Visuelle Verzerrungen und Fehl­informationen im digitalen Finanz­wesen abmildern: Die Rolle von Nudges, Kompetenzen und kognitiven Fähigkeiten

Da Anlageentscheidungen zunehmend über digitale Plattformen getroffen werden, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher große Mengen visueller Informationen verarbeiten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die Finanz­dienstleistungs­branche grundlegend verändert: Digitale Angebote setzen zunehmend auf Grafiken, Dashboards und KI-gestützte Benutzeroberflächen, um Informationen über Geldanlagen und Finanz­produkte zu vermitteln. Solche Instrumente können den Zugang zu Finanz­informationen erleichtern und fundierte Entscheidungen unter­stützen, sie können Nutzende jedoch auch kognitiven Verzerrungen aussetzen und dadurch zu suboptimalen finanz­iellen Ergebnissen führen. 

Vor diesem Hintergrund hat der Lehr­stuhl für Wirtschafts­pädagogik – Design und Evaluation instruktionaler Systeme gemeinsam mit einem interdisziplinären Team von Forschenden ein Forschungs­projekt entwickelt, das darauf abzielt, kognitive Verzerrungen und die Anfälligkeit für Fehl­informationen bei digitalen Finanz­dienstleistungen zu verringern. Konkret unter­sucht das Projekt, wie visuelle und grafische Informationen finanz­ielle Entscheidungen beeinflussen, und analysiert, wie Verbraucherinnen und Verbraucher in digitalen Finanz­umgebungen auf potenziell irreführende Informationen reagieren. Darüber hinaus evaluiert das Projekt die Wirksamkeit verschiedener verhaltensbezogener Interventionen und Interventionen im Interface-Design, die die Aufmerksamkeit lenken und die Qualität finanz­ieller Entscheidungen verbessern sollen. 

Das Projekt setzt ein randomisiertes kontrolliertes Experiment in Deutschland und Italien ein. Die Teilnehmenden werden unter­schiedlichen Informations­umgebungen ausgesetzt, die von neutralen bis hin zu potenziell irreführenden Finanz­botschaften reichen und mit alternativen Interface-Designs kombiniert werden. Mehrere visuelle Interventionen, dar­unter die Reduzierung der Salienz, alternative Formate der Datenpräsentation und Warnhinweise, werden auf ihre Wirksamkeit bei der Verringerung kognitiver Verzerrungen und der Anfälligkeit für Fehl­informationen getestet. Um die zugrunde liegenden kognitiven und aufmerksamkeits­bezogenen Prozesse besser zu verstehen, kombiniert das Projekt befragungs­basierte Messungen mit Eye-Tracking-Technologie. 

Von dem Projekt werden neue Er­kenntnisse darüber erwartet, wie visuelles Design und Fehl­informationen finanz­ielle Urteile in digitalen Umgebungen beeinflussen und wie verhaltensbezogene und gestalterische Interventionen fundiertere Finanz­entscheidungen unter­stützen können. Zudem sollen individuelle Kompetenzen identifiziert werden, die Verbraucherinnen und Verbraucher vor verzerrten Entscheidungen und irreführenden Informationen schützen. Die Ergebnisse liefern Evidenz, die Aufsichts- und Regulierungs­behörden bei der Entwicklung von Offenlegungs­pflichten und Gestaltungs­standards für Benutzeroberflächen im Rahmen neu entstehender Regulierungs­ansätze als Grundlage dienen kann.

Projektstatus 

Laufend 

Projekt­team 

  • Prof. Dr. Carmela Aprea 
  • Dr. Matteo Robba 

Verbund­partner 

  • Prof. Dr. Marianna Brunetti, Universität Rom Tor Vergata (Italien) 
  • Prof. Dr. Lucrezia Fattobene, Universität Rom Tor Vergata (Italien) 
  • Prof. Dr. Candida Bussoli, Universität LUM Giuseppe Degennaro (Italien) 
  • Prof. Dr. Paola Iannello, Università Cattolica del Sacro Cuore, Mailand (Italien) 
  • Dr. Marco Barone, Universität LUM Giuseppe Degennaro (Italien)