Es war einmal … Mannheims erste Hochschulbibliothekarin
Schon seit etlichen Jahren wird die Mannheimer Universitätsbibliothek von einer weiblichen Doppelspitze geführt. Aber kaum jemand weiß, dass schon vor über 100 Jahren eine Frau in schwierigen Zeiten die Geschicke der Bibliothek organisiert und die Institution in der frühen Nachkriegszeit nochmals geleitet hat. Ein Kurzporträt über Lilly Lichtenthaeler.

Lilly Karoline Lichtenthaeler wurde 1881 in Metz geboren. Dort absolvierte sie die Höhere Mädchenschule und erhielt zusätzlich Privatunterricht in französischer Sprache, deutscher Literatur und Geschichte. Nach dem Tod ihrer Mutter 1903 führte sie den Haushalt des Vaters und versorgte ihre Geschwister. Erst als diese ihre Ausbildungen abgeschlossen hatten, begann sie 1911 eine Ausbildung an der Universitäts- und Landesbibliothek Straßburg zur Bibliothekarin.
Im Jahre 1913 wurde sie mit Privatdienstvertrag als „Bibliotheks-Assistentin (an der Bibliothek) der Handelshochschule Mannheim“ angestellt. Sie übernahm anfangs die Vertretung des Bibliothekars und leitete kommissarisch nach dessen Kriegstod 1915 für drei Jahre die Bibliothek. 1918 übernahm Otto Behm die Bibliotheksleitung. Im März 1918 wurde Lichtenthaeler „als Dank für die jahrelange erfolgreiche Kriegsarbeit“ die Amtsbezeichnung Bibliothekarin verliehen. Im März 1922 wurde sie in den städtischen Dienst übernommen.
Engagement in der Politik
Vom Wintersemester 1919/
1932 erfolgte die Fusion mit der Mannheimer Schlossbibliothek. Behm wurde Direktor Wilhelm Fraenger unterstellt und am 1. Oktober 1932 in den Vorruhestand versetzt. Im Frühjahr 1933 entließen die Nationalsozialisten sowohl Fraenger sowie seinen Vertreter Stubenrauch. Kurzzeitig übernahm Lichtenthaeler wieder die kommissarische Vertretung der Bibliotheksleitung bis zur Wiedereinstellung von Stubenrauch im Juli 1933.
Im Jahr 1946 wurde die Handelshochschule Mannheim als „Staatliche Wirtschaftshochschule (WH)“ neu begründet. Im Wintersemester 1947/
Text: Bernhard Scheuermann / April 2026



