European Student Assembly: Studierende gestalten die Zukunft Europas

Der Mannheimer Student David Avagian nahm im Rahmen von ENGAGE.EU an der European Student Assembly in Straßbourg teil. Wie wertvoll eine solche Erfahrung ist, erklärt er in einem Rückblick.

Vom 31. Mai bis 2. Juni 2023 fand im Europäischen Parlament in Straßburg die European Student Assembly (ESA) statt. Mehr als 230 Studierende aus den meisten europäischen Hochschul­allianzen kamen zusammen, um aktuelle Themen zu diskutieren und politische Empfehlungen für die Zukunft Europas zu erarbeiten.

Ziel der ESA ist es, den Studierenden eine Stimme zu geben, mit der sie Einfluss auf die Themen des Gremiums nehmen können, sie in politische Diskussionen einzubinden und ihnen die Möglichkeit zu geben, an der Gestaltung der Europäischen Union mitzuwirken. Einer der Teilnehmer im Rahmen der Europäischen Universität ENGAGE.EU war David Avagian, der im Master­studien­gang Politik­wissenschaft an der Universität Mannheim studiert. In einem Rückblick schilderte er seine Erfahrungen mit der ESA 2023 und hob dabei den interdisziplinären Charakter der Veranstaltung hervor und betonte, wie wichtig es ist, sich mit Teilnehmenden unterschiedlicher Fach­richtungen zu vernetzen.

Für die Veranstaltung kamen Studierende unterschiedlicher akademischer Fach­richtungen zusammen, um Panels zu bilden, online zusammenzuarbeiten und über einen Zeitraum von zwei Monaten politische Empfehlungen zu entwickeln. Als Student der Politik­wissenschaften war David sofort von dem Angebot fasziniert und nutzte die Gelegenheit zur Teilnahme.

Die Veranstaltung selbst war in zwei Teile gegliedert: Zunächst gab es zwei Monate lang Online-Treffen zwischen den Teilnehmenden. Die Studierenden wurden in zehn Gruppen eingeteilt und trafen sich einmal pro Woche mit jeweils zwei Koordinatorinnen und Koordinatoren. David war in Panel zehn, in dem es um die Qualifikations­defizit in der europäischen Hochschul­bildung ging. Die Teilnehmenden mussten sich selbst organisieren und in kleineren Gruppen darüber diskutieren, worauf sie sich konzentrieren wollten. Sie trafen sich mit Fach­leuten, hatten freie Hand bei der Formulierung der Fragen und erhielten spezielle Schulungen zum Verfassen von Strategien.

„Die Koordinatorinnen und Koordinatoren haben uns bei der Organisation der Online-Veranstaltung entscheidend geholfen, da die Teilnehmer von verschiedenen Universitäten kamen und jeder seinen eigenen Zeitplan hatte. Das Thema war, dass es in der Europäischen Union ein Qualifikations­defizit gibt. Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments sind an diesem Thema interessiert, recherchieren dazu und schlagen einige politische Entwürfe vor, die das Europäische Parlament theoretisch dazu ermutigen könnten, sich mit diesem Thema zu befassen“, erklärt David.

Der zweite Teil war die Konferenz in Straßburg im Europäischen Parlament. Drei Tage lang hatten die Studierenden die einmalige Gelegenheit, mit politischen Entscheidungs­trägerinnen und -trägern in Kontakt zu treten und an lebhaften Diskussionen über aktuelle politische Themen teilzunehmen. „Ich war wirklich überrascht, als die Studierenden die Möglichkeit bekamen, Abgeordneten prominenter politischer Parteien direkt Fragen zu stellen“, sagt David. „Es gab hitzige Diskussionen, als die Politikerinnen und Politiker zu argumentieren begannen, was eine großartige Erfahrung war. Und ein großer Vorteil: alles findet auf Englisch statt. Wenn in Deutschland eine politische Debatte stattfindet, ist sie normalerweise in der Landes­sprache. Leider ist mein Deutsch nicht so gut. Daher würde ich diese Veranstaltung vor allem internationalen Studierenden empfehlen.“

Entgegen seinen Erwartungen war die Zusammensetzung der Teilnehmenden sehr interdisziplinär – es waren nicht nur Studierende der Politik­wissenschaft, Soziologie oder Rechts­wissenschaften anwesend, sondern auch aus den Ingenieur­wissenschaften und Personen mit technischem Fach­wissen, was die Diskussionen bereicherte und unterschiedliche Perspektiven auf die Panels bot. Am Ende mussten die Studierenden darüber abstimmen, welche der vorgeschlagenen politischen Empfehlungen an das Parlament weitergeleitet werden sollten.

Darüber hinaus waren auch die Europäischen Hochschul­allianzen vertreten. Dies gab ihnen die Möglichkeit, sich ein Bild davon zu machen, wo die Studierenden die Schwerpunkte in den verschiedenen Diskussionsrunden setzten. „Es war wirklich großartig zu sehen, dass die Allianzen ein funktionierender und aktiver Teil der Hochschul­landschaft sind“, fasst David zusammen. „Die Studierenden wissen, dass sie ein Teil davon sind und dass sie von den Möglichkeiten der Bündnisse insgesamt profitieren. Insgesamt habe ich es sehr genossen, echte Parlaments­abgeordnete zu treffen und nette Studierende aus ganz Europa kennenzulernen.“

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