und Marie Harzenetter (ZEBRA/BW-Zentrale Beratungs­stelle für Weltanschauungs­fragen) gehen in ihrem Vortrag auf die wachsende Nachfrage nach Coaching in der Beratung ein, bedingt durch gesellschaft­liche Veränderungen, Wunsch nach niedrigschwelliger Unter­stützung sowie Social-Media-Präsenz, Misstrauen gegenüber Institutionen und Hürden in der Psychotherapie. Coaching kann helfen, birgt bei unseriösen Angeboten jedoch Risiken, weshalb eine kritische Prüfung durch Verbraucher wichtig ist

Jörg Janotte (Bundes­anstalt für Finanz­dienstleistungs­aufsicht – BaFin) erläutert, wie die BaFin aktuelle Finanz­innovationen beobachtet, um Markt­stabilität und Verbraucherschutz zu sichern. Im Fokus stehen u. a. KI, DLT, Open Finance, Neobroker, Robo-Advice und Finfluencer. Technologien können Prozesse verbessern, bringen aber auch Risiken wie neue Sicherheits­bedrohungen. Finfluencer können Wissen vermitteln, erfordern jedoch kritisches Verhalten der Verbraucher, insbesondere bei unrealistischen Renditeversprechen oder intrans­parenten Motiven; daher sind Finanz­bildung und Aufsicht zentral.

Unter der Moderation der MIFE-Direktorinnen Prof. Dr. Carmela Aprea und Prof. Dr. Tabea Bucher-Koenen diskutierten Luisa Heizmann (ZEBRA/BW), Jörg Janotte (BaFin), Niels Nauhauser (VZ BW) sowie Benjamin Starke (Verband der Lehr­erinnen und Lehrer an Beruflichen Schulen in Baden-Württemberg e. V.) zum Thema „Schöne neue Finanz­welt?! Chancen und Risiken für die Verbraucherinnen und Verbraucher“. Gegenwärtige Entwicklungen wurden aufgegriffen und neben den in den Vorträgen thematisierten Risiken wurden auch Chancen in Folge der Digitalisierung und Innovationen am Finanz­markt thematisiert. Diese tragen unter anderem zu einem vereinfach­ten Zugang zu Finanz­wissen und -produkten sowie verringerten Kosten am Finanz­markt bei, beispielsweise bei der Eröffnung eines Depots oder beim Preisvergleich und der Auswahl zwischen verschiedenen Anlage­möglichkeiten. Mit Blick auf die Risiken sind daher Staat, Forschung und Bildungs­verantwortliche gefragt, um Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen, aufzuklären und kritisches und risikobewusstes Denken zu fördern. Die Nachfrage dafür ist da, gerade bei jungen Menschen, was sich mit der Beliebtheit des Schulfaches „Privates Vermögens­management“ an Wirtschafts­gymnasien in Baden-Württemberg zeigt.