Neugründung des Kinder- und Jugendbeirats: „Wir möchten ihnen eine Stimme geben“
Junge Menschen in die Forschung miteinbeziehen, anstatt nur über sie zu forschen – das ist das Ziel des neugegründeten Kinder- und Jugendbeirats der Universität Mannheim. Im Interview erklärt dessen Gründerin Prof. Dr. Tina In-Albon, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters, wie die Treffen ablaufen und mit welchen Forschungsfragen sie sich beschäftigen.

FORUM: Sie haben den Kinder- und Jugendbeirat im November 2025 gegründet. Was ist die Idee dahinter?
Tina In-Albon: Unser übergeordnetes Ziel ist die Verbesserung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch partizipative Forschung. Das heißt, mein Team und ich möchten die Zielgruppe aktiv in die Gestaltung unserer Forschungsprojekte miteinbeziehen und den Kindern und Jugendlichen dadurch eine Stimme geben. Wir führen also im Beirat keine Studien durch, sondern die Teilnehmenden stehen uns beratend zur Seite. Diese Idee kannte ich bereits von anderen Universitäten. Als ich im September 2024 dem Ruf nach Mannheim gefolgt bin, hatte ich das feste Ziel, auch hier einen Kinder- und Jugendbeirat zu gründen.
FORUM: Wie laufen die Treffen des Beirats ab?
In-Albon: Aktuell treffen wir uns einmal im Monat für rund zwei Stunden am Nachmittag. Wir starten mit einem gemütlichen Kennenlernspiel und informieren die Teilnehmenden, falls diese das erste Mal dabei sind, dass alles vertraulich behandelt wird, was wir in den Sitzungen besprechen. Außerdem diskutieren wir eine oder mehrere Forschungsfragen. In den ersten Treffen haben wir auch erst einmal Begriffe wie Forschung und Studie erklärt – die meisten Kinder und Jugendlichen kommen damit ja normalerweise nicht in Berührung. Dann starten wir mit den Themen und Fragen, zu denen wir ihre Meinung hören möchten.
FORUM: Haben Sie hierfür ein konkretes Beispiel?
In-Albon: Unter anderem sind wir daran interessiert, unsere Forschungsmethoden an die Zielgruppe und vor allem an deren Alter anzupassen. Dabei sprechen wir beispielsweise über die Gestaltung von Fragebögen: Versteht ihr unsere Formulierungen? Findet ihr eine Skala von eins bis fünf – also die sogenannte Likert-Skala – besser, um Antworten zu geben, oder den Zahlenraum von eins bis 100? Auf inhaltlicher Ebene ging es bei den bisherigen Treffen etwa um die Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche oder die Frage, warum sie sich bei psychischen Problemen (nicht) ihren Eltern anvertrauen. Ihre Antworten helfen uns, künftige Studien noch besser und kindgerechter zu machen. Langfristig wünschen wir uns auch, dass die Teilnehmenden selbst Themen und Forschungsfragen einbringen, die sie interessieren.
FORUM: Wird das Angebot gut angenommen?
In-Albon: Die bisherigen Rückmeldungen waren positiv und die meisten Teilnehmenden sind wiedergekommen – das sehen wir als gutes Zeichen (lacht). Allerdings freuen wir uns auch sehr über neue Gesichter. Bei den letzten Treffen waren zwischen drei und sechs Kinder und Jugendliche anwesend. Ich denke, eine Gruppengröße von bis zu acht Personen ist optimal. Die Treffen sind offen für alle Interessierten zwischen 9 und 21 Jahren. Unser Beirat bietet ihnen einen exklusiven Einblick in die Forschung an einer Universität. Zudem werden ihre Ideen hier ernst genommen und wir diskutieren auf Augenhöhe, was sich positiv auf den Selbstwert der Kinder und Jugendlichen auswirken kann. Selbstverständlich gibt es auch Verpflegung sowie einen Gutschein als Dankeschön für die Teilnahme.
Interview: Jessica Scholich / August 2026

Der Kinder- und Jugendbeirat freut sich über neue Teilnehmende im Alter von 9 bis 21 Jahren. Interessierte können sich an kiju-beiratuni-mannheim.de wenden. Die aktuellen Termine werden auf der Webseite des Beirats veröffentlicht.
