Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Geringere Sichtbarkeit: Wenn Frauen als Mentorinnen zum Nachteil werden

Wissenschaft­ler*innen, die durch Mentorinnen betreut werden, erhalten weniger Aufmerksamkeit als Mentees von Männern – obwohl sie qualitativ gleich­wertige Arbeit leisten. Das ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie von drei Mannheimer BWL-Forschenden, die kürzlich mit dem Best Paper Prize der Strategic Management Society ausgezeichnet wurde.

Pressemitteilung vom 4. November 2026
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Die Betriebs­wirtschaft­ler*innen erklären diesen Unter­schied damit, dass Mentor*innen die von ihnen betreuten Personen unter anderem mit ihrer eigenen wissenschaft­lichen Community vernetzen und ihnen somit ihr Fach­publikum „vererben“. Da die Reichweite von Wissenschaft­lerinnen per se geringer ist als die von Wissenschaft­lern, überträgt sich dies auch auf die Mentees. Die Studie wurde von Prof. Dr. Karin Hoisl, Inhaberin des Lehr­stuhls für Organisation und Innovation, Prof. Dr. Marc Lerchenmüller, Junior­professor für Technologische Innovation und Management Science, sowie Dr. Leo Schmallenbach, Habilitand im Technologie- und Innovations­management, durchgeführt.

„Hierbei spielt weder die Leistung der Mentorin noch die der betreuten Personen eine Rolle. Auch bei gleich­wertiger Arbeits­qualität erhalten Mentees von Männern mehr Sichtbarkeit“, erklärt Hoisl. „Mentees von Frauen erhalten dagegen weniger Aufmerksamkeit – unabhängig davon, ob sie selbst Frauen oder Männer sind.“

Diesen Mechanismus bezeichnen die Forschenden als Audience Inheritance (Vererbung des Publikums). Noch stärker ist der Unter­schied zwischen Männern und Frauen ausgeprägt, wenn Mentees eng mit ihren Mentor*innen zusammenarbeiten und sich mit ähnlichen Forschungs­themen beschäftigen. Besonders bedeutsam: Auch im späteren Berufsleben, wenn die Mentees bereits eigenständig arbeiten, bleibt dieser Unter­schied bestehen – denn der primäre Verbreitungs­kanal ändert sich nicht.

Empfehlung: Berufseinsteiger*innen gezielt unter­stützen
In der Studie unter­suchte das Team mehr als 20.000 Artikel von rund 2.700 Wissenschaft­ler*innen in der frühen Karriere­phase. Sie fanden heraus, dass Publikationen, die gemeinsam mit einer Mentorin verfasst wurden, rund acht Prozent weniger Zitationen erhielten als Publikationen, die zusammen mit einem Mentor veröffentlicht wurden. „In Arbeiten, die die Mentees allein – also ohne ihre Mentor*innen als Co-Autor*innen – publizierten, bleibt dieser Nachteil bestehen, was nicht nur für Karrierewege, sondern auch für den gesellschaft­lichen Nutzen von Wissen negative Implikationen birgt“, betont Lerchenmüller.

Aus diesen Er­kenntnissen leiten die Forschenden auch Empfehlungen für Arbeitgeber*innen und Führungs­kräfte ab: „Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass Frauen nicht mehr als Mentorinnen arbeiten sollten“, betont Schmallenbach. „Es ist vielmehr wichtig, Berufseinsteiger*innen den Zugang zu weiteren, unabhängigen Fach­publika zu ermöglichen und sie gezielt darin zu unter­stützen, sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen.“

Mit Best Paper Prize ausgezeichnet
Die noch unveröffentlichte Studie The Intergenerational Trans­mission of Gendered Visibility Gaps in Knowledge Work ist im Oktober 2026 von der Knowledge and Innovation Group der Strategic Management Society mit dem Best Paper Prize ausgezeichnet worden. Im Rahmen der Jahreskonferenz der Strategic Management Society in Berlin erfolgte die Preisverleihung an die Mannheimer Forschenden. Die Arbeit ist als „Preprint“ veröffentlicht und unter diesem Link zugänglich.

Kontakt: 
Prof. Dr. Marc Lerchenmüller
Junior­professur für Technologische Innovation und Management Science
Universität Mannheim
Tel.: +49 621 181-1604
E-Mail: marc.lerchenmuelleruni-mannheim.de

Luisa Gebhardt
Redakteurin
Universität Mannheim
Tel.: +49 621 181-3266
E-Mail: luisa.gebhardtuni-mannheim.de