Naira Ibrahim / Foto: Elisa Berdica

„Für ein paar Jahre in Deutschland zu bleiben, das wäre super“

Im September wird Naira Ibrahim (23) aus Kairo ihr drittes Semester im Master-Studien­gang Wirtschafts­informatik an der Universität Mannheim beginnen. In ihrer myUniMA Story geht es um Unabhängigkeit, die Unterschiede zwischen dem Studentenleben in Kairo und Mannheim und die Möglichkeit, nach dem Abschluss in Deutschland zu leben und zu arbeiten.
 

Es gibt vermutlich viele sehr gute Universitäten, die dein Studien­fach Wirtschafts­informatik anbieten. Was hat dich gerade an Mannheim überzeugt?

Naira: Meinen Bachelor habe ich an der “German University in Cairo“ absolviert, wo die Struktur ähnlich ist wie an deutschen Universitäten. Die Studenten dort sind sehr motiviert, Deutsch zu lernen, und die Universität bietet viele Möglichkeiten für Sprachkurse oder Workshops in Deutschland. Deshalb habe ich schon vor meinem Master öfter in Deutschland. Ich habe sogar meine Bachelor­arbeit in Stuttgart in Kooperation mit dem Unternehmen „hp“ geschrieben. Weil es nur wenige Wirtschafts­informatik-Studien­gänge in Ägypten gibt und weil ich schon das Land und ein wenig die deutsche Sprache kannte, habe ich mich dazu entschlossen, meine Ausbildung in Deutschland fortzusetzen. Mannheim war dabei meine erste Wahl, weil es eine der besten Universitäten für wirtschaft­liche Studien­gänge in Deutschland ist.

Was sind deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen dem Studium in Mannheim  und dem in Kairo?

Naira: Es gibt viele Unterschiede, vor allem bei den Lernmethoden und beim Studentenleben. In Ägypten haben die Studierenden einen festen Stundenplan, es herrscht Anwesenheitsplicht und es gibt fast jede Woche Projektarbeiten und kleinere Test. In Deutschland ist das Studium während des Semesters entspannter, aber dann am Ende anstrengender. Das Studium in Deutschland macht unabhängig und verantwortungs­bewusst, da man für alles selbst verantwortlich ist. Studierende in Ägypten wohnen häufig noch bei ihren Eltern und müssen sich deshalb nicht um Dinge wie Einkaufen, Kochen oder Bürokratie kümmern. In Deutschland ist es außerdem möglich zu studieren und gleichzeitig einem Hobby nachzugehen oder regelmäßig Freunde zu treffen. Kairo ist eine sehr große Stadt mit extrem viel Verkehr. Es dauert immer sehr lange, bis man ans Ziel kommt. Darum konzentrieren sich Studierende oft auf ihr Studium und haben keine Zeit für Freizeitaktivitäten und regelmäßige Treffen mit Freunden.

Was gefällt dir am besten an Mannheim und was vermisst du am meisten?

Naira: Mir gefällt sehr gut, dass die Universität Mannheim so gut ausgestattet ist und versucht, eine entspannte Lernumgebung zu schaffen. Dazu gehören zum Beispiel die verschiedenen Bibliotheken, das Learning Center, die Mensa und das Sport­programm. Ich mag es auch, am Rhein spazieren oder joggen zu gehen. Am meisten vermisse ich meine Familie, meine Freunde und bei größeren Feiern wie Hochzeiten oder Familientreffen dabei sein zu können. Während des Ramadan musste ich fast jeden Abend ganz alleine essen. Das hat mich sehr traurig gemacht, weil zuhause immer Familie oder Freunde dabei sind. Außerdem vermisse ich die schönen Strände und das gute Wetter.  

Ist es eine Option für dich, nach deinem Abschluss in Deutschland zu bleiben?

Naira: Neben dem Studium arbeite ich 20 Stunden pro Woche als Werkstudentin bei SAP. Ich musste mich mehrmals bewerben, bis ich eine positive Antwort bekommen habe, und ich bin sehr froh, dass es geklappt  hat. Es wäre eine große Chance, wenn ich nach meinem Abschluss in Deutschland bleiben und  für SAP oder eine andere Firma arbeiten oder sogar meine Doktorarbeit hier schreiben könnte. Ich habe mir noch nicht allzu viele Gedanken über meine Zukunft gemacht. Auch wenn ich weiß, dass ich wegen meiner Familie nicht für immer in Deutschland leben möchte, wären noch ein paar Jahre hier toll.

Interview: Louisa Gille  |  Foto: Elisa Berdica  |  August 2016