Verschiedene bunte Comicköpfe sind oben und unten in zwei Reihen zu sehen. Dazwischen steht: Fit für die Zukunft. Die Forschungsstrategie der Uni Mannheim.

Willkommen an der Universität Mannheim

Prof. Dr. Pooja Rani

Professur für Informatik

Ein zentrales Thema in Pooja Ranis Forschung ist die Nachhaltigkeit in der Software­entwicklung. Sie unter­sucht beispielsweise, wie Benutzeroberflächen gestaltet werden können, um Nutzer*innen über den Energieverbrauch von KI-Abfragen zu informieren. „Wenn wir sichtbar machen, welche Ressourcen digitale Technologien verbrauchen, können wir Menschen be­fähigen, bewusster mit ihnen umzugehen“, erklärt die Informatikerin.

Die 33-Jährige wuchs in einem kleinen Dorf im indischen Bundes­staat Haryana auf. Mit 15 Jahren verließ sie ihr Elternhaus, um eine Ausbildung im Bereich Computer Science zu beginnen – und entdeckte dabei ihr Interesse an Software­entwicklung. Ihr weiterer Karriereweg führte sie zunächst in die Privatwirtschaft: Bereits mit 18 Jahren arbeitete sie in Vollzeit bei Samsung und absolvierte parallel ein Bachelor­studium der Informatik. Für ihren Master verließ sie später das Unter­nehmen.

Nach dem Abschluss kehrte sie in die Wirtschaft zurück und arbeitete im Bereich der Automatisierung von Softwaretests und Software­entwicklung. 2018 entschied sie sich endgültig für die wissenschaft­liche Laufbahn und wechselte als Doktorandin an die Universität Bern. Nach ihrer Promotion war sie als Senior Researcher an der Universität Zürich tätig, bevor sie im April 2026 nach Mannheim wechselte.

„Die Universität Mannheim bietet mir ideale Bedingungen, um Forschung, Nachhaltigkeit und Software­entwicklung miteinander zu verbinden“, begründet Rani ihren Wechsel nach Deutschland. „Die Infrastruktur, die Offenheit für neue Ideen und die Unter­stützung der Fakultät haben mich überzeugt.“

Finanz­iert wurde ihre Berufung aus Mitteln des „Professorinnen­programms 2030“ des Landes Baden-Württemberg, die ihr eine sogenannte Vorgriffsprofessur ermöglichten. Dadurch konnte sie die Stelle des bisherigen Lehr­stuhl­inhabers Prof. Dr. Colin Atkinson frühzeitig antreten. Ziel des Programms ist es, den Frauenanteil in universitären Spitzenpositionen zu erhöhen.

Forschungs­schwerpunkte:

  • Software­entwicklung
  • Künstliche Intelligenz
  • Nachhaltigkeit

Ausgewählte Stationen:

  • 2024 bis 2026: Oberassistentin an der Universität Zürich
  • 2022 bis 2024: Senior Researcher an der Universität Zürich
  • 2022: Early Postdoc Researcher an der Universität Bern
  • 2022: Promotion in Software Engineering an der Universität Bern 

Prof. Dr. Marcel Olbert

Lehr­stuhl für betriebs­wirtschaft­liche Steuerlehre

Die Liebe zu Zahlen wurde Marcel Olbert quasi in die Wiege gelegt: Seine Mutter arbeitet in der Finanz­verwaltung, sein Vater ist Steuerberater. Den entscheidenden Impuls für seinen späteren Berufsweg gab jedoch eine dritte Person: Professor Christoph Spengel, der ihn bereits im ersten und dritten Semester seines BWL-Studiums an der Uni Mannheim unter­richtete. „Er war die Schlüsselperson für meine Entscheidung, diesen akademischen Weg einzuschlagen“, erinnert sich Olbert. „Die Relevanz von Steuern hat er einfach hervorragend vermittelt.“

Heute blickt Olbert weit über die Grenzen seines Fach­gebiets hinaus und sucht bewusst den Austausch mit anderen wirtschafts­wissenschaft­lichen Disziplinen. In dem Forschungs­zentrum Mannheim Center for Corporate Behavior and Regulation Analysis (COBRA), das er derzeit in Mannheim aufbaut, sollen Perspektiven aus Finanzen, Rechnungs­legung und Volkswirtschafts­lehre zusammenfließen. „Man braucht diese interdisziplinäre Sichtweise, um das große Ganze besser zu verstehen und sich mehr Gehör auf Ebene der Politik und Medien zu verschaffen“, ist er überzeugt.

Diese Offenheit für fach­übergreifende Zusammenarbeit hat er auch an der London Business School erlebt, von der er im Februar 2026 nach Mannheim wechselte. Dort sind Forschungs­zentren so konzipiert, dass mindestens zwei Fach­bereiche vertreten sind – etwa Volkswirtschafts­lehre und Marketing oder Management und Rechnungs­legung. „Wenn Menschen aus unter­schiedlichen Disziplinen zusammenkommen, entstehen oft besonders spannende Forschungs­projekte“, sagt Olbert. 

Als passionierter Leser von Zeitungen und Newslettern sieht der gebürtige Fuldaer großes Potenzial in der systematischen Auswertung von Medienberichten. Sein Ziel ist der Aufbau einer umfassenden Mediendatenbank, die wirtschafts­politische Nachrichten nahezu in Echtzeit analysiert. Wie wird beispielsweise im Financial Times Morning Briefing über die Zölle von Donald Trump berichtet? Auf welche wirtschafts­politischen Entwicklungen reagieren Kapitalmärkte und Aktienkurse – und wie schnell? Damit will er erfassen, welche wirtschafts­politischen Themen zu einem bestimmten Zeitpunkt besonders relevant sind und wie stark sie das Verhalten von Unter­nehmen beeinflussen. 

„Tagesaktuell“, „schnell“ – dass der Ökonom noch an das hohe Tempo der Metropole London gewöhnt ist, merkt man ihm an. Nach sechs Jahren in Großbritannien wohnt er heute mit seiner Familie in Schwetzingen und freut sich auf eine neue Lebens- und Arbeits­weise. „Die Umstellung kommt genau zur richtigen Zeit, weil wir gerade unser drittes Kind bekommen haben“, sagt er. „Vielleicht gibt es hier nicht die Auswahl aus Hunderten hervorragenden Restaurants. Dafür bietet die Region viele Vorteile für das Familienleben.“

Forschungs­schwerpunkte:

  • Unter­nehmens­besteuerung
  • Trans­parenz- und Offenlegungs­regulierung, Nachhaltigkeits­regulierung
  • Unter­nehmens­finanzierung, Private Equity

Ausgewählte Stationen:

  • 2020 bis 2026: Assistant Professor of Accounting an der London Business School
  • 2022 und 2024: Gast­wissenschaft­ler an der Stanford University
  • 2020: Promotion an der Universität Mannheim
  • 2013 und 2015: Bachelor und Master an der Universität Mannheim, BWL

Prof. Dr. Simone Rademacher

Professur für Analysis

Wenn Simone Rademacher den regulären Schulstoff in Mathematik zu leicht fand, nutzte sie die Unter­richtszeit für andere Fächer – oder löste mathematische Olympiade-Aufgaben. „Ich hatte meine Freiheiten in der Schule“, gesteht die Wissenschaft­lerin mit einem Lächeln. Später besuchte sie in München einen Elite­studien­gang – eine bayerische Besonderheit – in Mathematischer Physik. Das Programm richtete sich an Studierende, die sich nicht zwischen Mathematik und Physik entscheiden wollten. Nach dem Studium fiel ihre Wahl endgültig auf die Mathematik, in der sie schließlich auch promovierte. Komplexe Quanten­systeme bilden heute ihren wissenschaft­lichen Schwerpunkt.

„Wer von der Quantentheorie nicht schockiert ist, hat sie nicht verstanden“, sagte einst der dänische Physiker Niels Bohr. Seine Faszination für dieses Fach scheint die gebürtige Bonnerin zu teilen. Sie unter­sucht das makroskopische Verhalten der vielen Teilchen, aus denen Quanten­systeme bestehen. Diese Systeme sind auf mikroskopischer Ebene durch die Gesetze der Quantenmechanik beschrieben – ihr Ziel ist es jedoch, mathematisch rigoros effektive Gleich­ungen für das makroskopische Verhalten herzuleiten. „Rigoros herleiten“ – darauf legt sie besonderen Wert, wie sie mehrfach betont. „Unsere Hoffnung ist es, mathematisch zu verifizieren, was in der Physik oft nur vermutet wird“, erklärt sie.

Rademacher wechselte im April 2026 dank eingeworbener Mittel aus dem „Professorinnen­programm 2030“ von der Ludwig-Maximilians-Universität München nach Mannheim. Das Thema Frauen in den MINT-Fächern hat für sie einen hohen Stellenwert: Sie gehört zu den Gründerinnen eines internationalen wissenschaft­lichen Vereins für Frauen in der mathematischen Physik und ist dessen Präsidentin. Mentorinnen-Programme, die Vermittlung weiblicher Konferenz-Speaker oder informelle Austauschtreffen – all diesen Aufgaben widmet sie sich, um Frauen zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen, insbesondere in männlich dominierten Fach­bereichen wie ihrem eigenen.

Außerhalb der Wissenschaft zieht es sie in die Natur: In ihrer Freizeit wandert Rademacher gerne in der Pfalz und im Odenwald. An Mannheim schätzt sie besonders die Verbindung aus Urbanität und Nähe zur Natur. Die Stadt sei großstädtisch und lebendig – und gleich­zeitig sei man in wenigen Minuten im Stadtwald. Dass sie nun an einer deutlich kleineren Universität arbeitet, empfindet sie als Vorteil: Der Kontakt zu den Studierenden und der Austausch mit Kolleg*innen sei persönlicher und direkter. „Ich erlebe das alles hier als sehr angenehm.“ 

Forschungs­schwerpunkte:

  • Quantenmechanik
  • Analysis und Stochastik
  • Mathematische Beschreibung von Bose-Einstein-Kondensaten

Ausgewählte Stationen:

  • 2022 bis 2026: Professorin auf Zeit und Postdoktorandin an der LMU München
  • 2019 bis 2022: Postdoktorandin am Institute of Science and Technology Austria
  • 2019: Promotion in Mathematik an der Universität Zürich

Texte: Yvonne Kaul / August 2026