Professorinnenprogramm 2030
Frauen in die Wissenschaft! Wer die Zahlen betrachtet, stellt fest: Bis zur Gleichstellung ist es an deutschen Hochschulen noch ein gutes Stück Weg. Drei Viertel der W3-Professuren hierzulande sind von Männern besetzt. Die Universität Mannheim bildet keine Ausnahme, arbeitet derzeit aber verstärkt an Lösungen. Ein wichtiger Schritt dabei ist die Teilnahme am Professorinnenprogramm 2030.

Wer über den Campus geht, in der Mensa zwischen Studierenden isst oder im Café EO auf seinen Cappuccino wartet, gewinnt nicht den Eindruck, dass es an der Uni Mannheim einen überdurchschnittlich hohen Männeranteil gibt – warum also ist es eine Herausforderung, Professorinnen zu gewinnen? „Bei den Studierenden haben wir kein Problem, hier beginnen jährlich genauso viele Frauen wie Männer ihr Studium“, sagt Rektor Prof. Dr. Thomas Fetzer und erläutert das Phänomen der sogenannten „Leaky Pipeline“ anhand der Mannheimer Zahlen: „Der Frauenanteil nimmt über die Karrierestufen hinweg aber stetig ab: Während der weibliche Postdoc-Anteil bei 51,6 Prozent liegt, sinkt der Frauenanteil bei den W1-Professuren auf 34,2 Prozent und bei den unbefristeten W3-Professuren auf 24,5 Prozent.“
Das Zwischenziel auf dem Weg zur Parität: Bis 2030 soll der Frauenanteil bei den W3-Professuren an der Universität Mannheim bei 30 Prozent liegen. Ein zentraler Meilenstein auf dem Weg dorthin ist der Erfolg im Professorinnenprogramm 2030. Bereits in der ersten Ausschreibungsrunde überzeugte die Universität Mannheim mit ihrem Gleichstellungskonzept und erhielt die Zusage über die Förderung dreier Professuren. Für den Rektor ist das ein wichtiger Erfolg, denn das Programm ermöglicht die gezielte und strukturelle Erhöhung des Frauenanteils: „Das Professorinnenprogramm 2030 ist ein gemeinsames Programm von Bund und Ländern zur Steigerung des Frauenanteils in Spitzenpositionen an Hochschulen. Die fünfjährige Laufzeit gibt uns zudem Planungssicherheit.“
Seit Beginn der Förderung hat sich bereits einiges bewegt: Drei Frauen wurden im Rahmen des Programms berufen – zwei an die Fakultät für Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsmathematik (WIM), eine an die Philosophische Fakultät. Dahinter steht eine bewusste strategische Entscheidung: Zwei der drei eingeworbenen Förderungen sollten auf Beschluss des Rektorats für Vorgriffsprofessuren in Fakultäten mit deutlicher Unterrepräsentanz eingesetzt werden, um dort unmittelbar und zeitnah Wirkung zu erzielen. In der WIM steigt der Professorinnenanteil durch die Neuberufungen von aktuell 15,8 auf 23,8 Prozent.
Die Maßnahmen
Für Fetzer ist die Teilnahme am Professorinnenprogramm 2030 ein Signal nach innen und außen: An der Universität Mannheim wird die Förderung von Frauen aktiv vorangetrieben. Neben den drei Berufungen ermöglicht das Programm weitere Maßnahmen, die die Gleichstellung an der Uni Mannheim stärken.
Bereits seit Jahren stark nachgefragt ist das Programm FAiR@UMA (Family Assistance in Research), das nun weitergeführt werden kann. Wissenschaftlerinnen mit Care-Verpflichtungen können hier Mittel für Hilfskräfte beantragen. Care-Arbeit umfasst dabei nicht nur Kinderbetreuung, sondern auch die Pflege von Angehörigen – ein Thema, das in einer alternden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Weitere Maßnahmen sind in Vorbereitung: Der Familienservice arbeitet derzeit an Angeboten, Beratung und Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und auch die Förderung von Wissenschaftlerinnen in der frühen Karrierephase wird weiter ausgebaut.
Text: Jule Leger / April 2026
