Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

ERC Starting Grant: Wie Frauen die Politik geprägt haben – und ihre eigenen Rechte

Der Europäische Forschungs­rat (European Research Council, ERC) hat die Mannheimer Politik­wissenschaft­lerin Dr. Keonhi Son mit einem seiner begehrten Starting Grants ausgezeichnet. Sie erhält knapp 1,5 Millionen Euro, um zu unter­suchen, welche Rolle weibliche Abgeordnete bei der Entstehung sozialer Rechte und Arbeits­rechte von Frauen in entwickelten Industrieländern spielten.

Pressemitteilung vom 3. September 2026
Druckversion (PDF)

In ihrem ERC-geförderten Projekt unter­sucht Dr. Keonhi Son, wie weibliche Abgeordnete die Entstehung der Frauenrechte in 18 Ländern über fast ein Jahrhundert hinweg – von 1883 bis 1980 – geprägt haben. Dabei betrachtet sie sowohl ihren direkten Einfluss in Form parlamentarischer Mit­wirkung als auch ihren indirekten Einfluss über politische Parteien. Die Geschichte der sozialen Bürgerrechte wird damit erstmals systematisch aus einer frauenzentrierten Perspektive unter­sucht.

Unter den sozialen Bürgerrechten von Frauen versteht die Wissenschaft­lerin, die am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) forscht, deren wirtschaft­liche Unabhängigkeit – sowohl vom Markt als auch von ihren Ehemännern. Dazu gehört beispielsweise das Recht, ohne die Erlaubnis des Ehemanns Arbeits­verträge zu unter­zeichnen, oder das Recht auf soziale Sicherung. Das geförderte Projekt trägt den Titel „SheCitizen: She as Citizen: Female Parliamentarians and the Emergence of Social Citizen­ship“ („SheCitizen: Sie als Bürgerin – weibliche Abgeordnete und die Entstehung sozialer Bürgerrechte“).

„In der Forschung zur Geschichte des Wohlfahrtsstaates herrscht nach wie vor die Sichtweise vor, dass Frauen wie Kinder behandelt wurden – also lediglich als Empfängerinnen der Leistungen des Wohlfahrtsstaates“, sagt die Postdoktorandin. „Ich kenne jedoch viele Fall­studien, die zeigen, dass dies so nicht stimmt. Es gab zahlreiche Politikerinnen und Frauenbewegungen, die die Entstehung sozialer Rechte für Frauen vorangetrieben haben. Deshalb habe ich beschlossen, dies systematischer zu unter­suchen.“

Methodisch möchte sie umfangreiche Daten zu den sozialen Rechten und Arbeits­rechten von Frauen sowie biografische Informationen über weibliche Parlaments­abgeordnete zusammentragen und auswerten. Im Fokus stehen 18 entwickelten Industrieländer – dar­unter die USA, Japan und Neuseeland sowie europäische Länder wie Schweden, Großbritannien und Deutschland.

Geschichte sieht Son als Schlüssel zum Verständnis heutiger Ungleich­heiten auf dem Arbeits­markt: „Geschlechterbezogene Institutionen sind ein gutes Beispiel dafür, wie sich Institutionen im Laufe der Zeit verändern und aufeinander aufbauen. Wenn wir nicht verstehen, wie sich diese Institutionen in verschiedenen Gesellschaften entwickelt haben, können wir nur schwer erklären, warum es heute Unter­schiede gibt und wie sich diese auf die Situation von Frauen und Männern auf dem Arbeits­markt auswirken – etwa darauf, dass der Gender Pay Gap in manchen Ländern deutlich größer ist als in anderen“, erklärt sie. 

„Mit ihrem ERC-geförderten Projekt bringt Keonhi Son eine neue Perspektive in die Forschung zur Entwicklung des Wohlfahrtsstaates ein. Dass ein solch innovatives Forschungs­projekt am MZES angesiedelt ist, unter­streicht die Stärke der Universität Mannheim in den Sozial­wissenschaften“, sagt der Rektor der Universität Mannheim, Prof. Dr. Thomas Fetzer. 

Zur Person
Keonhi Son studierte Politik­wissenschaft an der Korea University in Seoul und an der Universität Heidelberg. Nach ihrer Promotion an der Universität Bremen forschte sie am SOCIUM der Universität Bremen und war als Visiting Scholar am Max-Planck-Institut für Gesellschafts­forschung sowie an der Sciences Po in Paris tätig. Seit 2024 arbeitet sie als Research Fellow am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim. Sie leitet unter anderem ein von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt zur Arbeits- und Familienpolitik.

Über den European Research Council (ERC)
Mit dem ERC Starting Grant fördert der ERC Forschende aller Nationalitäten mit zwei bis sieben Jahren Erfahrung seit Abschluss der Promotion. Die Antragstellenden müssen eine vielversprechende wissenschaft­liche Erfolgsbilanz vorweisen, einen hervorragenden Projektvorschlag im Namen ihrer Gastinstitution einreichen. Nur etwa 12 bis 15 Prozent aller Anträge für ein ERC Starting Grant sind erfolgreich und werden gefördert. Die Förderung läuft in der Regel über fünf Jahre mit einer Förderung von bis zu 1,5 Millionen Euro. 

In dieser Runde wurden insgesamt 705 Millionen Euro an 421 Top-Forschende aus 25 Ländern ausgeschüttet. 

Weitere Informationen: https://erc.europa.eu/apply-grant/starting-grant

Zur Pressemitteilung des ERC: https://erc.europa.eu/news-events/news/erc-2026-starting-grants-results 

Ein Pressefoto kann hier her­unter­geladen werden: http://www.uni-mannheim.de/newsroom/presse/pressefotos 

Kontakt: 
Dr. Keonhi Son (steht für Interviews auf Englisch zur Verfügung)
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES)
Universität Mannheim
Telefon: +49 621 181-2849
E-Mail: keonhi.sonuni-mannheim.de

Luisa Gebhardt
Redakteurin
Universität Mannheim
E-Mail: luisa.gebhardtuni-mannheim.de