Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Was macht Verschwörungs­theorien attraktiv?

Die Mannheimer Sozialpsychologin Dr. Lotte Pummerer ist Teil einer neuen DFG-Forschungs­gruppe. Sie unter­sucht Verschwörungs­glauben „jenseits des Wahnsinns“ – einschließlich möglicher psychologischer Vorteile.

Pressemitteilung vom 21. September 2026
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Warum halten Menschen an Verschwörungs­theorien fest – selbst, wenn diese für die Person selbst und für die Gesellschaft negative Folgen haben können? Eine neue Forschungs­gruppe der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) unter Beteiligung acht deutscher und dänischer Forschungs­einrichtungen geht der Frage nach, welche Funktionen Verschwörungs­theorien für Einzelne, Gruppen und Gesellschaften erfüllen können. Koordiniert wird die Forschungs­gruppe mit dem Titel „Jenseits des Wahnsinns: Die Analyse von Verschwörungs­überzeugungen unter Berücksichtigung von deren Vorteilen“ von Prof. Dr. Roland Imhoff (Universität Mainz). Sie ist eine von neun neuen Forschungs­gruppen, die von der DFG am Freitag bekannt gegeben wurden.

Von der Universität Mannheim ist die Sozialpsychologin Dr. Lotte Pummerer an der Forschungs­gruppe beteiligt. Sie wird am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität das Teil­projekt „Schlafschafe und Erlöser: Moralische Funktionen von Verschwörungs­glauben“ leiten. Zudem ist sie an einem weiteren Teil­projekt mit Prof. Dr. Kai Sassenberg (Leibniz-Institut für Psychologie, Trier) beteiligt, das unter­sucht, welche Rolle Verschwörungs­theorien bei der Bearbeitung negativer Emotionen spielen können. Die DFG fördert die Forschungs­gruppe in den kommenden vier Jahren mit insgesamt rund vier Millionen Euro. Davon entfallen rund 410.000 Euro auf das Teil­projekt am MZES. 

Pummerers Team wird am MZES unter anderem unter­suchen, wie Verschwörungs­glaube die Wahrnehmung der eigenen Moralität sowie der Moralität anderer beeinflusst. „Es geht unter anderem um die Frage, ob sich Verschwörungs­gläubige als moralisch überlegen wahrnehmen und ob dies dazu beitragen kann, normverletzendes oder eigennütziges Verhalten zu rechtfertigen“, erklärt Pummerer. Weiterhin wird unter­sucht, welche Rolle die Abwertung anderer spielt, wie sie sich auch in der Bezeichnung für die breitere Bevölkerung als „Schlafschafe“ widerspiegelt. „Wir vermuten, dass der Glaube an Verschwörungs­theorien für die Selbstwahrnehmung eine psychologische Funktion erfüllen kann, zum Beispiel indem er das Selbstbild stärkt. Bisher ist aber wenig darüber bekannt, wie Betroffene die eigene Moralität wahrnehmen. Es fehlt eine systematische Unter­suchung, und die wollen wir leisten“, so die Sozialpsychologin. 

Methodisch wird die Forschungs­gruppe auf Experimente, Verhaltensdaten, Längsschnitt­studien, Experteninterviews, Inhaltsanalysen sowie digitale Daten, etwa in Social Media, zurückgreifen. Lotte Pummerers Team arbeitet insbesondere experimentell. Anfang 2027 soll die Forschungs­arbeit starten. Mit ersten veröffentlichten Ergebnissen rechnen die Forschenden in zwei bis drei Jahren.

Weitere Informationen und Kontakt

Zur Pressemitteilung der DFG: https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung-nr-36

Dr. Lotte Pummerer 
Universität Mannheim
Telefon: +49 621 181-2008
E-Mail: lotte.pummereruni-mannheim.de

Nikolaus Hollermeier
Presse- und Öffentlichkeits­arbeit
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) 
Universität Mannheim
Telefon: +49-621-181-2839
E-Mail: kommunikationmzes.uni-mannheim.de

www.mzes.uni-mannheim.de