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GBP-Monitor: Unter­nehmen in Ostdeutschland sehen Wirtschafts­politik besonders kritisch – un­zufriedene Unter­nehmen investieren weniger

Nur noch 13 Prozent der Unter­nehmen sind mit der Wirtschafts­politik der Bundes­regierung zufrieden oder stehen ihr neutral gegenüber. Besonders stark ist die Un­zufriedenheit in den drei Bundes­ländern gestiegen, in denen im September ein neues Landes­parlament gewählt wurde. Unter­nehmen, deren Vertreter*innen die Wirtschafts­politik kritisch sehen, verzeichnen zudem rückläufige Gewinne und Investitionen und planen häufiger Einschnitte. Das zeigt die Oktober-Umfrage des German Business Panel (GBP) an der Universität Mannheim.

Pressemitteilung vom 23. Oktober 2026
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Seit Juni 2025 ist die Zufriedenheit mit der Wirtschafts­politik der Bundes­regierung deutlich gesunken. Einen Monat nach Amtsantritt der neuen Regierung waren noch 32 Prozent der befragten Unter­nehmens­vertreter zufrieden. Inzwischen sind es nur noch 13 Prozent. So schlecht wurde die Wirtschafts­politik zuletzt nach dem Scheitern der Ampelkoalition bewertet. Die Oktober-Umfrage des German Business Panel unter­sucht, wie die wirtschafts­politische Un­zufriedenheit mit regionalen und politischen Unter­schieden sowie mit der wirtschaft­lichen Lage der Unter­nehmen zusammenhängt.

Wirtschafts­politische Un­zufriedenheit im Osten besonders hoch
Gerade in Bundes­ländern, in denen AfD, BSW und Die Linke höhere Umfragewerte erzielen, sind Unter­nehmen im Schnitt un­zufriedener mit der Wirtschafts­politik. Dieser Zusammenhang ist vor allem auf regionale Unter­schiede zurückzuführen: In den ostdeutschen Bundes­ländern, in denen diese Parteien höhere Umfragewerte erreichen, ist die Un­zufriedenheit mit der Wirtschafts­politik größer als in den übrigen Ländern. 

Das gilt jedoch nicht ausnahmslos. So zählt neben Sachsen (1,7) und Thüringen (1,9) mit dem Saarland (1,8) auch ein westdeutsches Bundes­land zu den Ländern mit den niedrigsten Bewertungen auf einer Skala von 0 bis 10. Auch Baden-Württemberg (2,1) erreicht lediglich das Niveau von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Beide westlichen Bundes­länder erfahren aktuell einen ähnlich starken Strukturwandel.

Un­zufriedenheit wächst kurz vor Landtagswahlen 
Besonders stark sank die Zufriedenheit mit der Wirtschafts­politik in den drei Bundes­ländern, in denen im September 2026 ein neues Landes­parlament gewählt wurde: In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sank die Zufriedenheit zwischen Mai und Oktober 2026 von 2,9 auf 1,8 Punkte – und erreichte ihren Tiefpunkt um die Wahltermine. In den übrigen Ländern stieg sie dagegen von 1,9 auf 2,6 Punkte. 

„Die Daten legen nahe, dass die stark von Populismus geprägten Kampagnen auf beiden Seiten des politischen Spektrums im Vorfeld der Wahlen auch die wirtschafts­politische Meinung beeinflussen“, so Jannis Bischof, Projektleiter des German Business Panel.

Un­zufriedenheit geht mit schwächerer Geschäfts­entwicklung einher
Die wirtschafts­politische Un­zufriedenheit geht zudem mit einer schwächeren Geschäfts­entwicklung einher. Unter­nehmen, deren Vertreter*innen die Wirtschafts­politik unter­halb des Medians bewerten, verzeichnen rückläufige Gewinne und Investitionen. Positiver eingestellte Unter­nehmen weisen dagegen weiterhin in beiden Bereichen Zuwächse auf. Der Abstand zwischen beiden Gruppen wächst: bei der Gewinn­entwicklung von 7,3 Prozentpunkte im Jahr 2024 auf 9,7 Prozentpunkten im Jahr 2026; bei den Investitionen von 8,9 auf 10,4 Prozentpunkte. Zudem planen Unter­nehmen, deren Vertreter*innen mit der Wirtschafts­politik besonders un­zufrieden sind, etwa doppelt so häufig Kürzungen bei Fixkosten, Boni und Ausschüttungen. 

„Gerade unter Unter­nehmens­vertreter*innen prägt die eigene Geschäfts­entwicklung auch die politische Beurteilung. Eine Änderung des aktuellen politischen Klimas, das von starker Zustimmung zu den Parteien der politischen Extreme geprägt ist, wird daher sehr stark vom Erfolg der wirtschafts­politischen Maßnahmen abhängen“, so Bischof.

Steuererleichterungen und Energiekostenzuschüsse besonders gefragt
Welche wirtschafts­politischen Maßnahmen wünschen sich Unter­nehmen angesichts dieser Entwicklungen? Der GBP-Monitor zeigt, dass unabhängig davon, wie zufrieden die Unter­nehmen mit der Wirtschafts­politik sind, vor allem Steuererleichterungen und Zuschüsse zu den Energiekosten gefragt sind. Steuerliche Entlastungen nennen 64,9 Prozent der eher un­zufriedenen und 56,2 Prozent der eher zufriedenen Unter­nehmens­vertreter. Zuschüsse zu den Energiekosten befürworten 52,3 beziehungs­weise 55,9 Prozent. Insgesamt wünschen sich eher un­zufriedene Unter­nehmens­vertreter*innen etwas häufiger staatliche Unter­stützung.

Den „GBP-Monitor: Unter­nehmens­trends im Oktober 2026“ finden Sie hier:  https://www.accounting-for-transparency.de/wp-content/uploads/2026/10/gbp_monitor_Oktober_2026.pdf 

Weitere Informationen zum GBP-Monitor
Das German Business Panel befragt monatlich mehr als 800 Unter­nehmen zur Unter­nehmens­lage in Deutschland und erhebt dabei Daten zu 1) erwarteten Umsatz-, Gewinn- und Investitions­änderungen, 2) unter­nehmerischen Entscheidungen, 3) der erwarteten Schließungs­rate in der Branche und 4) der Zufriedenheit mit der Wirtschafts­politik. Zudem wird alle drei Monate zu besonders aktuellen Fragen berichtet. 

Hintergrund­informationen zum German Business Panel
Das German Business Panel ist ein langfristiges Befragungs­panel des DFG-geförderten überregionalen Projektes „Accounting for Trans­parency“ (www.accounting-for-trans­parency.de). Der Sonderforschungs­bereich (SFB) „TRR 266 Accounting for Trans­parency“ startete im Juli 2019. Im Mai 2023 beschloss die Deutsche Forschungs­gemeinschaft (DFG), den SFB um zunächst weitere vier Jahre zu verlängern. Er ist der erste SFB mit betriebs­wirtschaft­lichem Schwerpunkt. Am SFB sind über 100 Wissenschaft­ler*innen von acht Universitäten beteiligt: Universität Paderborn (Sprecherhochschule), Humboldt-Universität zu Berlin und Universität Mannheim, zudem Forschende von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Frankfurt School of Finance & Management, der Universität zu Köln, der Leibniz Universität Hannover und der Technischen Universität Darmstadt. Die Forschenden unter­suchen, wie Rechnungs­wesen und Besteuerung die Trans­parenz von Unter­nehmen beeinflussen und wie sich Regulierungen und Unter­nehmens­trans­parenz auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. Das Fördervolumen des SFBs beträgt rund 18 Millionen Euro.

Kontakt:
Prof. Dr. Jannis Bischof
Lehr­stuhl für ABWL und Unter­nehmens­rechnung
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-1630
E-Mail: jbischofuni-mannheim.de 

Prof. Dr. Davud Rostam-Afschar
Professor für Rechnungs­wesen
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-1645
E-Mail: rostam-afscharuni-mannheim.de 

Yvonne Kaul
Forschungs­kommunikation
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-1266
E-Mail: kauluni-mannheim.de