Das Mannheimer Barockschloss und der Ehrenhof unter blauem Himmel.

ERC Starting Grant: Wie Frauen die Politik geprägt haben – und ihre eigenen Rechte

Der Europäische Forschungs­rat (European Research Council, ERC) hat die Mannheimer Politik­wissenschaft­lerin Dr. Keonhi Son mit einem seiner begehrten Starting Grants ausgezeichnet. Sie erhält knapp 1,5 Millionen Euro, um zu unter­suchen, welche Rolle weibliche Abgeordnete bei der Entstehung sozialer Rechte und Arbeits­rechte von Frauen in entwickelten Industrieländern spielten.

In ihrem ERC-geförderten Projekt unter­sucht Dr. Keonhi Son, wie weibliche Abgeordnete die Entstehung der Frauenrechte in 18 Ländern über fast ein Jahrhundert hinweg – von 1883 bis 1980 – geprägt haben. Dabei betrachtet sie sowohl ihren direkten Einfluss in Form parlamentarischer Mit­wirkung als auch ihren indirekten Einfluss über politische Parteien. Die Geschichte der sozialen Bürgerrechte wird damit erstmals systematisch aus einer frauenzentrierten Perspektive unter­sucht.

Unter den sozialen Bürgerrechten von Frauen versteht die Wissenschaft­lerin, die am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) forscht, deren wirtschaft­liche Unabhängigkeit – sowohl vom Markt als auch von ihren Ehemännern. Dazu gehört beispielsweise das Recht, ohne die Erlaubnis des Ehemanns Arbeits­verträge zu unter­zeichnen, oder das Recht auf soziale Sicherung. Das geförderte Projekt trägt den Titel „SheCitizen: She as Citizen: Female Parliamentarians and the Emergence of Social Citizen­ship“ („SheCitizen: Sie als Bürgerin – weibliche Abgeordnete und die Entstehung sozialer Bürgerrechte“).

„In der Forschung zur Geschichte des Wohlfahrtsstaates herrscht nach wie vor die Sichtweise vor, dass Frauen wie Kinder behandelt wurden – also lediglich als Empfängerinnen der Leistungen des Wohlfahrtsstaates“, sagt die Postdoktorandin. „Ich kenne jedoch viele Fall­studien, die zeigen, dass dies so nicht stimmt. Es gab zahlreiche Politikerinnen und Frauenbewegungen, die die Entstehung sozialer Rechte für Frauen vorangetrieben haben. Deshalb habe ich beschlossen, dies systematischer zu unter­suchen.“

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