Chrysoula Perathoraki / Foto: Daniela Haupt

„Deutschland ist der perfekte Ort, um Germanistik zu studieren“

Chrysoula kommt von der kleinen griechischen Insel Gavdos, dem südlichsten Ort Europas. Mit 18 Jahren kam sie für ihr Studium nach Deutschland, derzeit studiert sie im zweiten Semester Germanistik an der Universität Mannheim. In ihrer myUniMA story verrät sie unter anderem, welche Rolle Goethe und Nietzsche bei ihrer Entscheidung für ein Studium in Deutschland gespielt haben.

Wolltest du schon immer in Deutschland studieren?

Ich habe eine hervorragende deutsch-griechische Schule besucht und viele Jahre lang Deutsch gelernt. Die Sprache gefällt mir sehr, ich habe während meiner Schulzeit sogar einige Gedichte und Texte von Goethe und Nietzsche ins Griechische übersetzt und Werke von deutschen Philosophen gelesen. Während des Lesens bin ich auf ein Zitat von Goethe gestoßen: „Wer das Dichten will verstehen; Muss in’s Land der Dichtung gehen; Wer den Dichter will verstehen muss in Dichters Lande gehen“.  Da war mir schnell klar, dass ich die Werke nicht nur oberflächlich lesen, sondern auch ihren tieferen Sinn verstehen wollte – und dass ich deshalb Germanistik studieren und nach Deutschland kommen möchte. Es ist einfach der perfekte Ort für mein Studium. Hier kann ich sowohl die Sprache als auch die Kultur und die Mentalität der Deutschen lernen, sehen, hören und erleben.

Wieso hast du dich für die Universität Mannheim entschieden?

Ich habe mich nicht nur in Mannheim, sondern auch bei anderen deutschen und griechischen Universitäten beworben und wurde dort auch angenommen. Die Entscheidung, Mannheim zu wählen, habe ich nicht bereut, denn Mannheim ist eine schöne und wirklich vielseitige Stadt. Einerseits ist es eine Industriestadt, andererseits eine historische Stadt und parallel ein Konglomerat verschiedener Kulturen. Ich bin hier in Kontakt mit Leuten aus der ganzen Welt gekommen.

War der Studien­start für dich einfach – da du die Sprache ja schon konntest?

Das hat geholfen, trotzdem hatte ich natürlich auch Schwierigkeiten. Schwierig war für mich, dass ich am Anfang niemanden kannte. Es war nicht einfach, sich an das neue Umfeld zu gewöhnen und sich hier einzuleben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Akademischen Auslands­amt und in der Philosophischen Fakultät haben mir aber immer geholfen, wenn ich bei etwas nicht weiterwusste, dafür bin ich sehr dankbar. Ich denke sehr gerne an die Hilfe und Unterstützung zurück, die ich bekommen habe. Das hat mir gezeigt, dass die Leute hier wirklich Interesse und Freude haben, internationalen Studierenden zu helfen.

Wie unterscheidet sich das Leben in Deutschland von dem in Griechenland?

Es gibt vermutlich zahlreiche Unterschiede, aber letzten Endes glaube ich, ist es sinnvoller, sich damit nicht aufzuhalten. Jetzt, da ich die Möglichkeit habe, beide Länder von Innen zu erleben, fällt mir auf, dass es viel mehr Ähnlichkeiten gibt.  Ich trage selbstverständlich Werte meines Landes in mir wie Gastfreundschaft oder die Lehre der Philosophen Platon und Aristoteles. Sie sind ein untrennbarer Teil meiner Identität, aber das bedeutet nicht, dass ich es darauf beruhen lassen möchte. Ich möchte immer etwas Neues lernen.

Wie verbringst du deine Freizeit in Mannheim?

Momentan investiere ich Zeit in mein Studium. Im nächsten Semester möchte ich mich mehr engagieren und eine Patenschaft für einen internationalen Studenten oder eine Studentin übernehmen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, als internationale Studentin nach Mannheim zu kommen und welche Schwierigkeiten am Anfang auftreten können. Ich fühle mich deshalb dafür verantwortlich, anderen zu helfen, die in der gleichen Situation sind.

Weißt du schon, was du nach deinem Bachelor­abschluss machen möchtest?

Ich habe noch keinen festen Plan und bin offen für alle Möglichkeiten. Ich bin mir aber sicher, dass ich nie aufhören werde zu lernen und mich mit den Dingen zu beschäftigen, die ich liebe! Dafür gibt es für mich keine Grenzen. 

Text: Tina Ratajczyk / Mai 2019