Gleiche Daten, andere Schlüsse
Unter Beteiligung von Wissenschaftler*innen aus Mannheim zeigt eine im April 2026 veröffentlichte Nature-Publikation: Selbst bei identischen Datensätzen kommen Forschende oft zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen.

An der internationalen Großstudie waren mehr als 450 Forschende weltweit beteiligt – darunter der Mannheimer VWL-Juniorprofessor Dr. Wladislaw Mill sowie Dr. Elias Naumann und Dr. Nicole Schwitter vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES). In der Metastudie analysierten die Forschenden identische Datensätze aus den Sozial- und Verhaltenswissenschaften, kamen dabei jedoch häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Studie zeigt, dass wissenschaftliche Schlussfolgerungen stark davon abhängen können, welche methodischen Entscheidungen Forschende bei der Auswertung treffen.
Die Autor*innen betonen, dass diese Unterschiede kein Zeichen mangelnder Qualität sind, sondern auf die sogenannte analytische Variabilität zurückgehen – also auf unterschiedliche, aber jeweils vertretbare wissenschaftliche Herangehensweisen. Insgesamt plädiert die Studie dafür, künftig stärker auf Transparenz zu setzen und mehrere Analysewege parallel offenzulegen. So könne besser sichtbar werden, wie stabil – oder auch wie unsicher – wissenschaftliche Erkenntnisse tatsächlich sind.
Nur die Hälfte reproduzierbar
In der gleichen Nature-Ausgabe erschien zudem eine Publikation unter Beteiligung der Mannheimer Soziologin Dr. Johanna Gereke und des Politikwissenschaftlers Prof. Nan Zhang, Ph.D. Darin zeigen die Autor*innen anhand einer großen Zahl von Studien, dass nur etwa die Hälfte der Ergebnisse in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften exakt reproduzierbar ist. Die Metastudie betont die Notwendigkeit einer besseren Datenverfügbarkeit und größerer Transparenz, um die wissenschaftliche Verlässlichkeit zu erhöhen.
Text: Yvonne Kaul / August 2026
