Trauer um Politikwissenschaftler Max Kaase

Max Kaase wurde am 14. Mai 1935 in Krefeld geboren. Dem Abitur folgte ein Studium der Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Politikwissenschaft an der Universität zu Köln, das er 1959 als Diplom-Volkswirt abschloss. Im Jahr 1964 promovierte er ebenda. Danach war er als Wissenschaftlicher Assistent bei Rudolf Wildenmann am neu eingerichteten Lehrstuhl für Politische Wissenschaft I der Wirtschaftshochschule bzw. – ab 1967 – Universität Mannheim tätig. Nach mehreren Aufenthalten in den USA habilitierte sich Kaase im Jahr 1972 an der Universität Mannheim.
Max Kaase war ab 1974 außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft an der Universität Mannheim und Geschäftsführender Direktor des neu gegründeten Zentrums für Umfragen, Methoden und Analysen (ZUMA), das später in GESIS – Leibniz Institut für Sozialwissenschaften aufging. Von 1980 bis 1993 hatte er den Lehrstuhl für Politische Wissenschaft und international vergleichende Sozialforschung an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Mannheim inne, bevor er zum Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) wechselte.
Von 2007 bis 2013 war Kaase Mitglied des Universitätsrats, von 2010 bis 2013 hatte er dessen Vorsitz inne. Im Jahr 2013 wurde Kaase für seine Verdienste mit der Universitätsmedaille in Gold ausgezeichnet.
Max Kaase hat sich als herausragender Vertreter der empirisch-analytisch orientierten politischen Soziologie in Deutschland und international einen Namen gemacht. Sein umfangreiches wissenschaftliches Werk (sechs Monographien, 16 Herausgeberwerke, über 30 Zeitschriftenaufsätze und weit über 100 Buchbeiträge) weist ihn als quantitativ-empirischen Chronisten und Analytiker aus, der seinen Schwerpunkt auf die Beschäftigung mit der Beziehung der Bürger*innen bzw. Wähler*innen mit der demokratischen Ordnung der BRD und anderen westlichen Demokratien legte.
Darüber hinaus bleibt er als visionärer Wissenschaftsmanager in Erinnerung, der grundlegende datenorientierte Infrastrukturen initiierte, welche die Erkenntnisgrundlagen der sozialwissenschaftlichen Gemeinschaft langfristig verbessert haben. So geht unter anderem der European Social Survey (ESS), der mit über 30 beteiligten Ländern heute eines der qualitativ besten Umfrageprojekte weltweit ist, auf sein Engagement zurück. Zudem brachte er seine Expertise in zahlreichen Gremien ein, unter anderem dem Scientific Board der Swiss Foundation for Research in the Social Sciences (FORS) sowie bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Wissenschaftsrat und als Präsident der International Political Science Foundation (IPSA).
Die Universität Mannheim und die Fakultät für Sozialwissenschaften werden Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Max Kaase ein ehrendes Andenken bewahren.
