Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

GBP-Monitor: Krieg im Nahen Osten belastet deutsche Unter­nehmen – stille Reserven schwinden, Steuersenkung noch wichtiger als Energiekostenzuschuss

Die stillen Reserven deutscher Unter­nehmen schmelzen spürbar. Im Februar konnte noch rund jedes dritte Unter­nehmen durch gewinnmindernde Bilanzpolitik Reserven aufbauen – seither hat sich dieser Anteil halbiert. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Eskalation im Nahen Osten, die die wirtschaft­lichen Belastungen weiter verschärft. Steigende Energiepreise und gestörte Lieferketten erhöhen den Kostendruck für Unter­nehmen. Fast 70 Prozent der belasteten Unter­nehmen reagieren mit Preiserhöhungen, 35 Prozent planen Einschnitte bei Fixkosten, insbesondere durch Personalabbau. Gleich­zeitig steigt die Erwartungs­haltung gegenüber der Politik: Als wichtigste strukturelle Reform fordern Unter­nehmen eine substanzielle Steuersenkung – sogar noch vor Energiekostenzuschüssen. Das zeigt eine aktuelle Studie des German Business Panel.

Pressemitteilung vom 22. April 2026
Druckversion (PDF)

Die anhaltende militärische Eskalation im Nahen Osten hat zunehmend auch globale wirtschaft­liche Folgen. Seit Ende Februar hat sich die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA, Israel und dem Iran zu einem größeren regionalen Konflikt ausgeweitet. Spätestens mit der Sperrung der zentralen Schifffahrtsroute in der Straße von Hormus sind die Energiepreise deutlich gestiegen und internationale Lieferketten erheblich gestört. Eine kurzfristige Entspannung ist trotz laufender Friedensgespräche derzeit nicht absehbar.

Die Aus­wirkungen sind auch in Deutschland spürbar. Das zeigt der aktuelle GBP-Monitor aus dem April 2026: Fast jedes zweite Unter­nehmen (49,6 Prozent) berichtet bereits von finanz­iellen Belastungen infolge des Konflikts. Hauptursachen sind stark gestiegene Energiekosten (72,8 Prozent) sowie zunehmende Planungs­unsicherheit (39,0 Prozent) und gestörte Lieferketten (22,8 Prozent).

Kostendruck wächst – finanz­ielle Puffer schmelzen
Die finanz­iellen Belastungen gehen zunehmend mit einem Abbau stiller Reserven einher. Während Unter­nehmen vor dem Krieg gezielt bilanzielle Spielräume nutzten, um finanz­ielle Puffer aufzubauen, ist dies in der aktuellen Lage deutlich eingeschränkt. Der Anteil der Unter­nehmen, die gewinnmindernde Bilanzpolitik einsetzen, ist seit Kriegsbeginn von 33,8 auf 18,1 Prozent gesunken. „Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die finanz­iellen Spielräume der Unter­nehmen schwinden und ihre Fähigkeit, auf weitere Belastungen zu reagieren, abnimmt. Das kann länger anhaltende negative Folgen für Investitions­entscheidungen und Beschäftigung haben“, erklärt Prof. Dr. Jannis Bischof, wissenschaft­licher Projektleiter des German Business Panel.

Der steigende Preis- und Kostendruck führt bereits jetzt zu starken realwirtschaft­lichen Anpassungen. 68 Prozent der Unter­nehmen planen, in den kommenden 12 Monaten ihre Preise zu erhöhen. Wie stark die Preise letztendlich steigen, hängt entscheidend von der Dauer des Konflikts ab. Sollten die aktuellen Friedensverhandlungen scheitern und der Krieg länger als sechs Monate andauern, rechnen Unter­nehmen in Deutschland im Schnitt mit einem Anstieg ihrer Verkaufspreise um 9,9 Prozent. „Die hohe Inflation belastet Unter­nehmen und Haushalte in einem Umfeld mit ohnehin sehr schwachen Wachstumsaussichten. Dieser Krieg ist katastrophal, auch für Deutschland“, so Prof. Dr. Davud Rostam-Afschar, Projektleiter des German Business Panel.

Unter­nehmen planen Einschnitte und fordern strukturelle Reformen
Um ihre Liquidität zu sichern, reagieren viele Unter­nehmen zudem mit Einsparungen: 46,1 Prozent wollen Ausschüttungen kürzen, 38,5 Prozent planen geringere Bonuszahlungen und 34,6 Prozent wollen ihre Fixkosten reduzieren, insbesondere durch Entlassungen. Alarmierend ist zudem, dass knapp jedes fünfte Unter­nehmen (19,7 Prozent) Kürzungen bei Forschung und Entwicklung erwägt. Das könnte die Innovations­fähigkeit der deutschen Wirtschaft langfristig gefährden.

Entsprechend deutlich sind die Forderungen an die Politik: Neben kurzfristigen Entlastungen bei Energiekosten verlangen Unter­nehmen vor allem strukturelle Entlastungen – insbesondere durch Steuersenkungen (60,5 Prozent). „Die Ergebnisse zeigen, dass der Krieg gegen Iran nicht nur kurzfristige Krisenhilfen auslöst, sondern den bereits bestehenden Reformdruck in der deutschen Wirtschafts­politik verschärft. Unter­nehmen fordern Entlastung bei Energiekosten, aber vor allem bessere Standortbedingungen“, so Rostam-Afschar.

Auch Entlastungen bei Dokumentations- und Berichtspflichten stoßen bei den Unter­nehmen auf noch größere Zustimmung als zuvor. Die Omnibus-Initiative der EU, die auf einen Bürokratieabbau durch geringere Berichts- und Dokumentations­pflichten im Nachhaltigkeits­bereich setzt, wird seit dem Kriegsausbruch stärker begrüßt als noch zuvor (65 Prozent gegenüber 57 Prozent). „Die weiterwachsende Zustimmung zur Omnibus-Initiative zeigt: Unter anhaltendem wirtschaft­lichem Druck verlieren Nachhaltigkeits­pflichten an Priorität. Unter­nehmen, die heute um ihre Liquidität kämpfen, verschieben ihre Agenda. Die steigende Zustimmung zur Omnibus-Reform ist kein Be­kenntnis gegen Nachhaltigkeit, sondern ein Symptom wirtschaft­licher Über­forderung“, so Bischof.

Den „GBP-Monitor: Unter­nehmens­trends im April 2026“ finden Sie hier:  https://www.accounting-for-transparency.de/wp-content/uploads/2026/04/gbp_monitor_april_2026.pdf  

Weitere Informationen zum GBP-Monitor
Das German Business Panel befragt monatlich mehr als 800 Unter­nehmen zur Unter­nehmens­lage in Deutschland und erhebt dabei Daten zu 1) erwarteten Umsatz-, Gewinn- und Investitions­änderungen, 2) unter­nehmerischen Entscheidungen, 3) der erwarteten Schließungs­rate in der Branche und 4) der Zufriedenheit mit der Wirtschafspolitik. Zudem wird alle drei Monate zu besonders aktuellen Fragen berichtet. 

Hintergrund­informationen zum German Business Panel
Das German Business Panel ist ein langfristiges Befragungs­panel des DFG-geförderten überregionalen Projektes „Accounting for Trans­parency“ (www.accounting-for-trans­parency.de). Der Sonderforschungs­bereich (SFB) „TRR 266 Accounting for Trans­parency“ startete im Juli 2019. Im Mai 2023 beschloss die Deutsche Forschungs­gemeinschaft (DFG), den SFB um zunächst weitere vier Jahre zu verlängern. Er ist der erste SFB mit betriebs­wirtschaft­lichem Schwerpunkt. Am SFB sind über 100 Wissenschaft­ler*innen von acht Universitäten beteiligt: Universität Paderborn (Sprecherhochschule), Humboldt-Universität zu Berlin und Universität Mannheim, zudem Forschende von der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Frankfurt School of Finance & Management, der Universität zu Köln, der Leibniz Universität Hannover und der Technischen Universität Darmstadt. Die Forschenden unter­suchen, wie Rechnungs­wesen und Besteuerung die Trans­parenz von Unter­nehmen beeinflussen und wie sich Regulierungen und Unter­nehmens­trans­parenz auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken. Das Fördervolumen des SFBs beträgt rund 18 Millionen Euro.

Kontakt: 
Prof. Dr. Jannis Bischof
Lehr­stuhl für ABWL und Unter­nehmens­rechnung
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-1630
E-Mail: jbischofuni-mannheim.de 

Prof. Dr. Davud Rostam-Afschar
Professor für Rechnungs­wesen
Universität Mannheim
Tel: +49 621 1811645
E-Mail: rostam-afscharuni-mannheim.de

Luisa Gebhardt
Redakteurin
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-3266
E-Mail: luisa.gebhardtuni-mannheim.de