Verschiedene bunte Comicköpfe sind oben und unten in zwei Reihen zu sehen. Dazwischen steht: Fit für die Zukunft. Die Forschungsstrategie der Uni Mannheim.

Was Hänschen lernt, kann auch Hans lernen

Jüngere wie ältere Erwachsene sind gleich­ermaßen in der Lage, sich neue sozio-emotionale Verhaltensweisen anzueignen. Auch Menschen im höheren Alter ziehen Nutzen aus einer Persönlichkeits­intervention, mit der ein anderer Umgang mit Stress und herausfordernden sozialen Situationen trainiert wird. Das zeigt eine Studie der psychologischen Alternsforschung, die Forscherinnen aus Deutschland und der Schweiz unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Wrzus (Universität Heidelberg) und Prof. Dr. Corina Aguilar-Raab (Universität Mannheim) durchgeführt haben.

Als sozio-emotionale Verhaltensweisen bezeichnet die Wissenschaft die Fähigkeit des Menschen, eigene Gefühle ebenso wie soziale Beziehungen zu erkennen, auszudrücken und zu regulieren. Diese Fähigkeit steht im Zusammenhang mit persönlichen Eigenschaften, die zum Beispiel beeinflussen, wie ein Mensch typischerweise in bestimmten Situationen denkt, fühlt und sich verhält. Frühere Forschungen deuteten darauf hin, dass sich diese Persönlichkeits­merkmale nach dem jungen Erwachsenenalter weniger stark entwickeln, so Prof. Dr. Cornelia Wrzus. Die zugrundeliegenden Prozesse sind jedoch nach wie vor kaum verstanden, zudem haben Interventions­studien nur selten Alters­unter­schiede unter­sucht.

Im Rahmen der aktuellen Studie haben die Teilnehmenden in wöchentlichen Sitzungen und Aufgaben für den Alltag trainiert, wie sie besser als bisher mit Stress und herausfordernden sozialen Situationen umgehen können. An dem achtwöchigen Training in Präsenz nahmen 165 Proband*innen teil – junge Erwachsene überwiegend in ihren Zwanzigern und ältere Erwachsene zwischen 60 und 80 Jahren. Welche Effekte das Interventions­programm zeigt, haben die Forscherinnen aus Heidelberg, Mannheim, Hamburg und Zürich (Schweiz) mit einem multi-methodischen Ansatz erfasst. 

„Ein unerwartetes Ergebnis“

Die Auswertung zeigt, dass die durchschnittliche Veränderung bei diesen sozio-emotionalen Verhaltensweisen und Persönlichkeits­merkmalen in beiden Alters­gruppen kaum zu unter­scheiden war. Für die Forscherinnen ein „auffälliges und unerwartetes Ergebnis, da es für ältere Menschen schwieriger zu sein scheint, Neues zu lernen, etwa eine neue Sprache oder ein Musikinstrument“, so Studien­leiterin Wrzus. 

„Unsere Studien­ergebnisse widersprechen in gewisser Weise dem Sprichwort ,Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr‘. Das ist eine positive Nachricht für älter werdende Gesellschaften. Wenn Menschen entsprechend motiviert sind, erhalten sie sich die Fähigkeit, sich zu verändern und Neues hinzuzulernen“, betont Wrzus. An den Forschungs­arbeiten mitgewirkt haben neben Wrzus und Aguilar-Raab auch Gabriela Küchler (Universität Heidelberg), Kira Borgdorf (Universität Mannheim), Prof. Dr. Wiebke Bleidorn (Universität Zürich) und Prof. Dr. Jenny Wagner (Universität Hamburg).

Die Forschungs­arbeiten wurden von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) gefördert. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fach­zeitschrift Communications Psychology erschienen.

Text: Redaktion / August 2026