Kulturelles Zugehörigkeits­empfinden prägt das eigene Wohlbefinden

Wenn die Wertvorstellungen einer Person mit den Wertvorstellungen ihrer Kultur übereinstimmen, fördert dies das individuelle Wohlbefinden. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Unter­suchung der Mannheimer Psychologin Dr. Vera Vogel, die in der Zeitschrift Social and Personality Psychological Sciences veröffentlicht wurde.

Wenn die individuellen Wertvorstellungen mit den Wertvorstellungen der eigenen Kultur übereinstimmen, spricht man vom Person-Kultur-Match-Effekt (Person Culture Match Effect, PCME). In ihrer aktuellen Studie konnte Vogel mit Hilfe von Experimenten den PCME kausal nachweisen. Allerdings wirkte sich die Über­einstimmung zwischen den eigenen Werten und den Werten der eigenen Kultur nur dann positiv aus, wenn diese Kultur für das Selbstverständnis der Person bedeutsam ist. Die Ergebnisse zeigten sich bei einigen Indikatoren für das Wohlbefinden (Affekt, globales Wohlbefinden) konsistenter als bei anderen (Lebens­zufriedenheit, Selbstwertgefühl) und liefern damit erste Einblicke in die zugrunde liegenden Mechanismen des PCME, die Wege für zukünftige Forschung eröffnen. 

Darüber hinaus unter­suchte die Studie, ob eine Über­einstimmung mit den Werten anderer kultureller oder religiöser Gruppen einen vergleich­baren Effekt auf das Wohlbefinden hat. Dies zeigte sich nicht in gleichem Maße. Die Ergebnisse deuten vielmehr darauf hin, dass die Passung zu den Werten der eigenen kulturellen Bezugs­gruppe besonders bedeutsam ist – vorausgesetzt, diese Zugehörigkeit ist ein wichtiger Teil der eigenen Identität.

Gerade in kulturell vielfältigen Gesellschaften ist dieser Befund relevant. Er legt nahe, dass nicht eine bestimmte Kultur das Wohlbefinden fördert, sondern die Über­einstimmung zwischen den eigenen Wertvorstellungen und den Werten der Kultur, mit der sich eine Person identifiziert. „Entscheidend ist also nicht, ob sich jemand einer deutschen, christlichen, muslimischen oder einer anderen kulturellen oder religiösen Gemeinschaft zugehörig fühlt. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass diese Zugehörigkeit für die Person identitätsstiftend ist und ihre eigenen Wertvorstellungen mit den wahrgenommenen Werten dieser Gemeinschaft übereinstimmen“, erklärt Vera Vogel und ergänzt: „Für multikulturelle Gesellschaften kann dieses Wissen nützlich sein, um Maßnahmen in Bereichen wie Bildung, Integration, Arbeits­welt und psychologischer Beratung gezielter zu gestalten.“

Original­veröffentlichung: Vogel, V.; Gebauer, J.E., & Hegner, S.: „On the inner workings of person-culture Match“ in Social and Personality Psychological Sciences

DOI:10.1177/19485506261453640

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