„Mapping Taste: Food Across Cultures“ bringt Studierende und Lehrende aus vier europäischen Ländern nach Mannheim
In dem internationalen und interdisziplinären Lehrformat kamen 25 Studierende und fünf Lehrende der Universität Mannheim, der Adam Mickiewicz University in Poznań (Polen), der Vytautas Magnus University in Kaunas (Litauen) sowie der University of Zadar (Kroatien) zusammen, um die kulturelle Bedeutung von Essen und Ernährung aus unterschiedlichen Perspektiven zu erforschen. Das Programm wurde an der Philosophischen Fakultät vom Bereich International Cultural Studies unter der Leitung von Dr. Sofia Uhl und Eva Breitbach organisiert und koordiniert.
Im Mittelpunkt des Programms stand die Frage, wie Essen weit über die reine Nahrungsaufnahme hinaus als Ausdruck kultureller Identität, gesellschaftlicher Zugehörigkeit und nachhaltiger Transformation verstanden werden kann. Das BIP kombinierte eine virtuelle Vorbereitungsphase mit einer einwöchigen Präsenzveranstaltung in Mannheim und setzte dabei auf projektbasiertes Lernen, internationale Teamarbeit und den direkten interkulturellen Austausch.
Bereits im Mai startete das Programm mit einem virtuellen Kick-off, bei dem die Teilnehmenden das Kurskonzept kennenlernten und internationale Projektgruppen gebildet wurden. Ein weiterer Höhepunkt der Online-Phase war die Keynote „Gastronativism“ von Prof. Fabio Parasecoli (New York University, USA), die die politische, kulturelle und gesellschaftliche Dimensionen von Ernährung und Esskultur beleuchtete.
Während der Präsenzwoche in Mannheim erwartete die Teilnehmenden ein abwechslungsreiches Programm aus Fachvorträgen, Diskussionen, Exkursionen und praxisorientierter Projektarbeit. Nach der offiziellen Begrüßung durch Ana-Sofia Uhl und Eva Breitbach führte ein Vortrag zur Esskultur in Deutschland in das Thema ein. Anschließend zeigte die Gastrednerin Dr. Brigitte Hohlfeld, Autorin des Buchs „Weggegangen. Angekommen: Mannheimer Migrationsgeschichten“ anhand der Migrationsgeschichte Mannheims auf, wie eng Fragen von Migration und kultureller Identität miteinander verbunden sind. Eine gemeinsame Stadtführung bot den internationalen Gästen darüber hinaus die Möglichkeit, Mannheim und seine Geschichte kennenzulernen.
Weitere wissenschaftliche Impulse lieferten die Gastdozierenden der Partneruniversitäten und der Uni Mannheim. Aistė Žemaitytė von der Vytautas Magnus University beschäftigte sich mit der Rolle von Essen in der Konstruktion nationaler Identitäten in Europa. Danijela Birt Katić von der University of Zadar stellte ethnologische Forschungsmethoden vor und zeigte, wie Esstraditionen als Zugang zur Untersuchung kultureller Praktiken genutzt werden können. Sławomir Sztajer von der Adam Mickiewicz University in Poznań beleuchtete die Bedeutung von Essen in den Weltreligionen, während Ana-Sofia Uhl in ihrem Vortrag „Food, Memory and Belonging“ die Verbindungen zwischen Essen, Erinnerung und Zugehörigkeit thematisierte.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf erfahrungsbasiertem Lernen. Die Studierenden arbeiteten während der gesamten Woche in internationalen Teams an eigenen Forschungsprojekten und nutzten freie Arbeitsphasen für Gruppenarbeit und Feldforschung in Mannheim. Ein Höhepunkt war der gemeinsame Kochabend im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) unter dem Titel „Food & Identity“. Beim gemeinsamen Zubereiten und Teilen von Speisen konnten die Teilnehmenden persönliche Erfahrungen, kulturelle Traditionen und unterschiedliche Perspektiven austauschen und so die zentrale Fragestellung des Programms unmittelbar erleben.
Auch Exkursionen bildeten einen wichtigen Bestandteil des Programms. Der ganztägige Ausflug in die Kurpfalz am Mittwoch ermöglichte einen Einblick in regionale Kultur- und Ernährungspraktiken. Nach einer Führung durch den Schlossgarten in Schwetzingen lernten die Studierenden bei einem gemeinsamen Mittagessen Aspekte der traditionellen deutschen Küche kennen. Anschließend führte die Exkursion nach Bad Dürkheim, wo die Gruppe das Weingut Fitz-Ritter besuchte, regionale Weinproduktion und Weinbau kennenlernte sowie die Bedeutung regionaler Lebensmittel für kulturelle Identität und wirtschaftliche Entwicklung diskutierte. Am Donnerstag erkundeten die Teilnehmenden den Mannheimer Wochenmarkt, nahmen gemeinsam ein türkisches Mittagessen ein und setzten sich unter der Leitung von Dr. Claudia Schöning-Kalender bei einem Rundgang durch das transnational geprägte Stadtviertel rund um den Marktplatz mit Fragen von Migration, kultureller Vielfalt und urbanen Esskulturen auseinander.
Den Abschluss des Programms bildeten die Präsentationen der studentischen Projekte am 19. Juni. Die internationalen Teams stellten ihre Forschungsergebnisse vor und reflektierten gemeinsam die während der Woche gewonnenen Erkenntnisse. Die Vielfalt der Projekte zeigte eindrucksvoll, wie eng Fragen von Ernährung, Kultur, Identität, Religion und Migration miteinander verknüpft sind.
Das BIP „Mapping Taste: Food Across Cultures“ bot den Teilnehmenden nicht nur fachliche Einblicke in ein aktuelles und gesellschaftlich relevantes Themenfeld, sondern stärkte auch ihre interkulturellen Kompetenzen und internationalen Netzwerke. Gleichzeitig unterstrich das Programm die erfolgreiche Zusammenarbeit der beteiligten europäischen Hochschulen und leistete einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung der Lehre an der Universität Mannheim.







