Bilder der sechs im FORUM porträtierten Professorinnen in bunten Farben. Darunter der Schriftzug: "Im Schwerpunkt: Berufung Professorin"

Mehr Druck, weniger Kinder: Wie der Wettbewerb zwischen Eltern die Geburtenrate senkt

Eine neue Studie der Mannheimer Ökonomin Michèle Tertilt und Kollegen zeigt: Der soziale Vergleich zwischen Eltern und der Wettbewerb um die beste Bildung ihrer Kinder führen dazu, dass Familien weniger Kinder planen oder bekommen. 

Eine neue Studie von Prof. Michèle Tertilt, Ph.D., von der Universität Mannheim und ihren Kollegen Prof. Minchul Yum, Ph.D., und Dr. Lukas Mahler zeigt: Eltern wünschen sich häufig mehr Kinder – doch entscheiden sich dagegen, weil sie das Gefühl haben, mit anderen Eltern und deren Investitionen in Bildung, Förderung und Betreuung nicht mithalten zu können. Der Vergleich zwischen Familien trägt somit maßgeblich zum weltweiten Rückgang der Geburtenraten bei. 

Die im Fach­journal Brookings Papers on Economic Activity veröffentlichte Studie analysiert, warum in vielen Ländern weniger Kinder geboren werden, obwohl sich Familien grundsätzlich Nachwuchs wünschen. Die Ökonom*innen legen dar, dass nicht nur finanz­ielle Belastungen oder mangelnde Betreuungs­angebote eine Rolle spielen, sondern vor allem der gesellschaft­liche Druck, in jedes einzelne Kind besonders viel investieren zu müssen – etwa in Bildung, außerschulische Aktivitäten oder private Förderung.  

Ein Grund für den Anstieg des Drucks ist laut Studie die wachsende Rolle von sozialen Medien – insbesondere sogenannter „Momfluencer“. Diese präsentieren auf Plattformen wie Instagram oder TikTok idealisierte Bilder moderner Mutterschaft: kreative Früh­förderung, selbstgekochtes Bio-Essen, perfekte Kinderzimmergestaltung. 

„In vielen Ländern gilt es inzwischen als notwendig, viel Geld und Zeit in die Förderung eines Kindes zu stecken, damit es mithalten kann. Das verändert, wie Familien über Kinder nachdenken – und wie viel Nachwuchs sie in Erwägung ziehen“, erklärt Tertilt.  

Im Zentrum der Studie steht ein ökonomisches Modell, das die Entscheidung von Familien simuliert, wie viele Kinder sie bekommen und wie viel Zeit, Geld und Energie sie jeweils investieren. Dabei zeigt sich: Je stärker der soziale Vergleich, desto höher der Investitions­druck pro Kind – und desto geringer die Geburtenraten.  

Ergänzt wird das Modell durch empirische Analysen, die beispielsweise zeigen, dass in Ländern, in denen sich Eltern besonders Sorgen um die Bildung der Kinder machen und viel eigenes Geld in Bildung investieren, die Geburtenraten besonders niedrig sind. Dazu gehören Südkorea und die USA. Auch innerhalb der USA lässt sich dieser Zusammenhang beobachten: In Regionen mit hoher sozialer Vernetzung ist die Kinderzahl besonders niedrig, selbst bei vergleich­baren Einkommen. Umgekehrt verzeichnen eher ländliche Regionen mit weniger intensivem Vergleich­s­verhalten und weniger Wettbewerb um Bildungs­chancen höhere Kinderzahlen, auch bei vergleich­barem Einkommensniveau.

Text: Yvonne Kaul / April 2026