Orangenes Plakat mit blauer Schrift mit dunkelblauem Rahmen. Darauf zu sehen sind eine Trompete, ein paar Noten und Logos der Universität Mannheim, Alte Feuerwache, ZLBI, TransforMA, Wissen bewegen. Text: "Eine Veranstaltung der Universität Mannheim in Kooperation mit der Alten Feuerwache - Improvisation im Fokus, Musik und Reflexion. 01.11.2025. Symposium 12:30-17 Uhr, Konzert 20 Uhr"

Improvisation im Fokus – Musik und Reflexion

Was bedeutet Improvisieren? – Reflexion und Positions­bestimmung zum Phänomen, der Bedeutung und der Über­tragbarkeit des (musikalischen) Improvisierens


Projektbeschreibung

Improvisation ist ein schillernder Begriff. Intuitiv glauben wir zu wissen, was Improvisation ist und was Menschen tun, die improvisieren. Schauen wir genauer hin, löst sich die Bedeutung in widersprüchliche Bestandteile auf. Ist Improvisation wirklich „aus dem Stegreif erfunden“? Wieviel „Unerwartetes“ ist notwendig („improvisio“ = „nicht vorhergesehen“)? Ist Improvisation etwas, was gekonnt sein muss (und gelernt werden kann)? Warum lebt Improvisation in einigen Musikstilen und in anderen nicht (mehr)? Was ist das Besondere dabei, wenn es gemacht und gehört wird? Wir wollen über Improvisation in der Musik sprechen und Improvisation in verschiedener Gestalt in der Musik in einem interaktiven Konzert erleben. Denn in der Musik ist Improvisation als Kunstform anerkannt und wird kompetent ausgeführt.

Das Ziel ist dabei, ein Begriffsverständnis zu entwickeln, das sich übertragen lässt. Außerhalb der Musik wird mit Improvisieren oft eine Handlungs­weise umschrieben, die durch Konfrontation mit unerwarteten Ereignissen notwendig wird. „Improvisieren“ ist entweder mit Unvermögen, Fehlschlag und Herumprobieren assoziiert oder mit erfinderischem, adaptiven, flexiblen und kompetenten Handeln, mit dem die Distanz zu einem (manchmal imaginären) Zielzustand verkleinert werden kann. Improvisieren könnte eine positive und angemessene Fähigkeit oder Sichtweise sein, die in bestimmte Kontexten Sinn ergibt – beispielsweise in Trans­formations- und Innovations­prozessen, in Konflikten, in sich überraschend entwickelnden Interaktionen, in sich verändernden Rahmenbedingungen etc. – überall dort, wo es Verläufe gibt, die nur begrenzt planbar sind. Mit der Über­tragung wollen wir uns zu einem späteren Zeitpunkt in einem eigenen Event beschäftigen.


Der erste Teil zu Improvisation in der Musik, um den es uns geht, wird am 1. November 2025 in der Alten Feuerwache Mannheim als Symposium (Nachmittag) und Abendkonzert stattfinden. 

Die Universität Mannheim und die Alte Feuerwache Mannheim kooperieren miteinander. 

Die Veranstaltung wird im Rahmen eines Elfriede-Höhn-Fellow­ships („Wissen bewegen“) der Universität Mannheim gefördert. 

Symposium & Konzert

  • Symposium Referent*innen

    • Birgitta Flick (Verhältnis Komposition – Improvisation)
    • Prof. Andreas Lehmann (Musikpsychologie – Unter­suchung generativer Prozesse, Bezüge zwischen Improvisation, Komposition)
    • Dr. Fanny Opitz (freie Journalistin)
    • Karen Schlimp (Improvisations­pädagogik, Vermittlung, musikalische Kommunikation, diverse Formen der Improvisation)
    • Dr. Anna Stern (Kunstpädagogik, Performance Art, Interdisziplinäre und intermediale Strategien)
    • Anna Zimmermann (Fagottistin, Barockfagottistin; Alte Musik mit historischen Instrumenten und Neue Musik mit experimentellen Formaten)

    Moderation: Prof. Dr. Stefan Münzer (Mannheim/Saarbrücken), Klavier, Jazz, freie Improvisation, Komposition; Professor für Bildungs­psychologie

    Das Symposium findet in Kooperation mit der Alten Feuerwache Mannheim statt. 

  • Konzertkünstler*innen

    • Birgitta Flick (Berlin), Saxophon, Jazz, freie Musik, Komposition; Deutscher Jazzpreis 2025 für Komposition
    • Arno Krokenberger (Mainz/Mannheim), Orgel, Alte Musik, freie Improvisation; Dekanatskantor in Mainz
    • Flo Huth (Mannheim), Gitarre, freie Musik
    • Mathias Nowak (Mannheim), Kontrabass, Jazz; Professor für Kontrabass (Jazz)
    • Zoe Pouri (Mannheim), Violine, Barockvioline, Alte Musik, Kammermusik und Neue Musik
    • Karen Schlimp (Linz/Wien), Klavier, freie Musik; Professorin für Improvisations­pädaogik
    • Anna Stern (Münster), Stimme; freie Improvisation, Performance Art
    • Claudius Valk (Köln), Tenor- und Sopransaxophon, Klarinette, Bassklarinette, Querflöte, Jazz
    • Klaus Wallmeier (Freiburg), Schlagzeug; freie Improvisation, Jazz
    • Isolde Winter (Mannheim), Cello, Barockcello; Alte und Neue Musik
  • Anmeldung zum Symposium

    Nutzen Sie bitte das untenstehende Anmeldeformular, um sich verbindlich für das Symposium zu registrieren. Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie eine Bestätigung per E-Mail. Die Anzahl der Teilnehmer*innen ist auf 50 beschränkt.

    * Pflichtfelder

  • Konzertkarten

    Hier können Sie Eintrittskarten zum Konzert erwerben.

    Weiter Informationen zum Konzert finden Sie auch auf der Website der Alten Feuerwache.

  • Kontakt

    Ein Bild von Prof. Dr. Stefan Münzer. Er hat kurze graue Haare und trägt ein dunkelblaues Hemd mit einem dunklen Jackett.

    Prof. Dr. Stefan Münzer

    Professur für Bildungs­psychologie
    Universität Mannheim
    Fakultät für Sozial­wissenschaften
    Professur für Bildungs­psychologie
    A 5, 6
    Gebäudeteil B – Raum B 206
    68159 Mannheim
    Sprechstunde:
    Nach Bedarf wird eine digitale Sprechstunde angeboten. Bitte melden Sie sich an unter
    bildungspsychologiemail-uni-mannheim.de

Bericht

  • Symposium: Denken und Diskutieren über das Unvorhergesehene

    Ab 12:30 Uhr gab es eine kurze Einführung und Impulse aus Perspektiven der Musikpsychologie (Andreas Lehmann), des Musikjournalismus (Fanny Opitz), der Studierenden (Anna Zimmermann), der Improvisations­pädagogik (Karen Schlimp) und der Performance Art (Anna Stern). In thematischen Arbeits­gruppen wurde diskutiert, wie viel Unvorhergesehenes tatsächlich in der Improvisation steckt, wie man sie erlernen kann, was ihre besondere Erlebnisqualität ausmacht und wann eine Improvisation als gelungen gelten kann. 

    In der angeregten gemeinsamen Schlussrunde wurden unter­schiedliche Positionen deutlich. Man war sich schnell einig, dass die musikalischen Mittel der Improvisation erlernt werden können (ein Stil ist wie eine Sprache – es gibt Vokabeln, Grammatik, Redewendungen…). Jedoch bedürfe es auch einer besonderen Haltung, um die eigene musikalische Stimme und den Willen zur Gestaltung bei gleich­zeitiger Interaktivität mit anderen Musiker*innen zu entwickeln. Eher unklar blieb, wie diese Haltung in einer pädagogischen Lehr-Lernsituation gefördert werden kann. Über­raschend wurde das „Unvorhergesehene“ nicht nur der Improvisation, sondern auch der Aufführung notierter, „klassischer“ Musik zugestanden. Dies setze sehr hohe Expertise voraus, um spontan gestalten, reagieren und interpretieren zu können. Auch wurde die Vorstellung zurückgewiesen, dass in einer gelungenen Improvisation eine gewisse Komplexität und Virtuosität zu finden sein müsse. Wichtig sei die Kommunikation der Musiker*innen unter­einander und die spürbare Reaktion des Publikums. 

  • Konzert: Klangliche Freiheit und kollektive Abstimmung

    Ab 20:00 Uhr folgte das Konzert in der Halle der Alten Feuerwache, in dem das zuvor Diskutierte hör- und erlebbar wurde. Die Musiker*innen bildeten einen Kreis in der Mitte der Halle, das Publikum saß nahe darum herum, und die Musik wurde soweit wie möglich ohne Verstärkung gespielt. Das Programm reichte von einer Eingangsimprovisation mit wachsender Zahl an Musiker*innen über stilistische Improvisationen mit Mitteln des Barock (Arno Krokenberger, Zoe Pouri, Isolde Winter), im Jazz-Kontext (Claudius Valk, Matthias Nowak, Klaus Wallmeier) und freier Improvisation (Anna Stern, Karen Schlimp, Flo Huth). Zufallsensembles und die gemeinsame Improvisation aller neun Musiker*innen verdeutlichten die „Mehrsprach­igkeit“, das aufmerksame Hören und das gemeinsame Gestalten aus dem Moment heraus, das die Improvisation ausmacht. Das Publikum erlebte den Abend in gespannter Aufmerksamkeit. Den Abschluss bildete Pauline Oliveros’ „Sonic Meditation – Teach Yourself to Fly“, die den Saal in eine besondere Atmosphäre kollektiver Aufmerksamkeit und Ruhe tauchte. 

    Der Tag bot inspirierende Impulse, intensive Gespräche und ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis, sowohl für die Beteiligten wie auch für das Publikum. In einem nächsten Schritt soll nun unter­sucht werden, wie die gewonnenen Er­kenntnisse zur Improvisation auf Trans­formations- und Innovations­prozesse in anderen Bereichen übertragen werden können.

In Kooperation mit: