„Die Menschen, die ich im Studium kennengelernt habe, waren die größte Bereicherung“
Hossam Abdellatif stammt aus Ägypten und studiert VWL im 6. Mastersemester. Davor hat er in Ägypten und Kuwait studiert und bereits 10 Jahre gearbeitet. In seiner myUniMA story erzählt der 37-Jährige, warum er noch einmal einen Neuanfang gewagt hat und was für ihn das Studium an der Universität Mannheim so besonders macht.
Erzähl uns etwas über dich: Woher kommst du und was hast du gemacht, bevor du nach Deutschland gekommen bist?
Ich komme aus Nordägypten, wo ich in der Stadt Damiette aufgewachsen bin, die nordöstlich des Nildeltas direkt am Mittelmeer liegt, etwa drei Stunden von Alexandria und Kairo entfernt. Dort habe ich meine gesamte Schulzeit verbracht. Danach habe ich an der American University in Kairo studiert und meinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen.
Du hast lange gearbeitet, bevor du wieder zu studieren begonnen hast. Was hast du beruflich gemacht?
Nach dem Bachelorstudium bin ich nach Kuwait gezogen, habe dort meinen Master gemacht und zehn Jahre lang in der FMCG-Branche gearbeitet. Die Abkürzung steht für „Fast Moving Consumer Goods“. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um Produkte, die im Supermarkt verkauft werden. Bei meiner Arbeit ging es vor allem um die Verwaltung der Produkte, sowohl auf der Verkaufs- als auch der Einkaufsseite. Ich habe zunächst vier Jahre lang für Procter & Gamble gearbeitet und anschließend noch einmal sechs Jahre bei einem Einzelhändler.
Warum hast du dich entschieden, deinen Job zu kündigen und wieder an die Uni zu gehen?
Im September 2022 habe ich angefangen, über eine Veränderung nachzudenken. Ehrlich gesagt war alles ein bisschen viel und ich fand, dass dies ein guter Zeitpunkt für eine Pause war. Ich bin dann erst einmal eine Weile durch Südostasien gereist. Während dieser Zeit habe ich mir viele Gedanken gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass ich im Masterstudium in Kuwait nicht so viel Neues kennengelernt habe wie im Bachelor. Ich wollte auch gerne das Leben in Deutschland kennenlernen und erfahren, was ein Masterstudium in VWL hier bedeutet. Deshalb habe ich mich 2023 bei einer ganzen Reihe von Hochschulen in Deutschland beworben.
Warum hast du dich für die Uni Mannheim entschieden?
Die Universität Mannheim und Mannheim als Stadt hatten für mich eine Reihe von attraktiven Aspekten. Die Universität selbst genießt ein hohes Ansehen – ich habe mal irgendwo gelesen, dass sie in den Wirtschaftswissenschaften als das „Harvard Deutschlands“ gilt. Letztendlich war es aber der Kontakt zum International Office, der für mich den Ausschlag gegeben hat: Man hat das Gefühl, dass die Mitarbeiter*innen fast schon persönlich für einen da sind, um jede einzelne Frage zu beantworten. Und was die Stadt angeht, waren die Sonnenstunden eines der ersten Dinge, auf die ich geachtet habe. In meiner Heimat ist es auch sehr sonnig und daher ich habe nach einer Stadt gesucht, in der oft die Sonne scheint (lacht).
Was gefällt dir besonders gut an deinem Studium?
Die Menschen, die ich im Studium kennengelernt habe, waren die größte Bereicherung. Die Kontakte, die ich hier geschlossen habe, waren sowohl für mein Privatleben als auch für das Studium sehr hilfreich. Ohne sie hätte ich es wahrscheinlich nicht geschafft. Und was das Studium angeht, ist es das Gefühl, auf dem neuesten Stand der Forschung zu sein. Im Laufe des Studiums liest man vor allem aktuelle Fachartikel und lernt die neuesten Methoden kennen. Das schätze ich sehr.
Wie verbringst du deine Zeit außerhalb von Vorlesungen und Seminaren?
Ich nutze meine Freizeit hauptsächlich zum Lernen, um mich mit Freunden zu treffen und Sport zu treiben. Ich bin ein riesiger Fußballfan. Gleich zu Beginn meines Studiums habe ich entdeckt, dass es eine Hochschulliga und eine Fußballmannschaft für Masterstudierende der Wirtschaftswissenschaften gibt (Real Wage F.C.), und ich habe bis zum letzten Semester bei ihnen gespielt. Manchmal nehme ich auch an studentischen Aktivitäten teil.
Welchen Rat würdest du anderen Studierenden geben, die darüber nachdenken, aus einem anderen Land nach Mannheim zu ziehen?
Geh auf andere zu. Bleib mit deinen Problemen nicht allein und nutze die großartigen Angebote des International Office. Dort kann man dir helfen. Gerade am Anfang gibt es Momente, in denen alles etwas chaotisch und überwältigend sein kann. Aber wenn du auf andere zugehst, baust du wichtige Kontakte auf. Plötzlich lassen sich deine Probleme leichter bewältigen und du wirst feststellen, dass du in viele Dinge eingebunden wirst, die deinen Aufenthalt bereichern.
In welcher Phase deines Studiums befindest du dich gerade und wo siehst du dich nach deinem Abschluss?
Ich stehe kurz vor dem Abschluss meines Studiums und muss nur noch meine Masterarbeit schreiben. Ich denke aber, dass ich noch ein siebtes Semester dranhängen werde. Die zusätzliche Zeit werde ich nutzen, um ein Praktikum zu absolvieren. Ich würde nach meinem Studium sehr gerne in Deutschland bleiben und könnte mir auch sehr gut vorstellen, hier in der Region zu arbeiten.
Möchtest du wieder in den Bereich zurückkehren, in dem du früher gearbeitet hast?
Als ich meinen Job gekündigt habe, hatte ich erst einmal das Bedürfnis, mich komplett umzuorientieren. Aber mit ein bisschen Abstand reizt es mich tatsächlich herauszufinden, wie die Branche in Europa und speziell in Deutschland funktioniert. Ich bin neugierig, was die Unternehmen hier zu bieten haben!
Interview: Tamara Gminsky I Juni 2026
