Wajeeha Sultan / Foto: Anna Logue

„Meiner Mutter ist es am wichtigsten, dass ich glücklich bin – und das bin ich hier!“

Wajeeha Sultan aus Pakistan ist für den Mannheim Master in Management nach Deutschland gekommen – und ihr gefällt es so gut, dass sie plant, auch nach ihrem Abschluss noch zu bleiben. In ihrer myUniMA story erzählt sie etwas über die kulturellen Unterschiede zwischen ihrer Heimat und Deutschland, wie ihre Familie auf ihre Entscheidung, hier zu studieren, reagiert hat und welche besondere Sportart sie mit Leidenschaft betreibt.

Was hat dich nach Deutschland geführt?
Ich hatte schon immer den Traum, meinen Master im Ausland zu machen. Das Problem sind allerdings die Kosten des Auslands­studiums, da die pakistanische Rupie in anderen Ländern eher einen geringen Wert hat. Nachdem ich meinen Bachelor in Betriebs­wirtschaft mit Schwerpunkt Marketing und Supply Chain in meiner Heimatstadt abgeschlossen habe, habe ich ganztags gearbeitet und meinen Lohn für meinen Master gespart. Am Ende bin ich dann meine Optionen durchgegangen: Welches Land kann ich mir leisten und welche Universität ist für mich die Beste? Ganz klar gewonnen hat dann Deutschland und die Uni Mannheim. Inzwischen bin ich seit fast zwei Jahren hier.

Haben sich deine Erwartungen an das Studium erfüllt?
Auf jeden Fall. Schon in der 9. Klasse habe ich Kurse in Betriebs­wirtschaft belegt, und vor allem der Bereich von Supply Chains hat mich schon immer sehr interessiert: Das war bereits während meines Bachelors mein Schwerpunkt und darauf habe ich mich auch jetzt im Master spezialisiert. Das Studium gefällt mir sehr gut, auch wenn das Arbeits­pensum im MMM ziemlich groß ist. Anfangs hatte ich einige Schwierigkeiten – vor allem weil ich neben dem Studium arbeite. Inzwischen komme ich aber sehr gut zurecht.

Was ist das für ein Job, den du machst?
Ich arbeite bei DHL in der Abteilung für Supply Chain Management im Team des Global Selector Managements. Im zweiten Semester habe ich dort als Praktikantin angefangen. Mittlerweile bin ich im 4. Semester und arbeite an meiner Master­arbeit. Wenn ich damit fertig bin, hoffe ich fest für meine Abteilung arbeiten zu können. Ich habe also vor, noch eine Weile in Deutschland zu bleiben.

Was ist für dich der größte Unterschied zwischen Pakistan und Deutschland?
In Pakistan haben wir eine völlig andere Kultur als in Deutschland. Pakistan ist ein islamisches Land, die Frauen verhüllen sich, die Rollen sind traditionell verteilt und Frauen heiraten sehr jung. Ich selbst stamme aus einer eher konservativen Familie, trotzdem war dieser Lebensentwurf nichts für mich. Ich wollte studieren. In Deutschland habe ich auch zum ersten Mal alleine gewohnt, weg von meiner Familie – in Pakistan ist es nämlich üblich, dass die Frauen bis zu ihrer Heirat bei ihren Eltern wohnen bleiben. Anders ist auch, dass ich hier spätabends problemlos nach draußen gehen kann. Auch das ist in Pakistan nicht üblich, dafür ist es für Frauen auf den Straßen nachts zu unsicher. Hier ist außerdem alles gut organisiert: Die Verkehrs­anbindung ist toll, das Gesundheitssystem auch.

Dann war deine Familie bestimmt zunächst schockiert, dass du für deinen Master ins Ausland möchtest?
Ja, so war es. Ich habe eine sehr große Familie, dort wird es niemals langweilig. Acht Monate bevor ich abgereist bin, habe ich meine Familie langsam darauf vorbereitet, dass ich nach Deutschland möchte. Zum Glück habe ich mich gemeinsam mit einer Freundin hier beworben und wir wurden beide genommen. Ich war also nicht ganz alleine hier, was meine Familie natürlich beruhigt hat. Außerdem unterstützt mich meine Mutter sehr. Sehr oft muss sie meine Entscheidungen auch vor unserer weitläufigen Familie erklären und rechtfertigen und sagt dann immer, dass es ihr am wichtigsten ist, dass ich glücklich bin – und das bin ich hier!

Wie war es am Anfang für dich, nach Deutschland zu kommen?
Als wir hier angekommen sind, war es Sonntag. In der ersten Woche konnte ich in der Wohnung eines Freundes im Stadtteil Jungbusch wohnen und als ich gemeinsam mit meiner Freundin durch das Viertel gelaufen bin, war es schon ein kleiner Kulturschock: In Karatschi, der Stadt aus der ich komme, ist es immer sehr belebt. Im Jungbusch hingegen waren kaum Menschen auf der Straße. Mein erster Gedanke war: „Wo bin ich hier gelandet?“ (lacht). Aber schon am nächsten Morgen war es sehr viel besser und nach der ersten Woche zog ich gemeinsam mit meiner Freundin in ein schönes Studentenwohnheim. Irgendwann hat die Universität Mannheim dann Cricket angeboten, was uns sehr begeistert hat. In Pakistan und Indien sind viele Leute total verrückt danach und inzwischen spiele ich mit vielen Freunden aus Pakistan und Indien auch hier Cricket.

Was gefällt dir an der Uni Mannheim am besten?
Alles ist perfekt organisiert – schon im Vorfeld kann ich meine Veranstaltungen planen, kann sehen was die Anforderungen sind und wann die Klausuren sein werden. So kann ich meine Arbeits­zeit entsprechend anpassen und schon früh die – wirklich teuren – Flüge nach Hause buchen. Außerdem gefällt mir die große Auswahl an Kursen, die Tatsache, dass man sich im Master hier wirklich spezialisieren kann und während des gesamten Studiums sehr gut unterstützt wird.

Text: Selina Supper / Juli 2019