Einsamkeit im Studium

Was ist Einsamkeit?

Einsamkeit im Studium ist nach wie vor ein stark tabuisiertes Thema. Dabei fühlt sich fast ein Drittel der Studierenden einsam (Berliner Charité). Auf den ersten Blick überrascht das, schließlich ist man im Studium oft von anderen Menschen umgeben. Einsamkeit ist jedoch ein komplexes, ernst zu nehmendes Thema, das viele Menschen belastet. Besonders junge Menschen sind häufig davon betroffen (TK-Gesundheits­report (PDF)). Es ist wichtig, mehr darüber zu sprechen.

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Einsamkeit ist ein subjektives, negativ empfundenes Gefühl, das entsteht, wenn das Bedürfnis nach sozialen Beziehungen nicht mit den aktuell vorhandenen Kontakten übereinstimmt (Pearlman & Peplau, 1981).

Einsamkeit ist nicht einfach gleich­zusetzen mit Alleinsein. Wir fühlen uns nicht einsam, weil wir allein sind, sondern wenn wir in unserem Leben gerne öfter oder intensiveren Kontakt zu anderen Personen hätten, als es bisher der Fall ist (Pearlman & Peplau, 1981 (PDF)).

Ohne emotionale Verbundenheit zu den Personen in unserer Umgebung können wir uns also inmitten einer Menschenmenge einsam fühlen – zum Beispiel in einem vollen Hörsaal oder mittags in der Mensa. Und das, obwohl wir in anderen Momenten vielleicht auch gerne Zeit allein verbringen und diese genießen, ohne uns in der Situation einsam zu fühlen.

Je nachdem, welche Art an Kontakten uns fehlt, unter­scheidet man verschiedene Formen von Einsamkeit (Malteser).

  • Emotionale Einsamkeit liegt vor, wenn eine Person enge Beziehungen vermisst, etwa zu einer*einem Partner*in oder guten Freund*innen.
  • Soziale Einsamkeit entsteht durch das unerfüllte Bedürfnis nach einem sozialen Netzwerk (etwa Familie, Freund*innen, Bekannte, Kolleg*innen).
  • Kollektive Einsamkeit resultiert aus einer wahrgenommenen fehlenden Zugehörigkeit zu einer gesellschaft­lichen Gruppe (zum Beispiel durch kulturelle Unter­schiede).

Was sind Symptome von Einsamkeit?

Einsamkeit hat viele Gesichter: Sie kann sich bei jeder*jedem unter­schiedlich äußern, und das sowohl mental als auch körperlich. Zudem vermutet man einsame Menschen selten dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen. Gerade deshalb kann es für Studierende schwer sein, das persönliche Gefühl als Einsamkeit einzuordnen. Häufig verwechseln wir es zum Beispiel mit Stress. Sollten Sie sich unsicher sein, ob Sie unter Einsamkeit leiden, bietet dieser Selbsttest eine erste Orientierung. 

Diese körperlichen und mentalen Symptome können ernst zu nehmende Anzeichen von Einsamkeit sein: 

  • Traurigkeit,
  • Hoffnungs­losigkeit,
  • innere Leere,
  • Hilflosigkeit,
  • Sehnsucht,
  • Verzweiflung,
  • Anspannung,
  • erhöhtes Stresslevel,
  • Ängste,
  • Kopfschmerzen,
  • Verspannungen,
  • Magenbeschwerden,
  • Müdigkeit,
  • Erschöpfung,
  • Schlafstörungen oder
  • Gefühl, ausgeschlossen zu sein.
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Wichtig: Da diese Symptome auch im Zusammenhang mit psychischen oder körperlichen Erkrankungen auftreten können, sollten Sie sie bei Unsicherheit professionell abklären lassen.

Wie entsteht Einsamkeit?

Für uns als soziale Wesen ist der Kontakt mit anderen Menschen überlebens­wichtig. Genau wie Hunger oder Durst erfüllt das Gefühl von Einsamkeit eine evolutionäre „Warnfunktion“. Es signalisiert uns, dass etwas nicht stimmt (Kompetenznetz Einsamkeit (PDF)). 

Im Studium können gleich mehrere Risikofaktoren die Entstehung von Einsamkeit begünstigen, zum Beispiel: 

  • Umzug in ein neues Umfeld und die räumliche Trennung von Familie, Freund*innen und weiteren Bezugspersonen,
  • allein wohnen,
  • Leben in der Großstadt (fördert Anonymität),
  • zeitliches Eingebundensein durch Lernstress, Pendeln, Nebenjobs, Care-Arbeit etc.,
  • Zugehörigkeit zu einer oder mehreren Minoritäten,
  • niedriger sozio­ökonomischer Status,
  • chronische Erkrankungen,
  • Mobbing und Diskriminierung,
  • Schüchternheit und persönliche Schwierigkeiten, Kontakte zu knüpfen,
  • Einfluss von Social Media (hohes Vergleich­spotenzial; fördert die Angst, etwas zu verpassen („Fear of Missing Out“)),
  • Aus­wirkungen der COVID-19-Pandemie oder
  • für internationale Studierende: kulturelle Unter­schiede, Internationalität und Barrieren der Zugehörigkeit.
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Gerade weil im Studium so viele verschiedene Faktoren Einsamkeit begünstigen können, ist es in dieser Zeit auch besonders wichtig, gut auf sich zu achten und immer wieder einen kleinen „Check-in“ zu machen: Wie geht es mir aktuell? 

Aus­wirkungen von Einsamkeit auf die Gesundheit

Kurzfristig erfüllt Einsamkeit eine Schutz­funktion. Problematisch wird sie erst, wenn sie chronifiziert, das heißt, wenn sie permanent und über einen längeren Zeitpunkt hinweg besteht (Ratgeber Einsamkeit (PDF)). 

Die Wissenschaft stuft chronische Einsamkeit so gesundheits­schädlich ein wie das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag (Loneliness in Europe (PDF)).

Das Gefühl von Einsamkeit führt zu einer verstärkten Ausschüttung von Cortisol, was den Körper dauerhaft unter Stress setzt (AOK) und die Anfälligkeit für psychische und körperliche Erkrankungen wie Depressionen, Angst- und Schlafstörungen, Demenzen, Bluthochdruck und Schlaganfälle erhöht (Loneliness in Europe; Therapie.de). Damit es nicht so weit kommt, ist es umso wichtiger, Einsamkeit nicht einfach „auszuhalten“. Wer sich möglichst früh Hilfe sucht, verhindert, dass das Gefühl chronisch wird.

Was kann ich tun, wenn ich mich häufig einsam fühle?

  • Druck rausnehmen
    Einsamkeit ist nichts, wofür man sich schämen muss. Im Gegenteil: Sie ist eine natürliche Reaktion auf eine – evolutionär gesehen – unnatürliche Situation und ein Gefühl, das jedem Menschen im Lauf des Lebens begegnen kann. Einsamkeit „darf“ als Gefühl erst mal einfach da sein. Wer realisiert, dass er*sie sich gerade einsam fühlt, nimmt schon einiges an Druck aus der Situation.
  • Gut für sich selbst sorgen
    Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, einen liebevollen Umgang mit sich zu pflegen. Selbstfürsorge und Achtsamkeit können hilfreiche Ansätze sein, um wertfrei und wohlwollend mit sich umzugehen. Damit lässt sich der Gedanke verbinden, dass man für sich auch selbst eine Vertrauensperson und wertschätzende Gesellschaft sein kann. Im Rahmen des Unisports gibt es beispielsweise die Möglichkeit, eine Meditations­app zu nutzen und Yogakurse zu belegen und so gut für sich selbst zu sorgen.
  • Nicht im Stillen leiden
    Viele Menschen leiden unter Einsamkeit, sprechen aus Angst vor Stigmatisierung aber nicht über ihre Situation (Therapie.de). Gerade deshalb kann es ein erster wichtiger Schritt sein, sich anderen gegenüber zu öffnen: Vielleicht ergibt sich so ein gegenseitiger Austausch, der das Gefühl von Verbundenheit fördert und bewirkt, sich weniger allein zu fühlen. Bleiben Sie nicht allein mit Ihren Sorgen. Suchen Sie sich Unter­stützung bei Freund*innen oder einer anderen Vertrauensperson oder professionelle Hilfe.
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Akut-Tipps bei Einsamkeit

Was kann ich tun, wenn mich ein akutes Einsamkeits­gefühl überkommt?

  • Innehalten und das Gefühl wahrnehmen, ohne es zu bewerten. Hier können unter anderem Atemübungen hilfreich sein.
  • In den Kontakt gehen, zum Beispiel telefonieren, jemandem schreiben oder sich verabreden. Nicht allein mit den Gedanken und Sorgen bleiben, sondern darüber sprechen.
  • Bewegung kann helfen, sich besser zu fühlen. Es werden körpereigene Endorphine ausgeschüttet und Stress abgebaut.
  • Sich selbst etwas Gutes tun und bewusst für sich da sein.

Aktiv werden gegen Einsamkeit im Studium

Auch wenn es herausfordernd und manches Mal sicher auch überwältigend sein kann: Ein wichtiger Schritt auf dem Weg aus der Einsamkeit ist, die Initiative zu ergreifen und selbst aktiv zu werden.

An der Universität Mannheim gibt es viele Möglichkeiten, um neue Kontakte zu knüpfen oder sich mit Gleich­gesinnten auszutauschen:

  • Erstsemester können schon während der Ersti-Woche zukünftige Kommiliton*innen kennenlernen. Sie erhalten in diesen Tagen viele nützliche Informationen rund ums Ankommen an der Uni Mannheim.
  • Das Engagement in einer Fach­schaft, Initiative oder bei Musik-, Theater- und Kunst­projekten bietet eine gute Möglichkeit, andere Studierende mit ähnlichen Interessen kennenzulernen. Initiativen wie Queer im Schloss schaffen darüber hinaus geschützte Räume, in denen Studierende sich sicher und akzeptiert fühlen können.
  • Kurse beim Unisport und die Sport­partner*innenbörse sind gut geeignet, um regelmäßig mit anderen Studierenden in den Kontakt zu kommen.
  • Sprach­kurse bieten die Möglichkeit, Personen aus unter­schiedlichen Studien­gängen kennenzulernen.
  • Für Internationale Studierende organisieren das Akademische Auslands­amt und die Initiative VISUM regelmäßig Veranstaltungen. VISUM bietet zusätzlich ein Buddy-Programm an.
  • Die einfach­ste Möglichkeit, Lern­phasen weniger einsam zu gestalten, ist es, Teil einer Lern­gruppe zu werden. Vielleicht gründen Sie sogar selbst eine neue Gruppe?
  • Darüber hinaus bieten Hilfs­wissenschaft­ler*innen-Stellen an Lehr­stühlen oder universitären Einrichtungen außerhalb von Vorlesungen und Seminaren die Gelegenheit, Kontakte in der Universität zu knüpfen.

Weitere Möglichkeiten, um mit anderen Menschen auch außerhalb der Universität in Kontakt zu kommen:

  • ein (neues) Hobby ausprobieren oder wiederaufgreifen,
  • einem Verein beitreten,
  • ein Ehrenamt ausüben (auch an der Universität gibt es zahlreiche Initiativen in diesem Bereich),
  • Apps wie Bumble Friends, Meetup, Nebenan.de nutzen,
  • in eine WG oder ein Wohnheim umziehen oder
  • öffentliche Angebote zum Vernetzen und gemeinsamen Erleben nutzen, zum Beispiel der Create & Cry Club, Veranstaltungen der Abendakademie, Volkshochschulen, KeinerBleibtAllein etc.

Professionelle Unter­stützung suchen

Manchmal können die Umstände so belastend sein, dass es schwer ist, sie ohne professionelle Unter­stützung aufzulösen. Zögern Sie nicht, in diesem Fall Hilfe in Anspruch zu nehmen. An der Universität Mannheim und uninahen Einrichtungen finden sie hier therapeutische Hilfsangebote:

Eine Über­sicht bundes­weiter Unter­stützungs­angebote bietet das Kompetenznetz Einsamkeit.

Angebote und Unter­stützung für Studierende der Universität Mannheim

Ankommen

Die ersten Wochen an der Uni sind voller Herausforderungen und neuer Eindrücke. Wir listen Informationen zum Studien­start, zum Ankommen im Studium und über die Universität Mannheim als einer offenen und vielfältigen Gemeinschaft.

Selbstfürsorge

Selbstfürsorge bedeutet, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen zu erkennen und zu achten. Auch im Unialltag ist ein liebevoller Umgang mit sich selbst und den individuellen Ressourcen wichtig, um im Gleich­gewicht zu bleiben. 

Achtsamkeit

Das Konzept der Achtsamkeit kann helfen, mit dem eigenen Sein in eine bessere Balance zu kommen. Wer den Alltag achtsamer bestreitet, hat noch viele weitere Vorteile – zum Beispiel ein bisschen mehr Gelassenheit im Studium. 

Hilfe in Krisenzeiten

Finanz­ielle Sorgen, Schicksalsschläge oder Erkrankungen erfordern eventuell kontinuierliche (ärztliche) Begleitung. Wir haben Anlaufstellen gelistet, die Studierenden in Krisenzeiten professionelle Unter­stützung bieten. 

Disclaimer: Mit diesen Seiten möchten wir das Thema Mentale Gesundheit im Studium redaktionell beleuchten. Es ist Mitarbeitenden in unter­schiedlichen Einrichtungen der Universität ein großes Anliegen, dass Sie körperlich und mental gesund durch Ihr Studium kommen. Damit dies besser gelingt, geben wir auf diesen Seiten Impulse. Zudem weisen wir auf Ansprechpersonen und unter­stützende Angebote der Universität oder externen Stellen hin. Die hier kommunizierten Informationen, Tipps und Empfehlungen können keine Psychotherapie oder ärztliche Behandlung ersetzen. Aus diesem Grund finden Sie auf den Seiten zusätzlich Hinweise und Verlinkungen zu therapeutischen Angeboten und Notfallhilfe außerhalb der Universität Mannheim.

Wir freuen uns natürlich auch über Anmerkungen und Feedback zu den Seiten an onlineredaktionuni-mannheim.de.