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Studie zeigt, wie Betroffene auf Datenlecks bei Facebook reagierten

Neue Studie des Mannheimer BWL-Professors Hartmut Höhle unter­sucht Reaktionen tatsächlicher Opfer des Cambridge Analytica-Skandals bei Facebook über einen längeren Zeitraum. Zentrales Ergebnis: Trotz Datenbetrugs bleiben Betroffene auf der Plattform.

Pressemitteilung vom 8. Juni 2026
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Datenlecks lösen Empörung aus, erschüttern Vertrauen und führen regelmäßig zu Forderungen nach mehr Datenschutz. Doch wie reagieren Menschen tatsächlich, wenn sie erfahren, dass ihre eigenen Daten betroffen sind – und wie dauerhaft sind diese Effekte?

Ein Forschungs­team um Prof. Dr. Hartmut Höhle von der Universität Mannheim unter­sucht diese Frage anhand eines der bekanntesten Datenskandale der vergangenen Jahre: des Cambridge-Analytica-Skandals bei Facebook. Damals waren Daten von mehr als 80 Millionen Facebook-Nutzer*innen ohne deren Wissen für politische Zwecke verwendet worden.

Das Besondere an der Studie: Während bisherige Forschung häufig mit hypothetischen Szenarien arbeitet, analysiert die aktuelle Arbeit erstmals, wie sich die Einstellungen tatsächlich betroffener Personen über die Zeit verändern. Insgesamt umfasst die Unter­suchung zunächst 380 Facebook-User*innen, sechs Monate später erfolgte eine weitere Befragung mit 183 Personen. Das Paper wurde in der Fach­zeitschrift Information Systems Research veröffentlicht.

Die Ergebnisse zeigen: Menschen, die erfahren, dass ihre Daten betroffen sind, reagieren zunächst – erwartungs­gemäß – deutlich stärker als Personen, die nicht betroffen sind. Direkt nach Bekanntwerden des Vorfalls sinken Vertrauen und Loyalität gegenüber der Plattform, während Gefühle wie Wut und Enttäuschung zunehmen. Über­raschend ist jedoch: Nach etwa sechs Monaten verschwinden diese Unter­schiede weitgehend wieder. In der erneuten Befragung nähern sich die Einstellungen der Betroffenen wieder an ihr ursprüngliches Niveau an.

Die Studie erklärt diese Entwicklung vor allem mit psychologischer Anpassung und internen Rechtfertigungs­prozessen. Zum einen nehmen Ärger und Misstrauen mit der Zeit offenbar von selbst ab. Zum anderen bleiben viele Betroffene trotz des Vorfalls auf der Plattform, weil soziale Kontakte, gespeicherte Inhalte oder fehlende Alternativen einen Wechsel erschweren. Die Reaktionen auf Datenschutz­verletzungen hängen deshalb nicht nur mit dem Vorfall selbst zusammen, sondern auch damit, wie stark Menschen an eine Plattform gebunden sind.

„Datenschutz­verletzungen hinterlassen zunächst deutliche Spuren im Vertrauen und in der Beziehung zu digitalen Plattformen. Unsere Studie belegt aber auch, wie schnell Menschen ihr Verhalten und ihre Einstellungen an neue Realitäten anpassen“, sagt Hartmut Höhle.

„Unsere Ergebnisse sind jedoch nicht als Freischein für Unter­nehmen, Regulierungs­behörden und Plattformbetreiber zu verstehen“, so Höhle weiter. Deren Kommunikation sollte nicht nur auf reine Schadensbegrenzung ausgerichtet werden – auch wenn Nutzer*innen nach Datenschutz­verletzungen auf den Plattformen tendenziell verbleiben.

Originalpublikation:
Schlackl, F., Pethig, F., Höhle, H., & Sabherwal, R. (2026). Reactions by Actual Data Breach Victims over Time: Evidence from Facebook’s Cambridge Analytica Breach. Information Systems Research: pubsonline.informs.org/doi/10.1287/isre.2023.0391 ;

Kontakt: 
Prof. Dr. Hartmut Höhle
Lehr­stuhl für Enterprise Systems 
Universität Mannheim
E-Mail: hoehleuni-mannheim.de

Yvonne Kaul
Forschungs­kommunikation
Universität Mannheim
Tel: +49 621 181-1266
E-Mail: kauluni-mannheim.de