Foto: Elisa Berdica

Informationen und Hilfe bei Gewalt

Gewalt kann jeden Menschen treffen, in jeder Altersstufe. Sie macht vor keinem Ort der Welt und selten vor einer Position halt. Sie kann im privaten Bereich oder im Arbeits­kontext auftreten – oder auch willkürlich begegnen ... weil man zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Gewalt zeigt dabei viele Gesichter. In gewählter Sprache, im Nebensatz fallenden Bemerkungen, Witzen oder offener Konfrontation. In psychischer Form durch Drohung oder Einschüchterung. In körperlicher oder sexualisierter Gewalt. In (Mehrfach-) Diskriminierungen im öffentlichen Raum oder Institutionen. Gewalt tritt im persönlichen Kontakt und mehr und mehr auch in digitaler Form auf.

Viele Betroffene nutzen die Möglichkeit zur Hilfe bei Anlaufstellen oder Beratung an der Universität Mannheim (noch) nicht. Gemeinsam können wir das Schweigen brechen, Gewalt thematisieren und auf unterstützende Angebote aufmerksam machen


Begriffs­bestimmung

Die Universität Mannheim legt Wert auf einen wertschätzenden und respektvollen Umgang. Die Senats­richtlinie Partnerschaft­liches Verhalten regelt daher das Miteinander an der Universität.

  • Sexuelle Belästigung

    Sexuelle Belästigung wird in der Senats­richtlinie Partnerschaft­liches Verhalten wie folgt definiert:

    „Sexuelle Belästigung ist jedes sexuell bestimmte Verhalten, das von der betroffenen Person unerwünscht ist und bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betroffenen Person verletzt wird. Dies können z.B. sein:

    aa) Bemerkungen sexuellen Inhalts, insbesondere anzügliche Bemerkungen, Kommentare oder Witze zur Person, zu ihrem Körper, zu ihrem Verhalten oder zu ihrem Privatleben,
    bb) unerwünschtes Zeigen oder sichtbares Anbringen pornographischer Darstellungen, gleichgültig in welcher Form (z.B. Kalender, Bildschirmschoner, Poster),
    cc) Gesten und nonverbale Kommentare mit sexuellem Bezug,
    dd) unerwünschte Aufforderungen und/oder Nötigung zu sexuellen Handlungen,
    ee) unerwünschter sexuell bestimmter Körperkontakt,
    f) sexuelle Diskriminierung, Belästigung und Gewalt, insbesondere unter Ausnützung von Abhängigkeits­verhältnissen am Arbeits- und Ausbildungs­platz.“

  • Cybergewalt

    Diverse englische Begriffe bezeichnen verschiedene schädigende Formen der Belästigung, Bedrängung, Verunglimpfung, Nötigung und Verleumdung von Menschen auf digitalen Wegen über das Internet und via Smartphones. Die Übernahme einer anderen Identität, um in deren Namen zu agieren, stellt dabei eine weitere Gefahr dar.

    • Cybermobbing
      Über einen längeren Zeitraum nutzen Einzelne oder eine Gruppe von Tätern Handy- oder Internetanwendungen zur vorsätzlichen Schädigung eines Opfers. Dabei besteht ein asymmetrisches Kräfte­verhältnis – das Opfer kann sich schwer gegen die Handlungen der anderen wehren. Cybermobbing ist zeitlich und örtlich unabhängig und kann durch Smartphones 24 Stunden täglich stattfinden. Cybermobbing findet im Unterschied zum klassischen Mobbing mit sehr hohem Öffentlichkeits­grad statt. Es kann in verschiedensten Formen auftreten.  
    • Cyberstalking
      Durch unangemessene, bedrohende, beleidigende, digitale Kontaktaufnahmen oder auch Verunglimpfungen in Chats, Blogs und sozialen Netzwerken werden Opfer drangsaliert. Die Überwachung von Internetaktivitäten des Opfers, Ortung von Smartphones und Identitätsmissbrauch zeigen ebenfalls die Parallelität zum klassischen Stalking.
    • Cybergrooming
      Opfer der Alters­gruppe zwischen 10 und 15 Jahren werden von Erwachsenen gezielt online auf Instagram, TikTok und Co. kontaktiert. Dabei wird bei den meist noch nicht medienmündigen Heranwachsenden eine Vertrauensbasis erschlichen und strategisch eine emotionale Abhängigkeit erwirkt, um sie zu sexualisierten Handlungen im Netz zu bringen. Anschließend kann Erpressung und evtl. auch physischer Missbrauch folgen.

Ansprechpersonen sexuelle Belästigung

Dipl.-Psych. Ute Pfründer ✉︎
Alexandra Raquet ✉︎
Prof. Dr. Georg W. Alpers ✉︎
Foto: Andreas Bayerl

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württembergs (MWK) bestellte  die Rechts­anwältin Michaela Spandau aus Stuttgart als Vertrauensanwältin für den Bereich sexualisierte Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt für die Einrichtungen im Geschäfts­bereich des MWK.

Die Initiative der Landes­konferenz der Gleichstellungs­beauftragten LaKoG hat die Kampagne „Zieh einen Schlussstrich“ gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt an Hochschulen in Baden-Württemberg ins Leben gerufen.

Ein Fortbildungs­angebot zur Selbstbehauptung: „Aktiv-Seminar ‚Selbstverteidigung für Frauen‘ Grundkurs“ finden Sie direkt bei der Universität. Auch der Präventions­verein SiMA bietet Selbstbehauptungs­kurse.

Videovortrag von Tanja Kramper, Geschäftsführerin der Kommunalen Kriminalprävention Rhein-Neckar e.V., über die wichtigsten Fakten zu Gewalt in der Region und Tipps im Umgang mit gefährlichen Situationen.

 


Anlaufstellen

Um im Notfall richtig reagieren zu können, ist es wichtig, relevante Schritte im Ernstfall im Hinterkopf zu behalten. Die Polizei bietet Schutz bei akuter Bedrohung unter der 110 sowie prägnante Opfer­informationen mit wichtigen ersten Schritten zu verschiedenen Themen

  • Schnelle Hilfe im AKUTFALL

    • Gewaltambulanz Heidelberg
      Zur Verletzungs­dokumentation und Spurensicherung nach Gewalt. Sie ist rund um die Uhr telefonisch erreichbar unter: 0152 54 64 83 93
    • Hilfetelefon  „Gewalt gegen Frauen“ unter 08000 116 016 und online
    • Weisser Ring mit Online-Angeboten und Opfer-Telefon unter 116 006
    • Hilfetelefon bei sexuellem Missbrauch für Erwachsene und Jugendliche: 0800 22 55 530
    • Relevante Notfallkontakte in einer Zusammenfassung des Deutschen Präventions­tags
    • Frauen- und Mädchennotruf Mannheim
      Telefon: 0621/10033 oder team maedchennotruf.de
    • Luisa richtet sich als Hilfsangebot an Frauen in der Partyszene von Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen, die sich mit der Frage Ist Luisa hier? ans Personal wenden können und unmittelbar und diskret Hilfe in unangenehmen Situationen bekommen.
  • Unterstützung bei häuslicher Gewalt

    • Hilfen bei häuslicher Gewalt der Stadt Mannheim
    • Stärker als Gewalt – häusliche Gewalt erkennen mit Informationen, Tipps und rechtlichen Hintergründen
    • Frauen­informations­zentrum (FIZ) Mannheim
      Schutz, Hilfe und Beratung für Frauen und deren Kinder, die häusliche Gewalt erlebt haben. Telefon: 06 21 / 37 97 90, Email: frauen­informationszentrum t-online.de
    • Mannheimer Frauenhaus
      Schutz, Hilfe und Beratung für Frauen und deren Kinder, die häusliche Gewalt erlebt haben. Telefon: 06 21 / 74 42 42, Email: fachbereich-frauen frauenhaus-fiz.de
    • Frauen- und Kinderschutz­haus Heckertstift Mannheim
      Schutz und Unterkunft für Frauen und deren Kinder, die sexuelle, körperliche oder seelische Gewalt erlebt haben. Telefon: 0621/411068 oder über die kostenlose Hotline 0800 1008121; Email: heckertstift caritas-mannheim.de
  • Trauma­beratung

    • BEKO Rhein-Neckar Trauma­beratung
      Fach­beratungs­stelle für Menschen, die von einem hoch belastenden Ereignis betroffen sind. Zu diesen belastenden Ereignissen gehören z.B. Wohnungs­einbruch, Betrug, Gewalt, Unfälle, Suizid eines nahestehenden Menschen oder andere Unglücksfälle. Das Beratungs- und Informations­angebot ist kostenlos, auf Wunsch anonym und weltanschaulich neutral.
    • Psychologische Beratungs­stelle Frauen und Mädchennotruf
      Die psychologische Beratungs­stelle ist neben Hilfe in Akutfällen beratend für sexuell misshandelte Frauen und Mädchen, unterstützende Bezugspersonen und Fach­kräfte tätig. Sie bietet unter der Nummer 0621 10033 oder via Email team maedchennotruf.de Beratungen und Traumatherapie, juristische Informationen, Elterngespräche, u.v.m.
    • Trauma- und Opfer­beratung Seehaus e. V. Sinsheim
      Termine können bei der Trauma- und Opfer­beratung von Seehaus e. V. Sinsheim kostenlos vereinbart werden: claumann seehaus-ev.de oder jloewen seehaus-ev.de oder telefonisch unter 07261 94 35 521.
  • Beratung für Kinder und Jugendliche

    • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche:  116 111
    • Psychologische Beratungs­stelle Frauen und Mädchennotruf
      Die psychologische Beratungs­stelle ist neben Hilfe in Akutfällen beratend für sexuell misshandelte Frauen und Mädchen, unterstützende Bezugspersonen und Fach­kräfte tätig. Sie bietet unter der Nummer 0621 10033 oder via Email team maedchennotruf.de Beratungen und Traumatherapie, juristische Informationen, Elterngespräche, u.v.m.
    • LuCa Heidelberg e. V.
      Geschlechtssensible Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu Gewaltprävention, Ess-Störungen, Jugendberufshilfe u.a. 
    • Childhood-Haus Heidelberg
      Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden sind. Telefon: 06221/56-32430, Email: Childhood-Haus med.uni-heidelberg.de
    • Selbsthilfe-Plattformjuuuport der Niedersächsischen Landes­medienanstalt
      Ausgebildete, ehrenamtliche Scouts zwischen 14 und 18 Jahren beraten Jugendliche bei schlechten Erfahrungen im Internet
  • Beratung für Tatgeneigte

    • Jedermann e. V. Mannheim
      Beratung für Täterinnen und Täter, Tatgeneigte. Handy und Whatsapp-Kontakt: 0179/4883083, 0179/7308238; Email: info jeder-mann.de
    • Behandlungs­initiative Opferschutz (BIOS-BW)
      Telefonische therapeutische Hilfestellungen für Menschen, die befürchten, eine Straftat zu begehen. Insbesondere Personen mit sexuellen Phantasien gegenüber Kindern oder zu Gewalttaten neigende Personen können dieses kostenlose und anonyme Angebot unter der bundes­weit kostenfreien Hotline nutzen: 0800 70 222 40.
  • Weitere Beratungs­stellen mit unterschiedlicher, spezifischer Ausrichtung

    • PLUS. Psychologische Lesben- und Schwulen­beratung Rhein-Neckar
      Beratung für lsbttiq Menschen und ihre Angehörigen, auch zum Thema Gewalt und Gewaltprävention; Telefon: 0621 / 33 62 110, Email: team plus-mannheim.de
    • pro familia Mannheim
      Schwangeren- und Schwangerschafts­konflikt­beratungen, Ehe-Familie-Lebens­beratung, Jugendsprechstunde; Telefon: 0621–27720 
    • AIDS-Hilfe Heidelberg e.V.
      Beratung und Information zu HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Eine anonyme Telefon­beratung findet unter 06221/19 4 11 statt, ansonsten auch per Email: info aidshilfe-heidelberg.de
    • Beratungs­stellen der örtlichen Polizeibehörde zu diversen Themen des Opferschutz und der Prävention


Initiativen

  • Initiative des Bundes­familien­ministerium „Stärker als Gewalt“ www.stärker-als-gewalt.de mit Informationen zu häuslicher, digitaler und sexualisierter Gewalt, sexueller Belästigung am Arbeits­platz, Stalking und Mobbing.
  • Stark für Frauen und gegen Gewalt macht sich auch der Bundes­verband Frauen­beratungs­stellen und Frauennotrufe mit Aktionen, Hilfsangeboten und Informations­material.
  • Sexismus und Gewalt – am Arbeits­platz und darüber hinaus – Frauen.VERDI – Sexismus und Gewalt

Studien

Gefürchtete Settings wie einsame Parkhäuser, schlecht beleuchtete Straßenzüge oder Parks sind durchaus reale Orte von Übergriffen und Vergewaltigungen. Eine größere Bedrohung stellt jedoch der soziale Nahraum für Frauen dar: jede 4. Frau erlebt laut Studie des BMFSFJ, Gewalt gegen Frauen, 2004, Gewalt in der eigenen Beziehung durch den Partner.

Gewalt an Frauen in Zahlen:

Einige große Studien bieten wissenschaft­liche Er­kenntnisse mit ähnlichen Ergebnissen: