MZES Speaker series: Party Positioning on Immigration and Immigrant Voting
Abstract:
In ganz Europa vertreten die etablierten Parteien zunehmend restriktivere Positionen zur Einwanderung, obwohl die Wählerschaft mit Migrationshintergrund weiter wächst. Wie diese Wähler auf solche Veränderungen reagieren, bleibt unklar. Bestehende Forschungsergebnisse deuten auf zwei konkurrierende Möglichkeiten hin: Wähler mit Migrationshintergrund könnten sich solidarisch mit anderen Einwanderern zeigen und daher restriktive Einwanderungspolitiken ablehnen, oder sie könnten weitere Einwanderung als wirtschaftliche oder kulturelle Bedrohung wahrnehmen und solche Politiken unterstützen. Wir argumentieren, dass diese Perspektiven unterschiedliche Segmente der Wählerschaft mit Migrationshintergrund charakterisieren und keine alternativen Erklärungen für eine gemeinsame Reaktion darstellen. Anhand von Umfragedaten aus 35 europäischen Ländern, die mit Parteiprogrammen verknüpft sind, zeigen wir zunächst, dass auf aggregierter Ebene kein systematischer Zusammenhang zwischen den Einwanderungspositionen der Parteien und ihrer Wahlunterstützung bei Wählern mit Migrationshintergrund besteht. Die Ergebnisse eines Conjoint-Experiments in Deutschland lassen jedoch erhebliche Heterogenität erkennen. Wähler*innen mit Migrationshintergrund aus dem linken Spektrum neigen dazu, restriktive Einwanderungspositionen abzulehnen, während Wähler*innen mit Migrationshintergrund aus dem rechten Spektrum diese befürworten. Diese Unterschiede stehen in engem Zusammenhang mit den Einstellungen zur Einwanderung, was darauf hindeutet, dass die Wählerschaft mit Migrationshintergrund in ihrer Reaktion auf die Einwanderungspolitik keineswegs einheitlich ist.
Interessierte können sowohl vor Ort erscheinen als auch per Zoom unter diesem link teilnehmen.
