DFG-Projekt: PD Dr. Michael Percillier

Projektbeschreibung
Dieses Projekt wird einen Echtzeitansatz anhand historischer Daten anwenden und die Behauptungen, die von den aktuellen Modellen im Forschungsfeld der Varietäten des Englischen (World Englishes) in Bezug auf koloniale und postkoloniale Varietäten aufgestellt werden, empirisch überprüfen. Dieser Ansatz wird eine Forschungslücke schließen, da Untersuchungen im Regelfall immer noch auf synchrone statt historische Daten gestützt sind. Aktuelle Modelle der World Englishes Forschung binden zwar eine diachrone Dimension ein um strukturelle Merkmale und deren Variation zu erklären, sind dabei jedoch größtenteils auf eine außersprachliche Perspektive beschränkt. Werden tatsächlich sprachliche Entwicklungen berücksichtigt, geschieht dies meist anhand von Scheinzeitansätzen. Da das Projekt eine historische Sprachkontaktsituation, die zur Entstehung von postkolonialen Varietäten des Englischen führte, anhand empirischer korpuslinguistischer Methoden untersuchen wird, ist es an der Schnittstelle folgender Forschungsfelder angesiedelt: (1) World Englishes, (2) Sprachkontakt und diachroner Wandel, (3) Korpuslinguistik. Durch die Sammlung und Analyse linguistischer Daten aus Britisch-Malaya während der Kolonialzeit wird das Projekt den aktuellen Forschungsstand in den folgenden Aspekten beachtlich voranbringen: (1) Theorie: (a) die Modellierung der Entstehung kolonialer und postkolonialer Varietäten des Englischen; (b) die Frage nach der internen Differenzierung innerhalb postkolonialer Varietäten des Englischen; (c) die Entstehung charakteristischer Merkmale in postkolonialen Varietäten des Englischen und deren Status als koloniale Relikte oder Neuerungen; (2) Methodologie: (a) die Verfügbarkeit von Daten für frühere Sprachstufen von Varietäten des Englischen; (b) datengesteuerte Ansätze für die Untersuchung diatopisch und diachron variierter Sprachdaten.
