Wahlergebnisse wirken nach
Die Mannheimer Psychologin Prof. Dr. Olga Stavrova hat mit Kolleg*innen untersucht, wie Anhänger*innen von Gewinner- und Verliererparteien ein Wahlergebnis erleben und welche Veränderungen im Wohlbefinden und in der Persönlichkeit sich dabei beobachten lassen. Die Veränderungen sind bis zu vier Monate nach der Wahl messbar.

Während schon länger bekannt ist, dass persönliche Lebensereignisse wie Scheidung oder Arbeitsplatzverlust einen Einfluss auf das Wohlbefinden und die Persönlichkeit haben können, wurde dies in Bezug auf politische Ereignisse bisher kaum untersucht. Eine Studie von Prof. Dr. Olga Stavrova, Inhaberin des Lehrstuhls für Sozialpsychologie und Mikrosoziologie an der Universität Mannheim, zeigt, welche psychischen Veränderungen die Wähler*innen nach den US-Präsidentschaftswahlen 2024 bei sich beobachteten. Co-Autor*innen der Studie sind Prof. Dr. Dongning Ren (Universität Maastricht) sowie Prof. Dr. Kathleen Vohs und Sangmin Kim (Universität Minnesota).
Mehr als 700 Personen wurden im Zeitraum von drei Wochen vor der Wahl bis 16 Wochen nach der Wahl insgesamt sieben Mal befragt. Als die Wahlergebnisse bekannt wurden, berichteten Anhänger*innen der Demokraten, die die Wahlen verloren hatten, von einem Rückgang des Wohlbefindens, des Optimismus und der persönlichen Kontrollüberzeugung. Sie empfanden sich als zynischer und gaben an, mehr Respektlosigkeit zu erfahren und stärker eine Verschwörungsmentalität zu entwickeln. Auch das vor der Wahl bei den Anhänger*innen der Demokraten vorhandene hohe Vertrauen in Institutionen nahm nach der Wahl rapide ab. All diese Veränderungen waren bis zu vier Monate nach der Wahl noch messbar.
Veränderungen der Persönlichkeit
Im Gegensatz dazu erlebten Anhänger*innen der Republikaner Veränderungen in die entgegengesetzte Richtung: Sie berichteten von einem Anstieg des Wohlbefindens, der persönlichen Kontrollüberzeugung und des Optimismus und nahmen eine positivere Sicht auf die Welt und die Gesellschaft ein, was sich in höherem Vertrauen in Institutionen, geringerem Zynismus, weniger Erfahrungen von Respektlosigkeit und einem Rückgang der Verschwörungsmentalität widerspiegelte.
Die Ergebnisse zeigen darüber hinaus, dass die Wahl mit Veränderungen in weiteren Bereichen der Persönlichkeit einherging, die die Selbstwahrnehmung und die Weltanschauung umfassen – vor allem auf der Seite der Wahlverlierer*innen. „Bei den meisten Befunden zeichnete sich ab, dass eine Wahlniederlage stärker mit Veränderungen verbunden war als ein Wahlsieg – nicht nur auf emotionaler Ebene, sondern auch im Hinblick darauf, wie Menschen gesellschaftliche Realität wahrnehmen und bewerten“, erklärt Stavrova.
Text: Katja Bauer / August 2026
