Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

GBP-Monitor: Krieg im Nahen Osten belastet deutsche Unter­nehmen – stille Reserven schwinden, Steuersenkung noch wichtiger als Energiekostenzuschuss

Die stillen Reserven deutscher Unter­nehmen schmelzen spürbar. Im Februar konnte noch rund jedes dritte Unter­nehmen durch gewinnmindernde Bilanzpolitik Reserven aufbauen – seither hat sich dieser Anteil halbiert. Maßgeblich dazu beigetragen hat die Eskalation im Nahen Osten, die die wirtschaft­lichen Belastungen weiter verschärft. Steigende Energiepreise und gestörte Lieferketten erhöhen den Kostendruck für Unter­nehmen. Fast 70 Prozent der belasteten Unter­nehmen reagieren mit Preiserhöhungen, 35 Prozent planen Einschnitte bei Fixkosten, insbesondere durch Personalabbau. Gleich­zeitig steigt die Erwartungs­haltung gegenüber der Politik: Als wichtigste strukturelle Reform fordern Unter­nehmen eine substanzielle Steuersenkung – sogar noch vor Energiekostenzuschüssen. Das zeigt eine aktuelle Studie des German Business Panel.

Die anhaltende militärische Eskalation im Nahen Osten hat zunehmend auch globale wirtschaft­liche Folgen. Seit Ende Februar hat sich die militärische Auseinandersetzung zwischen den USA, Israel und dem Iran zu einem größeren regionalen Konflikt ausgeweitet. Spätestens mit der Sperrung der zentralen Schifffahrtsroute in der Straße von Hormus sind die Energiepreise deutlich gestiegen und internationale Lieferketten erheblich gestört. Eine kurzfristige Entspannung ist trotz laufender Friedensgespräche derzeit nicht absehbar.

Die Aus­wirkungen sind auch in Deutschland spürbar. Das zeigt der aktuelle GBP-Monitor aus dem April 2026: Fast jedes zweite Unter­nehmen (49,6 Prozent) berichtet bereits von finanz­iellen Belastungen infolge des Konflikts. Hauptursachen sind stark gestiegene Energiekosten (72,8 Prozent) sowie zunehmende Planungs­unsicherheit (39,0 Prozent) und gestörte Lieferketten (22,8 Prozent).

Kostendruck wächst – finanz­ielle Puffer schmelzen
Die finanz­iellen Belastungen gehen zunehmend mit einem Abbau stiller Reserven einher. Während Unter­nehmen vor dem Krieg gezielt bilanzielle Spielräume nutzten, um finanz­ielle Puffer aufzubauen, ist dies in der aktuellen Lage deutlich eingeschränkt. Der Anteil der Unter­nehmen, die gewinnmindernde Bilanzpolitik einsetzen, ist seit Kriegsbeginn von 33,8 auf 18,1 Prozent gesunken. „Das ist ein klares Zeichen dafür, dass die finanz­iellen Spielräume der Unter­nehmen schwinden und ihre Fähigkeit, auf weitere Belastungen zu reagieren, abnimmt. Das kann länger anhaltende negative Folgen für Investitions­entscheidungen und Beschäftigung haben“, erklärt Prof. Dr. Jannis Bischof, wissenschaft­licher Projektleiter des German Business Panel.

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