Porträt von Iulia, die vor einem Baum sitzt, eine schwarze Hose und eine weiße Bluse trägt, lange braune Haare hat und in die Kamera lächelt.

„Mit der Zeit bin ich hier immer glücklicher geworden“

Iulia Cristea-Enache stammt aus Rumänien und studiert Wirtschafts­informatik im 6. Bachelor­semester. Ihr Weg nach Deutschland zeichnete sich früh ab: Schon als Kind besuchte Iulia einen deutschsprach­igen Kindergarten. In ihrer myUniMA story spricht die 21-Jährige über anfängliche Herausforderungen und berichtet aus ihrer individuellen bikulturellen Perspektive über Rumänien und Deutschland.

Wie war dein Leben in Rumänien?

Ich bin zusammen mit meinem Bruder in Bukarest aufgewachsen. Weil meine Eltern ihr ganzes Leben in Rumänien verbracht haben, wollten sie uns die Möglichkeit geben, später anderswo leben zu können, falls wir das möchten. Deshalb habe ich in Rumänien einen deutschen Kindergarten und eine weiterführende deutsche Schule besucht und am Ende das deutsche und rumänische Abitur abgelegt. Rund um die Abitur­zeit wurde mir dann klar, dass ich auch wirklich für mein Studium nach Deutschland gehen möchte. 

Wieso hast du dich für Wirtschafts­informatik entschieden?

Ich habe mich schon immer für wirtschaft­liche Zusammenhänge interessiert und Mathe hat mir immer sehr gelegen. Für Wirtschafts­informatik habe ich mich dann entschieden, weil mich die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Informatik interessiert und ich mich der Herausforderung dieses Studiums stellen wollte. Ich bereue die Entscheidung nicht und bin im Großen und Ganzen zufrieden. Manchmal fehlt mir aber die menschliche Komponente, deshalb möchte ich mich im Master­studium in Richtung Psychologie orientieren.

Hast du Berufserfahrung neben dem Studium sammeln können?

Ja, ich arbeite seit eineinhalb Jahren als Werkstudentin bei SAP und unter­stütze die Verwaltung des internationalen Fuhrparks. Dabei bekomme ich viele wertvolle Einblicke in den Verwaltungs­bereich und das Projekt­management. Insgesamt fasziniert es mich, wie die vielen Abteilungen eines so großen Unter­nehmens ineinandergreifen, wie alle Mitarbeitenden ihren Teil betragen, um das System am Laufen zu halten.

Was machst du gerne neben Studium und Arbeit? 

Ich bin ein sehr kreativer Mensch und liebe Handarbeiten. Ich presse beispielsweise Blumen, male oder arbeite mit Linolschnitt. Ich mag an kreativer Arbeit, dass so vieles erst im Prozess entsteht und sich jedes Projekt deshalb unter­schiedlich entwickelt. Das ist für mich fast schöner als das Ergebnis selbst (lacht). Daneben bin ich auch gerne in der Natur unter­wegs und mache Yoga oder Pilates.

Wie war die Anfangszeit in Deutschland für dich?

Mir hat anfangs sehr geholfen, dass ich durch die deutsche Schule schon ausführlich mit der Sprache und der Mentalität vertraut war. Dahingehend hatte ich also keinen Kulturschock. Für mich war es eher schwierig, das erste Mal allein zu leben und das Studium eigen­verantwortlich zu meistern. Jetzt blicke ich zurück und bin stolz darauf, was ich alles geschafft habe. Die Anfangszeit war herausfordernd, aber ich bin mit der Zeit hier immer glücklicher geworden. 

Was sind die größten Unter­schiede zwischen Rumänien und Deutschland?

Die deutschen Lehr­kräfte an meiner Schule haben mich oft ermutigt, kritisch nachzufragen, zu reflektieren und eine eigene Meinung zu entwickeln. Im regulären rumänischen Schul­system ist der Unter­richt dagegen häufig stärker strukturiert, mit einem größeren Fokus auf das Vermitteln und Einprägen von Lerninhalten. 

Vermisst du etwas aus Rumänien?

Manchmal vermisse ich meine Familie und meine Freunde. Aber ich trage die schönen Erinnerungen an sie in meinem Herzen überall hin mit. So habe ich immer einen Teil Rumänien dabei, egal, wo ich bin. Das Leben in Deutschland hat mir neue Menschen, tiefe Freundschaften und auch die Liebe geschenkt. Sie machen Deutschland für mich zu einer Heimat, weil ich das nicht von einem Ort, sondern von den Menschen um mich herum anhängig mache.

Weißt du schon, wie es nach dem Studium für dich weiter geht?

Ich möchte nach meinem Bachelor­abschluss gerne den Mannheim Master in Management absolvieren. Mir gefällt, dass der Studien­gang interdisziplinär ist und man seine Kurse flexibel wählen kann, sodass sie zu den eigenen Karrierezielen passen. Was danach kommt, weiß ich noch nicht genau, aber ich werde auf jeden Fall hier in Deutschland bleiben.

Interview: Tina Ratajczyk   I   August 2026