„Das Schloss ist ein Traum“
Nach dem Abitur wollte Marco Gianesini neue Erfahrungen außerhalb seines Heimatlands Italien sammeln und landete nach einem Au-Pair-Aufenthalt und verschiedenen beruflichen Stationen schließlich an der Uni Mannheim, wo er aktuell im vierten Semester Psychologie studiert. In seiner myUniMA story erzählt er, wie er sich als internationaler Student an der Universität eingelebt hat.
Marco, wo kommst du her und wie bist du aufgewachsen?
Ich komme aus der italienischen Stadt Padua, das ist in der Nähe von Venedig. Direkt nach dem Abi wusste ich noch nicht, was ich machen wollte, und habe mir ein bisschen Zeit gelassen. Zunächst habe ich für zehn Monate als Au-Pair in Frankfurt gearbeitet. Dort konnte ich meine Deutschkenntnisse, die ich in der Schulzeit erworben hatte, weiter vertiefen. Im Anschluss habe ich einige Monate auf einem Segelboot in Kroatien gelebt und in Italien erste Arbeitserfahrungen als Barkeeper gesammelt.
Aus welchen Gründen hast du dich für ein Studium an der Universität Mannheim entschieden?
Während meines Gap Years habe ich mich intensiv mit Themen wie Emotionen und Motivation beschäftigt und daraufhin beschlossen, Psychologie zu studieren. Die beste Universität für Psychologie in Italien befindet sich zwar in meiner Heimatstadt Padua, jedoch suchte ich nach einer neuen Herausforderung und wollte unbedingt in Deutschland studieren. Zudem reizte mich das Studium auf Deutsch als besondere Herausforderung: Da die meisten meiner Freunde im Ausland auf Englisch studieren, wollte ich bewusst einen anderen Weg einschlagen. Da mir die Universität Mannheim sehr empfohlen wurde, habe ich mich schließlich hier beworben.
Was war dein erster Eindruck von der Universität Mannheim und wie unterscheidet sich das Leben in Deutschland von dem in Italien?
Mein erster Eindruck war, dass das Schloss wirklich sehr schön aussieht, fast wie ein Traum. Und ich war aber überrascht, weil es hier deutlich weniger Präsenzstunden an der Universität gibt als in Italien. Der größte Unterschied liegt für mich jedoch in der zwischenmenschlichen Nähe. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Italien, in dem jeder jeden kennt und man sich ganz selbstverständlich auf der Straße grüßt. Hier wohne ich zwar ebenfalls in einem kleinen Dorf etwas außerhalb von Mannheim, aber es ist anders: Man grüßt sich auf der Straße nicht einfach so. Das war am Anfang eine gewisse Umstellung, da ich mir diesen engen sozialen Kontakt gewünscht hätte.
Wie hast du es geschafft, dich hier einzuleben, Kontakte zu knüpfen und nicht einsam zu sein? Welche Tipps würdest du anderen internationalen Studierenden geben?
Ich hatte Glück und habe mich sehr selten allein gefühlt, da ich mich durch meine Deutschkenntnisse schnell integrieren konnte und direkt Freunde gefunden habe. Manchmal gab es dennoch Momente, in denen ich mich einsam gefühlt habe. Aber man sollte neue Freundschaften nicht mit alten vergleichen. Mein Tipp ist daher, offen auf neue Menschen zuzugehen und keine direkten Vergleiche zu ziehen zu Leuten, die man sein ganzes Leben lang kennt. Außerdem empfehle ich, sich einer Initiative anzuschließen, wo man auch viele Menschen kennenlernt und gemeinsam aktiv ist. Auch Sport und das Erlernen der Sprache helfen sehr beim Ankommen. Wenn man sich Mühe gibt, sind andere auch viel offener. Und wenn ich meine Heimat vermisse, rufe ich manchmal bei italienischen Freunden an, die ich hier in Mannheim kennengelernt habe, und wir gehen gemeinsam essen, kochen zusammen und reden auf Italienisch.
Wie sieht ein typischer Tag für dich als Student aus?
Ich stehe um halb acht auf und mache Sport. Danach lerne ich meistens, fahre zur Uni oder arbeite als Tutor. Abends treffe ich mich häufig mit Freunden oder gehe zum Fußballtraining. Außerdem bin bei der Initiative VaPassion aktiv, die Studierende dabei unterstützt, ihre Leidenschaft zu finden, diese aktiv auszuleben und zu erkennen, wie sich die eigenen Interessen im beruflichen Werdegang widerspiegeln lassen. Deshalb bin ich abends fast immer unterwegs, sei es mit Freunden, beim Fußball oder im Rahmen der Initiative.
Was sind deine Hobbies?
Ich spiele Fußball, sowohl im Verein als auch an der Uni-Liga, und bin Kapitän von „Only Football“, einer internationalen Mannschaft, die wir gegründet haben, damit internationale Studierende gemeinsam spielen können. Dabei lernt man viel über Teamarbeit und Führung. In meiner Freizeit interessiere ich mich auch für Kunst und gehe, wenn möglich, in die Kunsthalle. Architektur fasziniert mich ebenfalls, genauso wie Musik, auch wenn ich kein Instrument mehr spiele. Ich liebe es zu Segeln und habe einen Segelbootschein.
Weißt du schon, wie es nach dem Bachelorabschluss für dich weitergehen wird? Hast du vor, in Mannheim zu bleiben?
Ich glaube ich brauche wieder eine neue Herausforderung. Erst mal muss ich mich entscheiden, ob ich in der Forschung oder in der Wirtschaft arbeiten möchte. Wenn es die Wirtschaft sein sollte, werde ich mich wahrscheinlich für eine Businessschool in Frankreich entscheiden, weil ich auch Französisch lernen möchte. Wenn ich mich hingegen für die Forschung entscheide, hätte ich Lust einen Master zu machen, z. B. in Cambridge oder Oxford. Natürlich müsste ich da erst einmal angenommen werden, aber ich glaube daran, dass ich es schaffen kann.
Interview: Ilayda Aydemir I Juli 2026
