Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Soziolog*innen der Universität Mannheim erstellten den zweiten Landes­integrations­bericht Baden-Württemberg

Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES) liefert erstmals systematischen Über­blick über Integrations­strukturen und Teilhabe­möglichkeiten in den Städten, Gemeinden und Kreisen des Landes.

Pressemitteilung vom 1. Oktober 2026 
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Wie sind die kommunalen Strukturen für Integration und Teilhabe in Baden-Württemberg aufgestellt? Wo gibt es Handlungs­bedarf, diese Strukturen zu stärken? Diese Fragen beantwortet der zweite Landes­integrations­bericht Baden-Württemberg, der vergangene Woche vom Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit veröffentlicht wurde. Mit den Forschungs­arbeiten war ein Team von sieben Soziolog*innen unter der Leitung von Dr. Nadia Granato, PD Dr. Jörg Dollmann und Prof. Dr. Frank Kalter am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim betraut.

Grundlage des Berichts ist eine einzigartige Datenbasis: Die Forschenden haben quanti­tative und qualitative Daten in 693 Gemeinden, 9 Stadtkreisen und 44 Landkreisen Baden-Württembergs erhoben. Auch 144 Integrations­beauftragte beteiligten sich an den Befragungen. Ergänzt wurde diese breite empirische Basis durch 21 leitfadengestützte Interviews mit Integrations­beauftragten, Mitgliedern verschiedener Integrations­gremien sowie Kommunalverwaltungen. Zusätzlich wurde die Analyse von Sekundärdaten zu Themen wie Demografie, Bildung oder Arbeits­markt­integration des ersten Landes­integrations­berichts fortgeführt. 

„Unsere umfangreiche Befragung ermöglicht es zum ersten Mal, die gesamte Bandbreite kommunaler Integrations­strukturen in den Blick zu nehmen. Sie zeigt, wie verbreitet Integrations­beauftragte, Integrations­gremien und zivil­gesellschaft­liche Akteure in den Kommunen sind, wo Integrations­konzepte entwickelt wurden und wie sich Kommunen innerhalb von Landkreisen und darüber hinaus zu Integrations­fragen vernetzen. So werden zentrale Herausforderungen und Gelingensbedingungen vor Ort sichtbar“ erklärt Emma Waltersbacher, wissenschaft­liche Koordinatorin des Mannheimer Forschungs­teams.

Den Forschenden zufolge zeigen die Ergebnisse, dass Baden-Württemberg über ein dichtes Netz kommunaler Integrations­strukturen verfügt – allerdings mit deutlichen Unter­schieden zwischen den Kommunen: Größere Kommunen verfügen häufiger über Integrations­beauftragte oder Abteilungen für Integration als kleinere Kommunen. Kleinere Kommunen nennen fehlende personelle und finanz­ielle Ressourcen als häufigste Gründe für diese Unter­schiede. 

Interessens­vertretungen wie Integrations­räte und -ausschüsse finden sich vor allem in Stadtkreisen, insgesamt sind sie jedoch selten. Migrant*innenselbst­organisationen sind am häufigsten in Stadt- und Landkreisen aktiv, auf Gemeindeebene hingegen weniger stark verbreitet. Diese Gremien werden dem Bericht zufolge noch nicht systematisch genug in die politischen Prozesse eingebunden. Dementsprechend wird ihr Einfluss insgesamt – mit Ausnahme von Integrations­räten und -ausschüssen in Stadtkreisen – als gering eingestuft. 

Aus Sicht der Kommunen liegt die größte Herausforderung beim Thema Wohnraum: 55 Prozent nennen an erster Stelle „Wohnen und Unter­bringung“ als größte Hürde für die Integrations­arbeit vor Ort. Fehlender bezahlbarer Wohnraum erschwert der Studie zufolge die Anschluss­unter­bringung und bremst den individuellen Integrations­prozess von Menschen mit Einwanderungs­geschichte. 

„Insgesamt zeigt unser Bericht: Gute Integrations­arbeit ist gute kommunale Infrastrukturpolitik. Maßnahmen, die Kitas, Schulen, Wohnraumversorgung, Gesundheits­angebote oder Beratungs­strukturen stärken, kommen allen Einwohner*innen zugute – unabhängig davon, ob sie eine Einwanderungs­geschichte haben oder nicht“, fasst Prof. Dr. Frank Kalter zusammen. Gleich­zeitig reichten allgemeine Verbesserungen allein nicht aus, um bestehende Nachteile mancher Bevölkerungs­gruppen vollständig abzubauen. Wo spezifische Hürden beim Bildungs­zugang, auf dem Arbeits­markt oder im Kontakt mit Behörden bestünden, brauche es ergänzend gezielte Maßnahmen – etwa zusätzliche Sprach­förderangebote, Programme zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder aufsuchende Beratungs­angebote, so die Mannheimer Forschenden.

Der zweite Landes­integrations­bericht Baden-Württemberg ist als Kooperation zwischen der Universität Mannheim und dem Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit entstanden. Die Landes­regierung kommt damit ihrer gesetzlichen Verpflichtung gemäß Paragraph 15 des Partizipations- und Integrations­gesetz für Baden-Württemberg nach, alle fünf Jahre einen Landes­integrations­bericht vorzulegen.

Weitere Informationen und Kontakt

Zum Landes­integrations­bericht: sozial­ministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/publikation/did/zweiter-landes­integrations­bericht

Emma Waltersbacher
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) 
Universität Mannheim
Telefon: +49 621-181-2861
E-Mail: emma.waltersbacheruni-mannheim.de

Nikolaus Hollermeier
Presse- und Öffentlichkeits­arbeit
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) 
Universität Mannheim
Telefon: +49-621-181-2839
E-Mail: kommunikationmzes.uni-mannheim.de
www.mzes.uni-mannheim.de