Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

Warum wir am Guten festhalten. Wertkonservatismus und Handlungs­fähigkeit

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Prof. Dr. Jörg Löschke

O 131

Gastvortrag des Philosophischen Seminars

Prof. Dr. Jörg Löschke (Universität Stuttgart):
Warum wir am Guten festhalten. Wertkonservatismus und Handlungs­fähigkeit.

Der Referent zu seinem Vortrag:

Im Vortrag diskutiere ich die philosophische Rechtfertigung des Wertkonservatismus, verstanden als Disposition, bestehende wertvolle Dinge bewahren zu wollen (auch wenn sie gegen womöglich noch wertvollere Dinge ausgetauscht werden könnten). G.A. Cohen (2013) vertritt die These, dass jede geistig gesunde Person eine solche konservative Disposition aufweist, aber es stellt sich die Frage, ob sie nicht einen irrationalen status quo bias ausdrückt.

Ich diskutiere zunächst drei verschiedene Modelle zur rationalen Rechtfertigung der konservativen Disposition, nämlich Existential Conservatism, Attitudinal Conservatism und Object-Affecting Conservatism. Während alle drei Erklärungs­ansätze jeweils bestimmte Aspekte der konservativen Disposition erfassen, scheitern sie daran, drei zentrale Desiderate einer angemessenen Theorie des Wertkonservatismus zu erfüllen.

Ich schlage eine Alternative vor, den sogenannten Agency Account. Die Grundidee ist, dass die konservative Disposition dabei hilft, die Voraussetzungen rationaler Handlungs­fähigkeit zu sichern, da sie uns einerseits mit früheren Versionen unseres Selbst und andererseits mit früheren Generationen in Verbindung setzt. Damit erweist sich die konservative Disposition mitnichten als irrational, weil rationale Wesen das Interesse haben, die Grund­voraussetzungen ihrer rationalen Handlungs­fähigkeit zu sichern. Dies stellt womöglich ein neues Argument gegen den Konsequentialismus dar: die konservative Disposition ist nicht-maximierend und somit anti-konsequentialistisch. Da der Konsequentialismus als Moraltheorie sich an rationale Akteur*innen richtet, und da die konservative Disposition dabei hilft, die Voraussetzungen von rationaler Handlungs­fähigkeit zu sichern, besteht für den Konsequentialismus die Gefahr, seine eigenen Voraussetzungen zu unter­graben.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

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