Männer im oberen Management lehnen Frauenquote in Aufsichtsräten besonders stark ab

Wer unter­stützt die Frauenquote in Aufsichtsräten? Wer lehnt sie ab? Ein Forschungs­team der Universitäten Mannheim und Göttingen ist dieser Frage nachgegangen. Die Ergebnisse zeigen eine starke Diskrepanz in der Unter­stützung zwischen Männern und Frauen. Im europäischen Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern mit der geringsten Unter­stützung der Geschlechterquote.

Presse­information vom 9. Januar 2020

Erstmalig kann nun beurteilt werden, welche Faktoren dazu beitragen, dass die 2016 eingeführte Geschlechterquote unter­stützt oder abgelehnt wird. Die höchste Unter­stützung findet sich unter alleinstehenden Frauen, die selbst in einer Führungs­position tätig sind. Dagegen lässt sich bei verheirateten Frauen und jungen Männern die geringste Unter­stützung finden. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift für sozial­wissenschaft­liche Forschung Soziale Welt veröffentlicht.

Professorin Katja Möhring und Dr. Christopher Buss von der Universität Mannheim haben zusammen mit Professorin Céline Teney vom Institut für Soziologie der Universität Göttingen anhand der Daten des German Internet Panels* von März 2017 individuelle und arbeits­platz­spezifische Faktoren für die Unter­stützung der Frauenquote unter­sucht. Insgesamt wurden Daten von 2544 Befragten ausgewertet.

„Die Daten zeigen, dass die Geschlechterquote auf die stärkste Ablehnung bei jenen stößt, die sich durch diese Maßnahme ausgegrenzt fühlen oder ihre zukünftigen Arbeits­markt­chancen gefährdet sehen“, erläutert Teney. Männer im Top-Management lehnen die Quote stärker ab als Männer, die im mittleren Management tätig sind oder keine Führungs­position innehaben. Im Gegensatz dazu unter­stützen Frauen, die selbst in einer Führungs­position tätig sind, die Quote besonders stark (siehe Abbildung unter  https://www.uni-mannheim.de/newsroom/presse/pressefotos/).

Neben dem Geschlecht und der eigenen Position auf dem Arbeits­markt zählen auch die Wahrnehmung der Ungleichbehandlung von Frauen sowie bei Männern das Alter zu den entscheidenden Faktoren. Insbesondere jüngere Männer lehnen die Quote eher ab. Sowohl Frauen als auch Männer unter­stützen die Frauenquote stärker, wenn sie eine Ungleichbehandlung von Frauen auf dem Arbeits­markt wahrnehmen. „Die eigene Wahrnehmung von Ungleichheiten und persönliche Erfahrungen spielen eine wesentliche Rolle bei der Bewertung von Gleichstellungs­maßnahmen“, stellt Möhring fest.

Geschlechterquote in Unter­nehmen – wie stehen die Europäer dazu?
In einer weiteren Studie haben die Forscherinnen aus Mannheim und Göttingen erstmals auch die Einstellung der europäischen Bevölkerung zur Geschlechterquote in Vorständen und Aufsichtsräten unter­sucht. Das Ergebnis der Studie: Die Zustimmung zur Geschlechterquote zwischen den europäischen Mitgliedsstaaten variiert stark. Die stärkste Unter­stützung findet sich in Zypern, Portugal und Malta. Deutschland, Schweden und Dänemark gehörten dagegen zu den Ländern mit der geringsten Zustimmung. Der Unter­schied lässt sich vielleicht mit der tatsächlichen Geschlechter­gerechtigkeit in diesen Ländern erklären: Je höher die formelle Gleichstellung der Geschlechter im Hinblick auf ökonomische, politische und soziale Aspekte in einem Land ist, desto niedriger ist die Zustimmung für eine Geschlechterquote.

Originalpublikationen:
Katja Möhring, Céline Teney und Christopher Buss. Wer unter­stützt die Geschlechterquote für Aufsichtsräte? Soziale Welt (2019).doi: 10.5771/0038-6073-2019-2-121

Katja Möhring and Céline Teney. Equality prescribed? Contextual determinants of citizens’ support for gender boardroom quotas across Europe. Comparative European Politics (2019). doi: 10.1057/s41295-019-00199-w

*Das German Internet Panel ist eine repräsentative Bevölkerungs­befragung, die vom Sonderforschungs­bereich 884 der Universität Mannheim durchgeführt wird. Das GIP basiert auf einer Zufallsstichprobe der Bevölkerung in Deutschland im Alter von 16 bis 75 Jahren. Die in dieser Studie verwendete GIP-Welle wurde im März 2017 durchgeführt.

Pressefotos finden Sie unter: https://www.uni-mannheim.de/newsroom/presse/pressefotos/

Kontakt:
Prof. Dr. Katja Möhring
Universität Mannheim
Fakultät für Sozial­wissenschaften
Tel. +49 621 181-2031
E-Mail: moehringmail-uni-mannheim.de

Yvonne Kaul
Forschungs­kommunikation
Universität Mannheim
Tel. +49 621 181-1266
E-Mail: kaulmail-uni-mannheim.de