Bilder der sechs im FORUM porträtierten Professorinnen in bunten Farben. Darunter der Schriftzug: "Im Schwerpunkt: Berufung Professorin"

Willkommen an der Universität Mannheim

Prof. Dr. Sarah Geber

Professur für Medien- und Kommunikations­wissenschaft

Sarah Geber widmet sich Fragen, die unser digitales Zeitalter besonders prägen: Wie nutzen Menschen neue Medien und wie stark empfinden sie sozialen Druck, ständig erreichbar zu sein? Wäre es nicht sinnvoller, das Smartphone hin und wieder beiseitezulegen? Ihre Forschung unter­sucht das Spannungs­feld zwischen solch unter­schiedlichen sozialen Normen und Erwartungen anderer und zeigt, wie daraus konkrete Handlungen wie der Griff zum Handy entstehen. 

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf dem Einfluss sozialer Medien auf Jugendliche. Besonders interessiert sie, wie Darstellungen von Alkoholkonsum in sozialen Netzwerken wirken: Führt das Sichtbarmachen riskanten Verhaltens zu mehr Konsum – und wenn ja, warum? 

Fragen wie diese führen nahtlos zu großen gesellschaft­lichen Debatten, etwa darüber, ob soziale Medien für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verboten werden sollten. Die aktuelle Arbeit der Kommunikations­wissenschaft­lerin analysiert, wie komplex dieser Diskurs ist: Die wissenschaft­liche Evidenz zu negativen Einflüssen sozialer Medien ist uneindeutig, die öffentliche Meinung dagegen erstaunlich klar. Wie kommt es zu diesem einhelligen Stimmungs­bild? Welche Vorstellungen zu negativen Wirkungen von sozialen Medien herrschen in der Gesellschaft vor und inwiefern führen diese zu einer Verbotsforderung?  

Geboren in Flensburg, promoviert in Hannover und habilitiert in Zürich führte ihr Weg über Forschungs­aufenthalte in Amsterdam und Washington schließlich nach Mannheim. Das Institut erlebt sie als familiär, herzlich und offen: ein Ort, an dem man einander begegnet, diskutiert und gemeinsam Wissenschaft gestaltet. „Wir teilen hier das Verständnis davon, was gute Forschung ausmacht“, sagt sie. Und die Studierenden? „Sehr klug, sehr engagiert – eine echte Freude.“ 

Forschungs­schwerpunkte: 

  • Soziale Normen im Kontext mobiler Mediennutzung (zum Beispiel Erreichbarkeits­normen versus digitales Abschalten),
  • Einfluss sozialer Medien auf das Risiko­verhalten Jugendlicher (zum Beispiel Alkoholkonsum),
  • Rolle von Nachrichtenmedien bei der Meinungs­bildung und Vermittlung gesellschaft­licher Präventions­normen in Krisenzeiten (zum Beispiel Pandemien, Klimawandel) 

Ausgewählte Stationen: 

  • 2018 bis 2025: Oberassistentin und Senior Researcher an der Universität Zürich
  • 2024: Habilitation an der Universität Zürich 

Prof. Dr. Olga Stavrova

Lehr­stuhl für Sozialpsychologie und Mikrosoziologie 

Im Zentrum der Forschung von Olga Stavrova stehen soziale und persönliche Beziehungen – mit allen positiven und negativen Seiten. Ob flüchtige Bekanntschaften oder gewachsene Freundschaften – Beziehungen zu anderen Menschen gelten allgemein als eine wichtige Voraussetzung für das eigene Glück und Wohlbefinden. Doch machen sie uns tatsächlich immer glücklich? Die Sozialpsychologin interessiert sich zum Beispiel dafür, ob zu viel Austausch mit anderen Menschen unsere Stimmung trüben und gar die mentale Gesundheit verschlechtern kann.   

Stavrova richtet ihren Blick vor allem auf das, was Menschen im Alltag bewegt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Partner­schaften und romanti­schen Beziehungen. „Ich schaue darauf, wie sich ein Paar gegenseitig beeinflusst“, erklärt die Wissenschaft­lerin. Wer steckt wen mit seiner Laune an? Beeinflusst die glücklichere Person die weniger glückliche positiv? Oder ist es andersherum und die un­zufriedenere Person zieht das gemeinsame Wohlbefinden her­unter?  

Eines der aktuellen Themen ist die soziale Beziehung zu KI-basierten Chatbots. Immer mehr Menschen nutzen Künstliche Intelligenz nicht nur für die Informations­suche, sondern auch für persönliche Gespräche – etwa um Rat zu suchen, Gefühle zu teilen oder Einsamkeit zu lindern. Dabei stellt sich die Frage, ob so ein Nutzen – auch wenn er sich in dem Moment gut anfühlt – langfristig die Einsamkeit in der Gesellschaft weiter zunehmen lässt, weil Menschen noch weniger miteinander sprechen. 

Weitere Schwerpunkte sind Zynismus und Vertrauen. Die Sozialpsychologin erforscht, ob eine zynische Grundeinstellung gegenüber den Mitmenschen – also der Glaube, dass das menschliche Verhalten von eigennützigen Motiven geprägt ist – mit wirtschaft­lichem Erfolg zusammenhängt und ob zynische Menschen schneller die Karriereleiter erklimmen und kompetenter wirken als vertrauensvolle Personen. 

Stavrova studierte Psychologie in München und promovierte in Sozialpsychologie an der Universität zu Köln. Nach mehreren Jahren als Assistant und Associate Professor an der Universität Tilburg in den Niederlanden folgte eine Professur in Lübeck, bevor sie im Herbst-/Wintersemester 2025 an die Universität Mannheim wechselte. Hier fand sie ein sozial­wissenschaft­liches Umfeld, das ihre Forschung an der Schnittstelle von Psychologie, Soziologie, Digitalisierung und gesellschaft­lichem Wandel ideal ergänzt. „Hier fühle ich mich fach­lich zu Hause“, lautet ihr Fazit.  

Forschungs­schwerpunkte: 

  • Soziale Beziehungen und psychologisches Wohlbefinden und Gesundheit
  • Digitale Interaktionen und das Online-Verhalten
  • Lebens­zufriedenheit, Sinn im Leben, Zufriedenheit in Beziehungen
  • Einstellungen und Weltanschauungen, zum Beispiel politische Präferenzen, Religion, Vertrauen und Zynismus  

Ausgewählte Stationen: 

  • 2023 bis 2025: Professorin für Psychische Gesundheit an der Universität zu Lübeck
  • 2016 bis 2023: Assistant und Associate Professor am Fach­bereich Sozialpsychologie der Universität Tilburg (Niederlande)
  • 2012 bis 2016: Postdoc an der Universität zu Köln 

Prof. Dr. Marie-Luis Merten

Lehr­stuhl für Germanistische Linguistik

„Wow“, „tolles Bild“, „mega“ – oft stehen Kommentare wie diese unter Beiträgen auf Instagram oder TikTok. Sie sind inhaltlich austauschbar, formal erstaunlich gleich­förmig – und genau deshalb hochinteressant für Professorin Marie-Luis Merten. Denn was auf den ersten Blick banal wirkt, folgt klaren sprach­lichen Mustern. „Diese Gleich­förmigkeit ist nicht zufällig“, sagt die Linguistin. „Sie erfüllt eine soziale Funktion und signalisiert Zugehörigkeit.“ Seit August 2025 hat Merten den Lehr­stuhl für Germanistische Linguistik inne, als Nachfolgerin von Prof. Dr. Angelika Storrer. 

In ihrer Forschung beschäftigt sie sich vor allem mit Sprache in digitalen Kommunikations­räumen, ihr Fokus liegt dabei auf wiederkehrenden Formen, Strukturen und Mustern. „Mich interessiert nicht in erster Linie, was gesagt wird, sondern wie“, erklärt Merten. Denn wenn Menschen miteinander sprechen, greifen sie auf Routinen zurück. Wie diese Routinen in der digitalen Kommunikation aussehen, ist aber noch wenig erforscht.  

Aktuell unter­sucht sie jugendsprach­liche Phänomene in TikTok-Kommentaren, etwa kurze Anglizismen wie „safe“ oder „fr“, was für „for real“ steht und Gewissheit oder Über­einstimmung markiert. „Diese kleinen, vielleicht unscheinbaren Wörtchen sind ganz entscheidend“, erklärt sie. Als eine Art „In-Group Code“ signalisieren sie, dass man sprach­lich zusammengehört.  

Die Arbeit der Linguistin bewegt sich an der Schnittstelle von Medien- und Soziolinguistik, zunehmend auch von Sprache und Politik. In einem neuen Projekt analysiert sie etwa Hashtag-Diskurse wie #WirSindDasStadtbild, in denen politische Aussagen aufgegriffen, ironisiert und sprach­lich weiterverarbeitet werden.  

Methodisch bringt sie dafür einen breiten Hintergrund mit: Promoviert zur Grammatik historischer Rechts­texte im Mittelniederdeutschen, arbeitete sie später zur Automatisierung linguistischer Analysen, bevor sie sich digitalen Kommunikations­räumen zuwandte und dazu habilitierte. Heute beschäftigt sie sich mit der Frage, ob es eine Grammatik digitaler Kommunikation gibt. Eine Grammatik also, die jenseits von gesprochener und geschriebener Sprache steht und die sensibel für Kontext, Medium und soziale Funktion ist. „Das ist ein sehr innovativer Bereich, den ich ausbauen möchte“, sagt Merten.  

Mannheim war für sie deshalb ein logischer Schritt: wegen der traditions­reichen Soziolinguistik, der Nähe zum Leibniz-Institut für Deutsche Sprache und eines klaren Medienschwerpunkts in der Lehre. „Hier kann ich alle Bereiche verbinden, die ich erforsche.“ Und nach Jahren in der Schweiz freut sie sich auch über die Rückkehr nach Deutschland – näher an Familie und Heimat. 

Forschungs­schwerpunkte: 

  • Soziolinguistik, insbesondere Positionierungs­forschung
  • Medienlinguistik mit Fokus auf digitalen und analogen Schreib­praktiken
  • Grammatik in digitalen Räumen
  • Historische Linguistik, vorrangig kultur- und schriftlinguistischer Provenienz 

Ausgewählte Stationen: 

  • 2025: Anteilige Lehr­vertretung der Assistenzprofessur für Diskurslinguistik und Interaktionale Linguistik an der Universität Bern
  • 2024: Habilitation an der Universität Zürich
  • 2021 bis 2022: Anteilige Lehr­vertretung der Professur für deutsche Linguistik an der Universität Genf
  • 2020 bis 2025: Assistenzprofessorin für Digitalisierte Kommunikations­räume an der Universität Zürich 

Prof. Dr. Matthias Meier

Professur für VWL, Makroökonomik und Geldpolitik

Konjunktur­zyklen, wirtschaft­liche Krisen und die Rolle wirtschafts­politischer Maßnahmen: In seiner Forschung widmet sich Professor Matthias Meier zentralen Fragen der Makroökonomie. Dank der renommierten Heisenberg-Förderung der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) erhielt der Ökonom im vergangenen Jahr knapp 1,3 Millionen Euro für sein Projekt und die damit verbundene Professur. An der Universität Mannheim ist Meier bereits seit 2017 tätig, zunächst als Junior­professor für Volkswirtschafts­lehre.  

Sein aktuelles Projekt umfasst drei große Themen­bereiche: Auftragsbücher, Unter­nehmens­schulden und systematische Geldpolitik. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Auftragsbüchern, die in der bisherigen Forschung häufig vernachlässigt wurden, obwohl sie einen wichtigen Konjunkturfaktor darstellen. „Wenn Unter­nehmen viele offene Aufträge haben, kann ein Nachfragerückgang zunächst abgefedert werden. Das reduziert kurzfristig den Druck auf die Politik, stabilisierend einzugreifen“, erläutert Meier. Mithilfe von Daten des Statistischen Bundes­amtes analysiert er gemeinsam mit seinem Team verschiedene Branchen, um die Wechsel­wirkungen zwischen Nachfrageänderungen und Auftragsbeständen genauer zu unter­suchen. 

Ein weiterer Schwerpunkt sind die makro­ökonomischen Effekte langfristiger Unter­nehmens­schulden. Daran anknüpfend analysiert er auch die Rolle geldpolitischer Veränderungen wie Zinserhöhungen. Das Thema Geldpolitik umfasst zudem die Frage, ob in Zentralbanken eher sogenannte „Tauben“ oder „Falken“ den Kurs bestimmen: Während „Tauben“ der Beschäftigung ein höheres Gewicht beimessen, legen „Falken“ den Schwerpunkt auf Preisstabilität. „Wie stark eine Zentralbank beispielsweise auf höhere Inflation reagiert, hängt davon ab, ob Falken oder Tauben unter den Geldpolitiker*innen das Sagen haben“, sagt Meier. 

Für ihn persönlich ist die Professur ein großer Erfolg. „Ich freue mich sehr, weiter an der Universität Mannheim forschen zu können – in einem hervorragenden wissenschaft­lichen Umfeld, mit engagierten Kolleg*innen und exzellenten Promovierenden.“ Besonders schätzt er zudem den interdisziplinären Austausch, etwa mit der Betriebs­wirtschafts­lehre. 

Forschungs­schwerpunkte: 

  • Makroökonomie
  • Konjunktur­zyklen
  • Geldpolitik  

Ausgewählte Stationen: 

  • 2017 bis 2025: Junior­professor in der Abteilung Volkswirtschafts­lehre der Universität Mannheim
  • 2023 bis 2024: Gast­wissenschaft­ler an der Universität Bonn
  • 2011 bis 2017: Promotion in Volkswirtschafts­lehre an der Universität Bonn  

Texte: Yvonne Kaul / April 2026