Die Geschichte der Universität Mannheim
- 1907
Eine Hochschule für die Gesellschaft
Um 1900 ist Mannheim das größte Industriezentrum Südwestdeutschlands und der wichtigste Verkehrs- und Handelsplatz am Oberrhein.
1907 wird die Handelshochschule Mannheim gegründet, um den Bedarf an gut ausgebildeten Kaufleuten zu decken.
Angebotene Abschlüsse sind der „Diplom-Kaufmann“ und der „Diplom Handelslehrer“.
Frauen an der Hochschule
Im ersten Wintersemester der Handelshochschule, das am 24. Oktober 1907 beginnt, befinden sich unter den Studierenden zwei Frauen.
1908 stellt die Handelshochschule Mannheim die erste weibliche Hochschuldozentin Deutschlands ein: Elisabeth Altmann-Gottheiner (1874-1930). Sie engagiert sich ehrenamtlich für die Sozialfürsorge im Bund Deutscher Frauenvereine. 1925 erhält sie den Professorinnentitel.
- 1919
Ende des 1. Weltkriegs
Mit dem Ende des 1. Weltkriegs steigt die Zahl der Studierenden deutlich – 1919 wird die tausendste Einschreibung gefeiert.
In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind die Studierenden auf günstige Essensangebote angewiesen: Im Vorlesungsverzeichnis des Sommersemesters 1923 findet sich unter anderem eine Anzeige des Studierendenwohnheims in E 5, 16.
- ab 1933
Auf die Stadt verteilt
Lehrgebäude, Bibliothek und Verwaltung der Hochschule verteilen sich in den ersten Jahrzehnten auf verschiedene Gebäude in den Quadraten.
In der Reiß-Villa (Bild 1) in E 7 befindet sich beispielsweise Europas erste offizielle Ausbildungsstätte für Wirtschaftsdolmetscher*innen – eine innovative Einrichtung für Handel, Industrie, Gerichtswesen und staatliche internationale Arbeit. Der maurische Saal im ehemaligen Palais Engelhorn (Bild 2) in A 1 dient als Seminarraum für die volkswirtschaftlichen Lehrveranstaltungen. Das sogenannte Institut für Warenkunde ist in A 4, 1 untergebracht. Aus Raumnot werden die für die Lehre genutzten Ausstellungsvitrinen im Treppenhaus aufgestellt (Bild 3).
Studium in der NS-Zeit
Nach der Machtübernahme des NS-Regimes erfolgt zum Wintersemester 1933/
34 die Eingliederung der Handelshochschule Mannheim in die Universität Heidelberg. 39 Lehrkräfte werden aus politischen oder rassenideologischen Gründen entlassen. Zwölf „politisch missliebige“ Mannheimer Studierende erhalten ein vierjähriges Studienverbot. Die 23 als „nicht-arisch“ eingestuften Studierenden können ihr Studium offiziell zunächst fortsetzen, werden aber diskriminiert und dürfen keine Stipendien in Anspruch nehmen.
Insgesamt werden 81 Lehrende, Studierende und Verwaltungsangestellte der Handelshochschule Mannheim in der NS-Zeit verdrängt, vertrieben oder ermordet.
Der 2. Weltkrieg
Der jüdische Psychologe Otto Selz (1881-1943, ermordet in Auschwitz) ist in den 1920er Jahren Rektor der Handelshochschule (Bild 1).
Dem späteren Bundestagsabgeordneten und Mitglied des Europäischen Parlaments, Fritz Corterier (1906-1991) wird 1933 aus politischen Gründen das weitere Studium verwehrt (Bild 2).
Die jüdische Studentin Annemarie Ebler (1910-2004) kann 1933 noch ihre Prüfung zur Diplom-Dolmetscherin erfolgreich ablegen (Bild 3). Unter Lebensgefahr unterstützen sie und ihr „arischer” Ehemann Hermann Hampe im Versteck lebende jüdische Bürger*innen in Heidelberg.
- 1946-48
Nach dem Krieg
Im Juni 1946 eröffnet die Handelshochschule mit Genehmigung der US-amerikanischen Besatzungsbehörde als Staatliche Wirtschaftshochschule wieder – zunächst lediglich für einen Sommerkurs, der später jedoch als reguläres Semester anerkannt wird.
Ein neues Zuhause findet sie im Herbst des selben Jahres, nun getragen vom Land Baden-Württemberg, in der Lessingschule am Joseph-Braun-Ufer des Neckars. Dort ist sie bis ins Frühjahr 1955 untergebracht. Die praxisorientierten wirtschaftswissenschaftlichen Institute kehren nach Mannheim zurück, während die Volkswirtschaftslehre in Heidelberg verbleibt.Das erste reguläre Nachkriegssemester startet am 23. September 1946 mit rund 600 Studierenden.
Raum zum Leben und Lernen
Wohnraum ist in Mannheim aufgrund der Kriegszerstörungen knapp. Doch die Studierendenzahlen wachsen weiter und führen bald zu Raumnot. Das betrifft nicht nur die Unterbringung der Studierenden, sondern auch der Hochschulräumlichkeiten.
Im Goethebunker unter dem heutigen Nationaltheater wird ein provisorisches Studierendenwohnheim eingerichtet. Es besteht bis 1955.
1948 wird ein erster Höhepunkt von 900 Immatrikulierten verzeichnet, weswegen ein Numerus Clausus eingeführt wird. Etwa zehn Prozent der Studierenden sind Frauen. Die Mehrzahl der Studierenden kommt aus der Umgebung – bis in die 1960er Jahre bleibt der Anteil auswärtiger Studierender gering.
- 1955
Umzug in das Schloss
Während des Kriegs wird das Schloss so schwer zerstört, dass der Abriss droht. Zunächst wird der am wenigsten zerstörte Westflügel des Schlosses wieder aufgebaut. Dort ziehen Behörden ein. Der Wiederaufbau des Schlosses weitet sich in den Folgejahren auf weitere Teile des Gebäudes aus. Am 11. Mai 1955 wird der Umzug der Wirtschaftshochschule mitsamt der Hochschulbibliothek in das wiederaufgebaute Schloss gefeiert.
Angesichts der wachsenden Studierendenzahlen überlässt das Land das Schloss der Wirtschaftshochschule schließlich zur Nutzung.
Ab Ende der 1950er Jahre beginnt in der Bundesrepublik Deutschland ein Ausbau der Universitätslandschaft. In Mannheim verdreifacht sich die Zahl der Professuren innerhalb eines Jahrzehnts.
- 1960er
Interdisziplinarität an der Hochschule
Zu den Studiengängen „Diplom-Kaufmann“ und „Diplom Handelslehrer“ kommen in den 1960er Jahren weitere Studiengänge hinzu: die Volkswirtschaftslehre, die Sozialwissenschaften sowie das Lehramt in geisteswissenschaftlichen Fächern. Zu dieser Zeit entsteht auch die Juristische Abteilung.
Von Beginn an ist die Hochschule interdisziplinär ausgerichtet – etwa durch enge Zusammenarbeit von Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Psychologie und Geschichte.
In der Imbissstube im Schneckenhof (Bild) treffen sich die Studierenden aller Fachrichtungen.
Von der Wirtschaftshochschule zur Universität
Die Staatliche Wirtschaftshochschule wird am 4. Juli 1967 – genau 60 Jahre nach ihrer Gründung – zur Universität erhoben.
Universitäts-IT (UNIT)
Das Rechenzentrum wird 1968 als Forschungseinrichtung zur Ausbildung in elektronischer Datenverarbeitung gegründet. Bald ergänzen Programmierkurse das Angebot.
- 1970er
Bibliothek
1971 fusioniert die Universitätsbibliothek mit der wissenschaftlichen Stadtbibliothek und wächst dadurch um über 200.000 neue Bände – darunter auch wertvolle historische Bestände. Das neue Büchermagazin bietet Platz für über 500.000 Bücher auf elf Etagen.
Die erste Schneckenhof-Party
Im selben Jahr veranstalten „die Norweger*innen“ – die bis Ende der Achtziger Jahre die größte Gruppe an internationalen Studierenden bilden – außerdem die erste Party im Schneckenhof. Es gibt Räucherlachs, Aquavit, Ziegenkäse und Flatbrød. Ein Relikt aus dieser Zeit ist die Norwegerfete im Schneckenhof, die es bis heute gibt (Bild aus den 2000ern).
Bau von Mensa und Universitätscampus West
Selbst das zweitgrößte Barockschloss Europas kann den wachsenden Anforderungen einer modernen Hochschule bald nicht mehr gerecht werden. Im Laufe der Jahre kommen zahlreiche Gebäude in den L-Quadraten und entlang der Bismarckstraße hinzu.
Auf dem Quadrat A5 wird das in Schnellbauweise errichtete Universitätsgebäude nach nur 12-monatiger Bauzeit im Jahr 1972 eingeweiht (Bild 1).
Nach Übergangslösungen im Ehrenhof Ost und in den Katakomben entsteht 1974 schließlich eine Mensa zwischen Schloss und Eisstadion (Bild 2).
- 1990er
90s kids
In den 90er Jahren ist der Schlosshof begrünt und ein beliebter Ort zwischen den Vorlesungen (Bild 1). Dass diese eines Tages online stattfinden können, damit beschäftigt sich 1995 eine Projektgruppe „Tele-Teaching” (Bild 2).
Richtig modern wird es um die Jahrtausendwende, als Kanzler Dietmar Ertmann die neue multifunktionale Chipkarte ecUM vorstellt (Bild 3).
- 2010er
Die Universität heute und in Zukunft
Und die Universität wächst weiter: Im Jahr 2017 kommen das neue Forschungs- und Lehrgebäude in B 6 (Bild 1) sowie das Studien- und Konferenzzentrum der Mannheim Business School (Bild 2) hinzu.
2025 wird der Grundstein für einen nachhaltigen Neubau für die Universitäts-IT gelegt (Bild 3).
- to be continued

































