Bilder der sechs im FORUM porträtierten Professorinnen in bunten Farben. Darunter der Schriftzug: "Im Schwerpunkt: Berufung Professorin"

Power auf dem Eis – trotz aller Widrigkeiten

Schnelligkeit, Teamgeist und viel körperlicher Einsatz – Eishockey ist Lucia Schmitz‘ große Leidenschaft. Die Psychologie-Studentin spielt in der 1. Bundes­liga und in der deutschen Nationalmannschaft. FORUM hat mit ihr über Doppelbelastung, Gleich­berechtigung und blaue Flecken gesprochen.

Lucia Schmitz stammt aus einer Eishockey-Familie: Schon ihr Urgroßvater war Betreuer bei der DEG Düsseldorf, ihr Großvater Trainer, ihr Vater Profispieler. Dennoch war ihr Weg aufs Eis nicht vorgezeichnet. Zwar nahm der Vater sie, ihre ältere Schwester und den jüngeren Bruder früh zum Schlittschuhlaufen mit, doch Ballett und Voltigieren galten für die Mädchen als „passender – weniger brutal“, erzählt sie schmunzelnd. Als der kleine Bruder zu Weihnachten eine Eishockeyausrüstung bekam, gingen die Schwestern jedoch auf die Barrikaden und überzeugten die Eltern mit ihrer Begeisterung. Schmitz war damals acht Jahre alt. 

Doch auch mit der Unter­stützung der Eltern war es nicht leicht, die Leidenschaft auszuleben. „Wir wohnten damals in Gifhorn“, erinnert sich Schmitz, „wo es leider keine Eishalle gab.“ Also begann sie im nahegelegenen Wolfsburg in der Laufschule und spielte dann in einer Jungenmannschaft – denn dort gab es keine Frauenmannschaft und erst recht keine für Mädchen. „Das ist leider immer noch so: In Deutschland können Mädchen ab 14 oder 15 Jahren bei den Frauen mitspielen, vorher spielen sie meistens in Jungenmannschaften.“ 

2013 zog die Familie nach Viernheim und Schmitz schaffte den Sprung in die Frauenmannschaft der Mad Dogs Mannheim. In derselben Saison wurden die Mad Dogs Meisterinnen und stiegen in die 1. Bundes­liga auf, in der sie nun ihre dreizehnte Saison spielen. Teil des Teams sind auch Lola Liang und Lea Welcke, die ebenfalls Psychologie an der Uni Mannheim studieren und vom Spitzensport-Stipendium Metropolregion Rhein-Neckar unter­stützt werden.

Zwischen Sport und Studium

Schmitz‘ Pensum ist beeindruckend: sechs Mal pro Woche Training, an den Wochenenden meist samstags und sonntags ein Spiel, parallel arbeitet sie an ihrer Master­arbeit. Zudem spielt sie seit 2023 in der Nationalmannschaft. Im Sommer bereitet sie sich intensiv auf die Saison vor: Krafttraining, Ausdauer und kurze Sprints für den Antritt gehören zum Programm.

Große Unter­stützung erfährt sie durch das Spitzensport-Stipendium. Seit 2019 studiert sie an der Uni Mannheim, hat vor ihrem Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie schon ihren Bachelor hier gemacht. Ausschlaggebend für ihre Studien­wahl waren „das schöne Schloss“, sagt sie lachend, aber auch die Nähe zum Eishockey, der gute Ruf der Universität und das Stipendium. Wie gut ihre Wahl war, zeigt sich im Vergleich mit Nationalmannschafts­kameradinnen ohne solche Förderung: „Die Hilfe bei der Koordination von Sport- und Uniterminen ist super. Außerdem hat mir die Nachhilfe, die das Spitzensport-Stipendium für mich organisiert hat, den Respekt vor der Statistik­prüfung im ersten Semester genommen – und die gute Note in der Klausur hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben. Seitdem läuft das Studium trotz Doppelbelastung glatt.“

Weniger zufrieden ist die 25-Jährige mit der Unter­stützung für das Frauen-Eishockey in Deutschland: schlechte Eiszeiten, teils kein Zugang zu den Krafträumen der Männer – und bezahlt werden in der 1. Liga meist nur ausländische Spielerinnen. Schmitz erhält als Sportsoldatin ein Gehalt von der Bundes­wehr, viele andere Spielerinnen müssen jedoch „nebenher“ Vollzeit arbeiten. Hinzu kommen abwertende Sprüche von Menschen, die Frauen nicht auf dem Eis sehen wollen: „Das haben wohl alle erlebt, die heute in der 1. Bundes­liga spielen. Da muss man sich durchkämpfen und durchhalten – trotz der dummen Kommentare, hinter denen nichts steht.“ Durchgekämpft hat sich Schmitz – auch in der Nationalmannschaft: Mit dem Team hat sie an den letzten beiden Weltmeisterschaften in Budweis, Tschechien, und Utica, USA, teilgenommen.

Körperspannung gefordert

Und ist Eishockey brutal? „Es ist eine körperliche Sportart, für die man Körperspannung braucht. Aber so brutal, dass Frauen es nicht machen sollten, ist es auf keinen Fall!“ Schmitz spielt seit 18 Jahren und hatte noch nie eine ernsthafte Verletzung. Blaue Flecken gehören dazu, das sind für sie nur Wehwehchen: „Man schmeißt sich in Schüsse rein, um Tore zu verhindern, oder bekommt mal beim Zweikampf an der Bande einen Schläger ab“, berichtet sie ungerührt. „Aber beim Feldhockey ist es ja nicht viel anders – und dort tragen die Spielerinnen viel weniger Schutz.“

Die Schnelligkeit, die Möglichkeit, sich richtig auszupowern, und der Teamgeist begeistern sie besonders an ihrer Sportart. Was eine gute Eishockeyspielerin ausmacht?  „Spielübersicht, Spielverständnis – also anti­zipieren, was die Gegnerin als Nächstes macht – und Standhaftigkeit, damit man im Zweikampf nicht umkippt“, zählt Schmitz mit leuchtenden Augen auf. Eine Sportart wie gemacht für Frauen. Nicht zuletzt deshalb gibt es bei den Mad Dogs mit den Girlies auch eine Mädchenmannschaft.

Text: Dr. Maartje Koschorreck / April 2026