Hohe Lebenshaltungskosten und schwindendes Vertrauen in die Politik prägen die Stimmung in der Metropolregion Rhein-Neckar
Von Mai bis Juli 2026 führten Mitarbeitende des Projekts TransforMA, angesiedelt an der Universität Mannheim, die zweite RegioRadar-Umfrage durch: Menschen ab 16 Jahren, die in der Metropolregion Rhein-Neckar wohnen, wurden zu aktuellen Sorgen und Wohlbefinden befragt.
Pressemitteilung vom 25. August 2026
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An der nicht-repräsentativen Befragung nahmen insgesamt 558 Personen online oder vor Ort teil – davon 288 aus Mannheim und 270 aus der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN). Als drängendste Probleme nannten Mannheimer Teilnehmende „Schmutz/Lärm“ (39 Prozent), „Preise (Leben, Miete…)“ (39 Prozent) und „Armut/Ungleichheit“ (32 Prozent). In der MRN steht ebenfalls das Thema „Preise“ (39 Prozent) sowie die Themen „Verkehr/Infrastruktur“ (36 Prozent), „Sozialer Zusammenhalt“ und „Umwelt/Energie“ mit je 32 Prozent im Vordergrund. Astrid Kickum, Co-Projektleitung Evaluation bei TransforMA, geht davon aus, dass sich aktuelle Krisen auch auf die Problemwahrnehmung vor Ort auswirken: „Die Menschen in der Region spüren Ereignisse wie beispielsweise den zugespitzten Nahostkonflikt und die gestiegenen Benzinpreise vor allem wirtschaftlich. Das zeigt sich auch in der Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Situation – dieser Wert ist von 76 Prozent auf 71 Prozent gefallen.“ Eine weitere Erklärung könnte die mediale Berichterstattung über die genannten Problemfelder sein: „Themen wie Schmutz, Lärm, Probleme bei der Müllabfuhr, illegale Müllablagerungen und mangelnde Mülltrennung sind Dauerbrenner in der kommunalen Berichterstattung“, so Kickum.
Schwindendes Vertrauen in die Politik, gleichbleibendes Vertrauen in wissenschaftliche Institutionen
Im Vergleich zur Befragung des Vorjahres zeigt sich ein abfallendes Vertrauen in Politik und in die Mitmenschen. Besonders deutlich zeichnet sich dieser Trend beim Vertrauen in die Lokalpolitik ab: Nur noch 23 aller befragten Bewohner*innen der MRN und Mannheims gaben an, den vor Ort ansässigen Politiker*innen ziemlich oder sehr zu vertrauen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 30 Prozent. Auch das Vertrauen in die Mitmenschen ist um 6 Prozentpunkte gefallen – 60 Prozent der Befragten vertrauen ihren Mitmenschen ziemlich oder sehr, im Vorjahr waren es 66 Prozent.
Ähnlich wie im Vorjahr gaben auch in der diesjährigen Befragung knapp die Hälfte aller Befragten an, dass aus ihrer Sicht die wissenschaftlichen Institutionen der Region zu den bestehenden Problemen einen Lösungsbeitrag leisten können (2026: 47 Prozent, 2025: 49 Prozent). Hierzu Julia Derkau, Co-Projektleiterin TransforMA: „Wir schätzen das Vertrauen, das die Menschen in uns und unsere Forschung setzen. Gleichzeitig sehen wir es als Ansporn, den Austausch mit den Bewohner*innen der MRN noch zu verstärken und gemeinsam mit ihnen praxisorientierte Lösungen für dringende Probleme zu erarbeiten.“
Sicherheitsgefühl bleibt vergleichsweise niedrig
Das Thema „Sicherheit/Kriminalität“, das 2025 noch an erster Stelle stand, gehört 2026 weder bei den Mannheimer Befragten noch bei den Teilnehmenden aus der MRN zu den drei meistgenannten Sorgen. Kickum führt dies darauf zurück, dass in diesem Jahr einschneidende Ereignisse bisher ausgeblieben sind: „Aufgrund des zeitlichen Abstands beispielsweise zur Amokfahrt in den Planken rückten nun wieder andere Themen prioritär ins Problembewusstsein der Befragten.“ Dennoch bewerten die Befragten ihr persönliches Sicherheitsgefühl in Mannheim weiterhin zurückhaltend. Von den MRN-Bewohner*innen fühlen sich 34 Prozent in Mannheim ziemlich oder sehr sicher (im Vorjahr noch 39 Prozent), von den Mannheimer Bürger*innen selbst fühlen sich 54 Prozent ziemlich oder sehr sicher, was im Umkehrschluss bedeutet, dass jede*r zweite Mannheimer*in sich in der eigenen Stadt nicht sicher fühlt.
Hohe Gesamtzufriedenheit trotz negativer Stimmungstendenz
Insgesamt zeigen sich für 2026 generell leicht gesunkene Zufriedenheitswerte. Dennoch ist die Lebenszufriedenheit mit 82 Prozent (Vorjahr 85 Prozent) hoch. „Die Befragten sind nach eigenen Angaben sehr zufrieden mit ihrem Leben insgesamt. Der scheinbare Widerspruch zu einzelnen Werten, wie zum Beispiel in den Bereichen Vertrauen in Politik oder in Mitmenschen, lässt sich durch das Zufriedenheitsparadox erklären: Die Gesundheitsforschung beschreibt damit das Phänomen, dass sich schlechtere Lebensumstände nicht zwangsläufig negativ auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken“, so Kickum.
Die RegioRadar-Befragung soll 2027 erneut durchgeführt werden. Weitere Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier: https://transfor-ma.de/2026/08/25/hohe-lebenshaltungskosten-und-schwindendes-vertrauen-in-die-politik-praegen-die-stimmung-in-der-metropolregion-rhein-neckar/.
Über TransforMA
TransforMA ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördertes Projekt der Technischen Hochschule Mannheim und der Universität Mannheim, das die Metropolregion Rhein-Neckar bei den aktuellen Transformationsprozessen unterstützt. Die Initiator*innen des Projekts setzen auf den Austausch von Wissen, Ideen und Technologien, um Lösungen für die Herausforderungen von morgen zu entwickeln.
Im Mittelpunkt von TransforMA steht die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um praxisorientierte Lösungen für den demografischen Wandel, die Digitalisierung und den Übergang zu nachhaltiger Produktion zu entwickeln. Mit Partner*innen wie der Stadt Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH fördert TransforMA den Dialog und den Wissenstransfer, um zukunftsfähige Strukturen für die Region zu schaffen.
Kontakt:
Astrid Kickum
Co-Projektleitung Evaluation TransforMA
Universität Mannheim
astrid.kickumuni-mannheim.de
Rheia Martiny
Redakteurin im Verbundprojekt TransforMA
Universität Mannheim
rheia.martinyuni-mannheim.de
