Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

„Mapping Taste: Food Across Cultures“ bringt Studierende und Lehr­ende aus vier europäischen Ländern nach Mannheim

Vom 15. bis 19. Juni 2026 fand an der Universität Mannheim das Erasmus+ Blended Intensive Program (BIP) „Mapping Taste: Food Across Cultures“ statt.

In dem internationalen und interdisziplinären Lehr­format kamen 25 Studierende und fünf Lehr­ende der Universität Mannheim, der Adam Mickiewicz University in Poznań (Polen), der Vytautas Magnus University in Kaunas (Litauen) sowie der University of Zadar (Kroatien) zusammen, um die kulturelle Bedeutung von Essen und Ernährung aus unter­schiedlichen Perspektiven zu erforschen. Das Programm wurde an der Philosophischen Fakultät vom Bereich International Cultural Studies unter der Leitung von Dr. Sofia Uhl und Eva Breitbach organisiert und koordiniert.

Im Mittelpunkt des Programms stand die Frage, wie Essen weit über die reine Nahrungs­aufnahme hinaus als Ausdruck kultureller Identität, gesellschaft­licher Zugehörigkeit und nachhaltiger Trans­formation verstanden werden kann. Das BIP kombinierte eine virtuelle Vorbereitungs­phase mit einer einwöchigen Präsenz­veranstaltung in Mannheim und setzte dabei auf projekt­basiertes Lernen, internationale Teamarbeit und den direkten interkulturellen Austausch.

Bereits im Mai startete das Programm mit einem virtuellen Kick-off, bei dem die Teilnehmenden das Kurskonzept kennenlernten und internationale Projekt­gruppen gebildet wurden. Ein weiterer Höhepunkt der Online-Phase war die Keynote „Gastronativism“ von Prof. Fabio Parasecoli (New York University, USA), die die politische, kulturelle und gesellschaft­liche Dimensionen von Ernährung und Esskultur beleuchtete.

Während der Präsenzwoche in Mannheim erwartete die Teilnehmenden ein abwechslungs­reiches Programm aus Fach­vorträgen, Diskussionen, Exkursionen und praxis­orientierter Projektarbeit. Nach der offiziellen Begrüßung durch Ana-Sofia Uhl und Eva Breitbach führte ein Vortrag zur Esskultur in Deutschland in das Thema ein. Anschließend zeigte die Gastrednerin Dr. Brigitte Hohlfeld, Autorin des Buchs „Weggegangen. Angekommen: Mannheimer Migrations­geschichten“ anhand der Migrations­geschichte Mannheims auf, wie eng Fragen von Migration und kultureller Identität miteinander verbunden sind. Eine gemeinsame Stadtführung bot den internationalen Gästen darüber hinaus die Möglichkeit, Mannheim und seine Geschichte kennenzulernen.

Weitere wissenschaft­liche Impulse lieferten die Gastdozierenden der Partner­universitäten und der Uni Mannheim. Aistė Žemaitytė von der Vytautas Magnus University beschäftigte sich mit der Rolle von Essen in der Konstruktion nationaler Identitäten in Europa. Danijela Birt Katić von der University of Zadar stellte ethnologische Forschungs­methoden vor und zeigte, wie Esstraditionen als Zugang zur Unter­suchung kultureller Praktiken genutzt werden können. Sławomir Sztajer von der Adam Mickiewicz University in Poznań beleuchtete die Bedeutung von Essen in den Weltreligionen, während Ana-Sofia Uhl in ihrem Vortrag „Food, Memory and Belonging“ die Verbindungen zwischen Essen, Erinnerung und Zugehörigkeit thematisierte.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf erfahrungs­basiertem Lernen. Die Studierenden arbeiteten während der gesamten Woche in internationalen Teams an eigenen Forschungs­projekten und nutzten freie Arbeits­phasen für Gruppen­arbeit und Feldforschung in Mannheim. Ein Höhepunkt war der gemeinsame Kochabend im Internationalen Begegnungs­zentrum (IBZ) unter dem Titel „Food & Identity“. Beim gemeinsamen Zubereiten und Teilen von Speisen konnten die Teilnehmenden persönliche Erfahrungen, kulturelle Traditionen und unter­schiedliche Perspektiven austauschen und so die zentrale Fragestellung des Programms unmittelbar erleben.

Auch Exkursionen bildeten einen wichtigen Bestandteil des Programms. Der ganztägige Ausflug in die Kurpfalz am Mittwoch ermöglichte einen Einblick in regionale Kultur- und Ernährungs­praktiken. Nach einer Führung durch den Schlossgarten in Schwetzingen lernten die Studierenden bei einem gemeinsamen Mittagessen Aspekte der traditionellen deutschen Küche kennen. Anschließend führte die Exkursion nach Bad Dürkheim, wo die Gruppe das Weingut Fitz-Ritter besuchte, regionale Weinproduktion und Weinbau kennenlernte sowie die Bedeutung regionaler Lebens­mittel für kulturelle Identität und wirtschaft­liche Entwicklung diskutierte. Am Donnerstag erkundeten die Teilnehmenden den Mannheimer Wochen­markt, nahmen gemeinsam ein türkisches Mittagessen ein und setzten sich unter der Leitung von Dr. Claudia Schöning-Kalender bei einem Rundgang durch das trans­national geprägte Stadtviertel rund um den Markt­platz mit Fragen von Migration, kultureller Vielfalt und urbanen Esskulturen auseinander. 

Den Abschluss des Programms bildeten die Präsentationen der studentischen Projekte am 19. Juni. Die internationalen Teams stellten ihre Forschungs­ergebnisse vor und reflektierten gemeinsam die während der Woche gewonnenen Er­kenntnisse. Die Vielfalt der Projekte zeigte eindrucksvoll, wie eng Fragen von Ernährung, Kultur, Identität, Religion und Migration miteinander verknüpft sind.

Das BIP „Mapping Taste: Food Across Cultures“ bot den Teilnehmenden nicht nur fach­liche Einblicke in ein aktuelles und gesellschaft­lich relevantes Themenfeld, sondern stärkte auch ihre interkulturellen Kompetenzen und internationalen Netzwerke. Gleich­zeitig unter­strich das Programm die erfolgreiche Zusammenarbeit der beteiligten europäischen Hochschulen und leistete einen wichtigen Beitrag zur Internationalisierung der Lehre an der Universität Mannheim.

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