DAAD-Preis 2026 geht an Kseniia Gorokhovska

„Eigentlich hatte ich gar nicht vor, in Deutschland zu studieren“, erzählt Kseniia. Die Ereignisse in ihrem Heimatland veranlassten sie jedoch dazu, 2022 als 16-Jährige mit ihrer Mutter nach Deutschland zu kommen. Da ihr bereits abgelegtes ukrainisches Abitur hier nicht anerkannt wurde, musste sie vor der Aufnahme eines Studiums ein Studienkolleg besuchen. „Der Besuch hat mir bei der Wahl des richtigen Studiengangs geholfen“, sagt die heute 21-Jährige. „Im Studienkolleg musste ich mich für einen fachlichen Zweig entscheiden und habe einen Wirtschaftskurs belegt. Das war für mich die perfekte Mischung aus Theorie und Praxis. Am Ende des Studienkollegs wusste ich, dass ich BWL studieren möchte.“
Auf der Suche nach einer passenden Hochschule wurde die Studentin auf die Universität Mannheim aufmerksam. Sie entschied sich aus mehreren Gründen für sie: „Ich habe viel Positives über die Universität gehört und gelesen, besonders in Bezug auf die Fachrichtung BWL. Für mich war auch das eingebaute Auslandssemester ein riesiges Plus und die Kommunikation im Bewerbungsprozess. Meine Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.“ Vor allem die internationale Ausrichtung ihres Studiengangs hat sie in ihrer Studienzeit zu schätzen gelernt, denn viele Kurse konnte sie auf Englisch belegen. Ihr Auslandssemester an der University of Florida ist ihr ebenfalls besonders in Erinnerung geblieben: „Die Zeit dort hat meine Persönlichkeit geprägt.“
Während des Studiums hat sich Kseniia von Anfang an in mehreren Initiativen für Menschen in und aus der Ukraine engagiert – zum Beispiel einer Jugendtreff-Organisation für ukrainische Jugendliche in Mannheim. „Wenn man in Deutschland ankommt und niemanden kennt, ist es sehr schwer, Anschluss zu finden. Unser Ziel war es, dass die Jugendlichen mithilfe der Organisation Freund*innen finden und sich besser in die Gesellschaft integrieren“, erzählt die 21-Jährige. Außerdem hat sie sich online ehrenamtlich für Menschen in der Ukraine engagiert und humanitäre Spenden gesammelt und verteilt. Dabei war sie auch eine zentrale Anlaufstelle für Menschen in der Ukraine, die Hilfe benötigten und konnte diese an entsprechende Hilfsstellen weitervermitteln.
Neben ihren herausragenden Leistungen im Studium war es vor allem ihr gesellschaftliches Engagement, das die Auswahlkommission bei der Vergabe des DAAD-Preises an Kseniia überzeugt hat. „Kseniia hat gezeigt, dass nicht Herkunft oder die Umstände, unter denen man nach Deutschland kommt, darüber entscheiden, welchen Beitrag man für unsere Gesellschaft leisten kann. Mit ihrem Engagement für Geflüchtete ist sie zu einer wichtigen Stütze für andere geworden und zu einem Vorbild dafür, wie Solidarität weitergegeben wird“, begründet Angela Dörflinger vom Akademischen Auslandsamt die Auszeichnung.
Mittlerweile steht die 21-Jährige kurz vor ihrem Bachelorabschluss und strebt einen Master im Bereich Finanzen an. Auch privat beschäftigt sie sich seit geraumer Zeit mit dem Finanzthema und investiert bereits in Aktien und ETFs. Wo genau ihre akademische Laufbahn weitergehen soll, weiß sie noch nicht. Zunächst hat sie ein Gap Year geplant, in dem sie Praktika in verschiedenen Unternehmen absolvieren und Praxiserfahrungen sammeln möchte. „Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit dazu habe – vor allem, da viele Unis bei der Bewerbung Praktika voraussetzen. Ich denke, dass das eine gute Entscheidung ist.“
DAAD-Preis
Der DAAD-Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird jedes Jahr an eine*n internationale*n Vollzeitstudierende*n der Universität Mannheim vergeben. Die Auswahlkommission – bestehend aus Akademischem Auslandsamt und den Fakultäten – würdigt mit der Auszeichnung die hervorragenden akademischen Leistungen und das ehrenamtliche Engagement der Preistragenden.
Text: Tamara Gminsky / Juli 2026
