Bilder der sechs im FORUM porträtierten Professorinnen in bunten Farben. Darunter der Schriftzug: "Im Schwerpunkt: Berufung Professorin"

Ein Wiedersehen mit … Manuel Ludorff

Max Liebermann, Käthe Kollwitz, Pablo Picasso: Viele haben deren Gemälde schon in Museen bestaunt. BWL-Alumnus Manuel Ludorff hingegen hat schon einige Werke von ihnen besessen. Nicht ungewöhnlich, denn er ist Kunsthändler. Aber auch für ihn gibt es Kunstwerke, für die er alles stehen und liegen lässt.

Als gebürtiger und wohnhafter Düsseldorfer macht Manuel Ludorff am 11.11. um 11:11 Uhr etwas Ungewöhnliches: Er spricht mit seiner Alma Mater. „Wir sind ein bisschen Karnevalisten im Herzen, aber Düsseldorf ist verglichen mit Köln nicht so extrem“, klärt der Alumnus auf. „Wir hatten am Wochenende eine Veranstaltung dort und gestern wurden die Kunstwerke abgeholt. Ich bin froh, dass erst heute der 11.11. ist, denn da ist in Köln kein Durchkommen!“ 

Der 48-Jährige ist Kunsthändler und Galerist in zweiter Generation. Vor fünfzehn Jahren hat er von seinem Vater die Galerie Ludorff übernommen. „Als Galerist arbeite ich mit lebenden Künstlern, deren Werke wir dann in unserer Galerie präsentieren“, sagt Ludorff und erklärt: „Im Bereich des Kunsthandels gibt es wiederum auch Werke von verstorbenen Künstlern, zum Beispiel von Käthe Kollwitz. Die können wir natürlich nicht mehr vertreten, sondern suchen ihre Werke auf der ganzen Welt, kaufen sie, stellen sie aus oder verleihen sie gezielt an Museen.“ 

Weichenstellung für die Zukunft 

Kurz nachdem sein Vater 1975 seine ersten Werke kauft und beginnt, seine Kunstsammlung auszubauen, wird Manuel Ludorff geboren. Als Kind spielt er in der Galerie neben Bildern und Plastiken und wird über die Jahre zwischen ihnen groß. Nach dem Abitur steht er vor der Wahl, was er studiert. „Ich konnte meine Fächer frei wählen und auch, was ich nach meinem Abschluss machen wollte“, sagt der 48-Jährige. „Es gab keinen Druck von meinen Eltern, den Kunsthandel zu übernehmen.“  

Ludorff beginnt ein BWL-Studium, denn: „BWL ist eine ziemlich gute Basis, um hinterher viele Berufe ergreifen zu können.“ Er studiert auf Diplom und absolviert das Grundstudium in Marburg. Praktika während der Semesterferien führen ihn zu einem Fotografen, in ein Auktions­haus, in zwei Banken und in einen Start-up-Inkubator. Dann geht er für ein Jahr an die Bocconi-Universität nach Mailand und entscheidet sich danach, sein Studium in Mannheim fortzusetzen. „Ich wollte, dass meine Leistungen aus dem Jahr in Italien anerkannt werden, und das bot mir die Universität Mannheim“, erklärt der Alumnus.  

Studium in Mannheim 

So kommt er zum Hauptstudium ins Barockschloss. Pluspunkte gibt es für Mannheim, da Marburg nicht weit entfernt ist: „Meine heutige Frau studierte noch dort“, sagt Ludorff. Außerdem wechseln viele seiner Freunde nach Mannheim. Auch wenn der Zufall eine Rolle spielt, bekräftigt er: „Ich habe die Zeit in Mannheim sehr genossen. Insbesondere den Praxisbezug des Studiums fand ich unheimlich spannend. Einmal hatten wir zum Beispiel eine Vorlesung mit einem Vorstands­mitglied von Porsche und eine Seminararbeit mit Roche.“  

In Mannheim wohnt Ludorff in der Nähe des Rheins. „Das war etwas Besonderes und hat mir gut gefallen“, sagt er. Nebenher arbeitet er für die väterliche Galerie und richtet die Website ein, hilft auf Kunstmessen aus und unter­stützt bei Käufen oder der Planung von Ausstellungen. „Ich konnte mich aber trotzdem noch ganz gut auf das Studium und Studierenden­leben konzentrieren und die Schneckenhofpartys, insbesondere nach den Klausuren, waren natürlich Pflicht­programm“, sagt der Kunsthändler. Nach seinem Abschluss wird er Mitglied bei ABSOLVENTUM. „Es war für mich selbstverständlich, dort einzutreten und mit meiner Alma Mater verbunden zu bleiben.“ 

Zurück nach Düsseldorf

Mit dem abgeschlossenen Diplom in der Tasche geht Ludorff nach London, um dort bei der renommierten Galerie Marlborough zu arbeiten und Auslands­erfahrung zu sammeln. Nach sechs Jahren tritt er in die Galerie seiner Eltern ein. „Es war keine leichte Entscheidung. Wir haben London geliebt. Langfristig war uns aber klar, dass man sich auch dort selbständig machen müsse, um voranzukommen und dass zuhause nicht nur familiär sondern auch unter­nehmerisch eine ganz besondere Plattform auf uns wartete. In die Fußstapfen seines Vaters zu treten ist aber per se kein ganz leichtes Unter­fangen. Natürlich kann da zwischenmenschlich und auch mit den älteren Kunden immer etwas schief gehen. Aber wir hatten großes Glück: Mein Vater ließ mir viele Freiräume und wir konnten uns sehr gut entfalten und nach und nach auch wesentliche Veränderungen umsetzen.“  

Im Gespräch wird auch für Außen­stehende deutlich, wie richtig diese Entscheidung war. So erklärt der Alumnus: „Kunst hat mich schon sehr früh fasziniert. Von ihr geht eine Magie aus. Kunst macht sicher auch viel Arbeit, aber ich habe die Arbeit in der Galerie schon immer geliebt.“ Etwas, das er außerdem verdeutlicht: „Kunst kann Menschen zusammenbringen. Sie bringt die Menschen zum Strahlen. Ich finde es wichtig, Menschen mit Kunst zusammenbringen und sorge deshalb immer wieder für Gelegenheiten zum Kennenlernen und zum Austausch.“ So waren etwa schon die ABSOLVENTUM-Regional­gruppe in der Galerie zu Besuch, die Kindergarten­gruppe einer seiner Mitarbeiterinnen, FAZ-Abonnenten, Freundeskreise von Museen, von Rotary oder eine Gruppe einer internationalen CEO-Organisation. 

Leben als Kunsthändler  

Unzählige E-Mails erhält die Galerie pro Tag, in denen Kunstobjekte zum Verkauf oder zur Bewertung angeboten werden. Einmal – zwei Tage, nachdem er ein Gemälde angeboten bekommen hat – steigt der Kunstliebhaber ohne Kaufzusage oder Vertrag in ein Flugzeug nach Houston: „Meine Frau hielt mich für verrückt. Aber ich wusste: Fliege ich nicht zu den Besitzern und bespreche meine Ideen, bekomme ich das Werk nie. Und so gelang es mir, ein einzigartiges und absolut herausragendes Gemälde von Otto Mueller für die Galerie zu gewinnen, das nicht nur große Aufmerksamkeit erzeugt hat, als es auf den Markt kam. Es war eine absolut einzigartige Gelegenheit, ein Werk dieser Qualität und Güte einmal selbst in seinen Händen halten und handeln zu dürfen. Werke dieser Qualität befinden sich in der Regel nämlich bereits seit vielen Jahrzehnten in Museumsbesitz.“ Die Reise zahlt sich aus: Er vermittelt das Kunstwerk und baut den vertrauensvollen Kontakt zu einer Familie auf, in der sich über die Generationen eine sehr spannende Sammlung unter den Familien­mitgliedern verteilt hat.  

Am Ende des Gesprächs bleibt: Kunst ist das bestimmende Thema für Ludorff. Werke finden, recherchieren, Ausstellungen konzipieren, ausstellen, Messen besuchen und nicht zuletzt in der Galerie einen Ort mit einer Identität pflegen. Doch bei allem ist ein Wort immer dabei: „Wir“. Ohne seine Frau, seine Eltern und sein Team läuft nichts.  

Text: Luisa Gebhardt / April 2026


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