Bilder der sechs im FORUM porträtierten Professorinnen in bunten Farben. Darunter der Schriftzug: "Im Schwerpunkt: Berufung Professorin"

Auf neuen Pfaden

Was haben Wissembourg, die Burg Trifels und der Michelstädter Weihnachts­markt gemeinsam? Zu allen drei Orten wanderten im letzten Semester bis zu 50 Personen mit dem Institut für Sport (IFS). Was das Angebot „Wandern in der Metropolregion“ so besonders macht, hat unsere Autorin Luisa Gebhardt bei einer Tour herausgefunden.

8 Grad und regnerisch: Viele Menschen drehen sich an diesem Sonntagmorgen im November noch einmal im Bett um. Währenddessen imprägniere ich meine Wanderschuhe und packe einen Schirm sowie eine Thermosflasche mit heißem Tee in meinen Wanderrucksack. Nicht das beste Wetter, denke ich. Ob die Spatschlucht bei Schriesheim, das Highlight der Tour, trotzdem viele Personen zur heutigen Wanderung des IFS lockt? Ich bin gespannt und mache mich auf den Weg zur Bahn.

Das gemeinsame Interesse

Die Wander­gruppe trifft sich immer am Mannheimer Hauptbahnhof und fährt gemeinsam los. Heute steigen sie in Heidelberg um, wo ich zu ihnen stoße und sie leicht erkenne: Viele Personen mit Regenjacken, Wander- und Regenhosen, Mützen, Sport- sowie Wanderschuhen, mit und ohne Rucksäcke. Bevor wir weiterfahren, zählt Wanderleiter Markus Latka durch: „34 Personen sind wir, angemeldet waren 40. Für das Wetter ist das beachtlich, aber nicht verwunderlich: Die Touren sind sehr beliebt, 50 Anmeldungen sind keine Seltenheit!“ 

Der 56-jährige Latka ist langjähriger Übungs­leiter für Rückengymnastik am IFS und Initiator sowie Koordinator des Wanderangebots. „2008 habe ich eine Wander­gruppe in der Region gesucht und keine gefunden. Da habe ich dem Leiter des IFS vorgeschlagen, Wanderungen anzubieten“, erklärt Latka. Inzwischen gibt es pro Semester mindestens sieben Touren. Sie sind mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar und kostenlos. Ausnahmen bilden zum Beispiel Führungen, wie vor Kurzem auf der Burg Trifels.

Los geht die Wanderung 

Angekommen in Leutershausen, dem Startpunkt der Wanderung, gibt Latka auf Englisch einen Über­blick zur heutigen Tour. Ich wundere mich, merke aber schnell, dass wir eine bunt gemischte Gruppe sind: Studierende aus unter­schiedlichen Semestern, Studien­gängen und Altersklassen der Universität Mannheim, der Technischen Hochschule und der Mannheim Business School, Promovierende sowie Alumn*ae – und alle aus unter­schiedlichen Ländern. Ich erinnere mich: Das Angebot steht allen Mitgliedern, auch ehemaligen, der am IFS-Angebot angeschlossenen Mannheimer Hochschulen offen. 

Die Touren haben eine Länge zwischen 15 und 25 Kilometern und sind für jedes Fitnesslevel geeignet. Heute sind es zwölf Kilometer und direkt zu Beginn geht es steil den Berg hoch. Mir wird warm und ich ziehe meine Regenjacke aus. Dabei genieße ich die Aussicht, kurz bevor es in den Odenwald geht: bunte, teils spärlich belaubte Weinreben und Bäume, in der Ferne ein verregnetes Städtchen und tiefe, graue Wolken. Wäre nichts für Sie? Unsere Stimmung trübt das nicht: Wir sind flott unter­wegs, alle unter­halten sich und ich höre einzelne Leute lachen.

Neue Wege und neue Menschen 

Ich komme schnell mit der 27-jährigen Irene Samadello ins Gespräch. Sie und ihr Freund, Absolvent*innen der Universität Mannheim und der Technischen Hochschule Mannheim, wandern zum ersten Mal mit. Ein befreundetes Pärchen hat sie darauf aufmerksam gemacht. „Wäre die Wanderung nicht fest mit ihnen verabredet gewesen, hätte ich wegen des Wetters vermutlich abgesagt“, gibt die Italienerin lachend zu. „Aber jetzt in einer Gruppe unter­wegs zu sein, ist motivierend und macht Spaß. Es herrscht kein Leistungs­druck wie bei anderen Sportarten – es können einfach alle an den Wanderungen teilnehmen.“ 

Und da hat sie Recht: Wir wandern meistens auf breiten Wegen durch den herbstlichen Odenwald. Ab und zu geht es etwas steilere und kleine Wege bergab, dann wiederum Anhöhen hinauf. Aber das Tempo ist für alle angenehm. Eigentlich war auch, wie immer, eine Einkehr vorgesehen, aber das anvisierte Lokal ist geschlossen. Das wussten wir vorher, daher sind wir ausgestattet mit Broten, Obst und Keksen, die wir auf der überdachten Terrasse des Lokals zu Mittag essen. 

Regelmäßig bei den Wanderungen dabei ist Xinjie Xing aus China, die seit zwei Jahren viele Touren mitgewandert ist. „Ich gehe gern wandern und in der Gruppe mit dem IFS fühle ich mich sicherer, als wenn ich allein unter­wegs wäre“, sagt die 26-Jährige, die an der Universität Mannheim promoviert. Aber der Hauptgrund, warum sie dabei ist: „Ich bin es aus meiner Heimat nicht gewohnt, dass sonntags nicht viel los ist. Bei den Wanderungen trifft man neue Menschen und ist in der Natur, das gefällt mir.“

Die Besonderheit

Nach der Pause steht das Highlight an: die Spatschlucht. Dort bestaunen wir die zehn Meter hohen Felswände und machen ein Gruppen­foto. Danach wandern wir immer weiter bergab. Ich höre weiterhin viele Gespräche und regelmäßig ein Lachen. Irgendwann tauchen die ersten Häuser auf, wir hören Autos und mit der Ruhe des Waldes ist es vorbei: Das Ende der Wanderung naht. 

Ich unter­halte mich noch einmal mit Samadello. „Der beste Teil des Tages war, so viele neue Menschen kennengelernt zu haben. Wo hätte ich diese Personen sonst treffen können?“, fragt die Alumna. Auch Xing sieht das so – und ich nehme dieses Gefühl ebenfalls mit. Wir fahren von Schriesheim gemeinsam zurück nach Heidelberg, wo ich mich verabschiede. Und ich beschließe, dass das nicht meine letzte Wanderung mit dem IFS war.

Text: Luisa Gebhardt / April 2026


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