Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Traueranzeige Prof. Dr. iur. Günther Wiese

Die Universität Mannheim und die Abteilung Rechts­wissenschaft trauern um ihren Emeritus Professor Wiese, der am 15. Juli 2026 im Alter von 98 Jahren verstorben ist. 

Günther Wiese wurde am 12. März 1928 in Lohe-Rickelshof geboren. Nach Schulzeit und Dienstzeit als Flakhelfer in Kiel absolvierte er sein Abitur und studierte sodann ab 1948 Rechts­wissenschaften in Kiel mit einem Gastsemester in Freiburg im Breisgau. 1952 legte er die Erste Juristische Staats­prüfung ab, 1954 folgte die Promotion bei Arthur Nikisch (Universität Kiel) zum Thema „Das arbeits­gerichtliche Beschluss­verfahren“. Unmittelbar nach dem Zweiten Juristischen Staats­examen (1956) wirkte Günther Wiese als persönlicher Referent des ersten Präsidenten des Bundes­arbeits­gerichts, Hans Carl Nipperdey. 1963 habilitierte sich Günther Wiese an der Universität zu Köln mit einer Schrift zum Dauerschuld­verhältnis. 1965 wurde er zum Ordinarius an die Juristische Fakultät der Universität Mannheim berufen, der er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1996 die Treue hielt. 

Das wissenschaft­liche Oeuvre von Günther Wiese umfasst Hunderte Publikationen zu verschiedensten Themen. Der Schwerpunkt lag dabei stets auf dem Arbeits­recht, mit dessen zahlreichen Facetten sich Günther Wiese gleich­ermaßen breit wie tiefschürfend auseinandergesetzt hat. Besonders hervorzuheben ist dabei der von ihm mitgegründete und über lange Jahre mitherausgegebene Gemeinschafts­kommentar zum Betriebs­verfassungs­gesetz (GK-BetrVK), in dem er bis zu seinem 95. Lebens­jahr aktiv als Autor zentraler Passagen mitwirkte. 

Günther Wiese brachte sich zudem stets aktiv in der universitären Selbstverwaltung ein, so z. B. als Dekan der Juristischen Fakultät in den nicht immer einfachen Jahren der Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre. 

Als nicht weniger als herausragend ist sein Engagement für seine Schülerinnen und Schüler zu nennen, die ihn in einer Dankschrift mit den Worten beschrieben: „Professor Wiese formte seine Schüler nicht nur durch sein konsequentes und stringentes juristisches Argumentieren, vielmehr war er auch in persönlicher Hinsicht Beispiel und Vorbild zugleich.“

Als politisch und historisch interessierter und engagierter Mensch war Günther Wiese äußerst belesen und stets wissbegierig. Lebens­langes Lernen war für ihn schon lange, bevor dieser Modebegriff geprägt wurde, eine Selbstverständlichkeit. Wohl wenig kann davon besser Zeugnis ablegen als der Umstand, dass er im Alter von 92 Jahren anfing, Französisch zu lernen. 

Mit Günther Wiese verliert die Abteilung Rechts­wissenschaft einen überaus geschätzten Kollegen, dessen Menschlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit ebenso im Gedächtnis bleiben werden wie sein herausragendes akademisches Wirken. Seinen beiden Söhnen und allen weiteren Angehörigen gebührt unser tief empfundenes Mitgefühl. 

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